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26/09/2020
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Zur politischen Lage, vor allem der Minderheitenfrage, in Sri-Lanka


AUTOR:  Brigitte QUECK & Rudolf PALMER


Die Vereinigung „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“ hat im Februar 2010 eine  Veranstaltung zum Thema „Politische Lage in Sri- Lanka“ durchgeführt, wobei vor  allem die Minderheitenproblematik der Tamilen im Vordergrund stand. Die Diskussion  hat ergeben, dass man es sich bei der Einschätzung der politischen Lage gewisser Länder oft zu einfach macht. Das haben z. B. auch die Ereignisse im Kosovo Ende der 90iger Jahre gezeigt, bei denen es  schließlich auch um die Minderheitenfrage ging und wo die wirklichen Fakten und welche Kräfte und Staaten dort hintergründig eine Rolle gespielt haben, erst viel später ans Tageslicht kamen.( siehe Dorin: „Srebrenica“, Kai Homelius  Verlag).



Folgende verallgemeinerten Schlussfolgerungen haben wir nach dem Vortrag des tamilischen Vertreters und den Diskutierenden gezogen:

1.die Minderheitenproblematik wird von den USA und ihren Helfern und Helfershelfern  in den Ländern, die reich an Bodenschätzen sind und eine militärstrategische Bedeutung haben, ausgenutzt, um sich diese Staaten in neokolonialistischer Manier vollends zu unterwerfen, so auch  Sri- Lanka.

2.Die NATO-Staaten, allen voran die USA, nutzen Bürgerkriegs- ähnliche Zustände in diesen Ländern, die sie in geschickter Weise durch ihre Geheimdienste selbst inszeniert haben, aus, um dann als „Menschenrechtskämpfer für Demokratie und Freiheit“, natürlich nur zum  Nutzen und Frommen der westlichen Welt verstanden, militärisch eingreifen zu können, um sie dann schließlich vollends unter „ihre Obhut zu nehmen“.
Im Falle Sri- Lankas haben sie es nicht nur auf die reichen Bodenschätze Sri- Lankas wie Titanerze, die zu den umfangreichsten der Welt gehören, Öl, bzw. Ilmenit, das ein  begehrliches Mineral für die Computerindustrie ist, u.a. abgesehen, sondern auch auf die Kontrolle des Indischen Ozeans, über den viele Handelsrouten, vor allem die Öltransport- Linien laufen.

3. Die Tsunami-Katastrophe in Südostasien, die aller Wahrscheinlichkeit seitens der USA durch ihre Wetterwaffe HAARP verursacht worden ist, wurde von diesen genau zu dem Zeitpunkt eingesetzt, als die Verhandlungen zwischen der Regierung Sri- Lankas und den LTTE- Tamilen vor einem erfolgreichen Abschluss standen.

4. Die darauf folgende Hungerkatastrophe, wurde von den USA und der EU ausgenutzt, um die Spannungen in Sri-Lanka zusätzlich anzuheizen. So hatten beide, sowohl die USA als auch die EU ausdrücklich verfügt, dass den LTTE – Tamilen, die seiner Zeit von ihnen noch als „Terroristen“ eingestuft wurden, nicht die Hilfslieferungen der westlichen Welt zugute  kommen sollten.
Da die Tamilen diesen Hintergrund nicht kannten und somit alle Schuld auf ihre Regierung schoben, verhärteten sich wieder die Positionen zwischen ihnen und der Regierung von Sri-Lanka.

5. Mit der Zerschlagung der militärischen Seperatistenbewegung LTTE -Tiger haben vor allem die USA eine Niederlage hinnehmen müssen. War es doch deren Ziel gewesen, in Asien noch weitere militärische Stützpunkte zu errichten und China und Russland in den Zangengriff zu nehmen.
So hatte die Sunday Times „ Pläne für eine amerikanisch geführte Militärmission in der Kriegszone im Norden Sri-Lankas“ aufgedeckt(siehe: World Socialist Website vom 5.März 2009 ). Lunstead als ehemaliger US-Botschafter in Sri-Lanka hatte dem Außenpolitischen Ausschuss des US-Senats empfohlen, dass „eine beträchtliche US-amerikanische Truppenpräsenz im Norden der Insel ein starkes politisches Druckmittel wäre, um die Weichen nach dem Krieg in Colombo im Sinne von Washingtons strategischen Interessen zu beeinflussen“ ( siehe ebenda ).


Soldat der Vernichtungskommandos der singhalesisischen Armee. Reuters Pictures



6. Die weltpolitische Lage indes hat sich seit 1999, dem Überfall Jugoslawiens durch die
    NATO, geändert. Nicht mehr Jelzin, der neben Gorbatschow den Ausverkauf der
    Sowjetunion verschuldet hat, steht an der Spitze Russlands, das nun zusammen mit China
    nicht nur in der UNO, sondern auch „vor ihrer Haustür“ für  mehr Stabilität in den
    internationalen Beziehungen sorgen will.

7. Doch diese militärische und politische Niederlage in Asien will man seitens der USA und
    der Westmächte nicht hinnehmen. Sie versuchen nunmehr auf juristischem Wege durch
     eine plötzliche einseitige Schuldzuweisung am Krieg an die sri-lankische Regierung, diese
    in den Augen der Weltöffentlichkeit diskreditieren, was augenscheinlich zu
    einer gewollten Wiedereinführung  kapitalistischer Zustände dort führen soll. Das
    plötzliche „Vorführen“ der sozialistischen Regierung von Sri-Lanka seitens der USA und
    der Westmächte erinnert sehr an ihr damaliges Vorgehen gegenüber Jugoslawien.
    Nachdem die UCK von ihnen vor 1999 erst als Terroristenbewegung eingestuft worden
    war, ist diese  dann plötzlich als „Befreiungsbewegung“ und Verbündeter der NATO wie
    Phönix aus der Asche wieder auferstanden.

8. Wie vor kurzem über die Zeitschrift German Foreign Policy  und  unter:
     www.amnesty-sri-lanka.de bekannt geworden ist, versuchen sowohl die USA, als auch die
     EU, die Kriegsverbrechen Sri-Lankas vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen und
     Sri-Lanka wegen Kriegsverbrechen anzuklagen, die die Westmächte durch ihre
     Geheimpolitik und militärische Unterstützung der LTTE –Tigers selbst verschuldet haben.
     Wenn man dann noch weiß, dass in allen Verfassungen der Staaten der Welt militärische
     Sezessions (Abspaltungs)-Bewegungen unter hohe Strafe gestellt ist, wird erst das ganze
     Ausmaß der Heuchelei der USA und der ihr zum großen Teil unterwürfig folgenden
     Westmächte sichtbar.

9.  Bei diesem „Mächtegerangel“ sollen die LTTE- Tigers aus dem Ausland, sollten sie sich
     blauäugig wie weiland die Kosovo-Albaner missbrauchen lassen,“ mitspielen“.
     Doch auch die Tamilen würden, sollten sie mit Hilfe der Westmächte Erfolg in ihrem
     Ringen um einen selbständigen Staat haben, sehr bald merken, dass die Unterstützung 
     ihres Kampfes um Unabhängigkeit seitens der Westmächte „ihren Preis“ hat. Die dann
     folgende westliche„Beraterfunktion“  in ihrem Lande, bereits erfolgreich im Kosovo
     praktiziert, würde den erneuten Verlust ihrer Selbständigkeit und die Ausbeutung der
     Bodenschätze von ausländischen Mächten nach sich ziehen, ohne dass die eigene
     Bevölkerung daraus einen  Nutzen zieht (siehe Kosovo heute nach der Erklärung ihrer
     Souveränität ).
     Diese bittere Erfahrung haben die kosovarischen Albaner den Tamilen voraus.
     Nach der Erlangung ihrer Unabhängigkeit ist dort  tiefe Ernüchterung und Enttäuschung
     eingekehrt, da alle eingestehen, dass sie im einigen sozialistischen Jugoslawien besser
     gelebt haben.

10.In den ehemaligen Ländern des sozialistischen Weltsystems hatten die Minderheiten die
     gleichen Rechte wie die übrige Bevölkerung des jeweiligen Staates.
     Demzufolge wäre damals keiner auf den Gedanken gekommen, sich vom jeweiligen
     Mutterland abzuspalten.
     Erst mit der Auflösung des sozialistischen Weltsystems wurde die
     Minderheitenproblematik, die schon Hitler erfolgreich nach der Methode „Teile und
     herrsche“ benutzt hat, von den führenden Westmächten wieder aufgegriffen, um durch
     ideologische Beeinflussung von außen die ehemals sozialistischen Länder aufzuspalten,
     den früheren Zusammenhalt der Bevölkerung dieser Länder zu zerstören, um dann
     schließlich diese Länder neu zu kolonialisieren.

11.Wie früher Jugoslawien, war auch Sri-Lanka ein führendes Land der Blockfreien, die in
     allen Weltorganisationen, wie z. B. in der UNO, Kraft ihrer ausgleichenden Wirkung
     immer ein vermittelndes Wort mitzureden hatten und gern gehört wurden.
     Nachdem z.B. Jugoslawien durch die Sezessionsbewegung von innen mit äußerer, auch
      militärischer, Unterstützung der UCK durch die USA und die Westmächte aufgespalten
      wurde, droht es nunmehr ein billiges Opfer der EU und NATO zu werden.

  12.Das die USA und die Westmächte ihr Ziel, Sri-Lanka aus machtpolitischen Gründen fest
       in den Augen behalten, sollten wir sehr aufmerksam die Entwicklung in diesem Raum
       verfolgen.

Schon Bertolt Brecht warnte in seinem Stück “Mackie Messer“:„Und der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht, doch Mackie, der hat ein Messer und das Messer sieht man  nicht !“ Darum kann die Strategie und Taktik zur Durchleuchtung dieser und anderer  kapitalistischer Lügengespinste, die letzten Endes gegen uns alle gerichtet sind, weil sie immer auch den Keim von neuen Kriegen in sich tragen, nur die gegenseitige Information und Aufklärung sein.
    


Quelle: die Autoren

Originalartikel veröffentlicht am 17.2.2010

Die Autoren: Studienrat Rudolf Palmer und Diplomstaatswissenschaftlerin Außenpolitik Brigitte Queck


Brigitte Queck ist eine mit Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt, assoziierte Autorin. Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autoren als auch die Quelle genannt werden.

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http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10019&lg=de


TAIFUNZONE: 17/02/2010

 
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