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04/07/2020
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Nie eingehaltene Versprechungen

Indien: Störfall in Pestizid-Fabrik von BAYER-Hochgiftige Gase ausgetreten / Mitarbeiter getötet / Verkaufs-Stopp gefordert


AUTOR:   CBG Coordination gegen BAYER-Gefahren/Coalition against BAYER-Dangers


In einer Fabrik von BAYER CropScience im indischen Ankleshwar kam es gestern früh zu einem schweren Unfall. Nach einem Feuer traten über einen Zeitraum von rund 90 Minuten die hochgiftigen Gase Mercaptan und Phosphortrichlorid aus. Ein 27-jähriger Ingenieur kam ums Leben. Der Störfall ereignete sich in einer Anlage, in der das hochgiftige Pestizid Ethoprop produziert wird.

Auch außerhalb der Fabrik wurden hohe Konzentrationen giftiger Stoffe gemessen. Ein Sprecher der Polizei berichtete gegenüber der Times of India: „Nachdem wir mehrere Beschwerden wegen Übelkeit und Erbrechen erhalten hatten, begannen wir mit den Luftmessungen. Diese ergaben eine hohe Konzentration von Chemikalien in der Luft."

Ethoprop gehört zur Substanzklasse der Organophosphate und ist chemisch mit E 605 verwandt. Das Pestizid wird gegen Würmer und Insekten eingesetzt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet den Wirkstoff als „extrem gefährlich" (Gefahrenklasse 1) und krebserregend. BAYER bietet das Insektizid seit den 60er Jahren unter dem Handelsnamen Mocap an. Ethoprop wird in der Umwelt nur langsam abgebaut und wird häufig in Gewässern und im Grundwasser nachgewiesen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Erst vor wenigen Wochen haben wir gefordert, dass BAYER die Produktion aller Klasse 1-Pestizide, darunter auch Ethoprop, einstellt – leider vergeblich. Eine sichere Anwendung dieser hochgefährlichen Produkte ist schlicht unmöglich, ganz besonders in Ländern des Südens". Mimkes fordert eine unabhängige Untersuchung des Störfalls, so wie zuletzt in den USA nach einer Explosion in einer Pestizid-Fabrik von BAYER in West Virginia, bei der zwei Mitarbeiter starben. US-Aufsichtsbehörden hatten nach dem Störfall umfangreiche Ermittlungen angestrengt. Die Arbeitsschutzbehörde OSHA fand dabei "mangelhafte Sicherheits-Systeme, signifikante Mängel der Notfall-Abläufe und eine fehlerhafte Schulung der Mitarbeiter". Der US-Kongress kam zu dem Ergebnis, dass die Explosion das „Desaster von Bhopal in den Schatten hätte stellen können".

BAYER hatte bereits 1995 angekündigt, alle Klasse 1-Wirkstoffe vom Markt zu nehmen, das Versprechen jedoch bis heute nicht gehalten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der jährlichen Pestizidvergiftungen auf 3 bis 25 Millionen. Mindestens 40.000 Fälle pro Jahr verlaufen tödlich, bei einer hohen Dunkelziffer. Armut, Analphabetismus und das tropische Klima, das den Einsatz von Schutz-Anzügen verhindert, tragen dazu bei, dass rund 99% aller Pestizid-Vergiftungen in Ländern des Südens auftreten.

Weitere Informationen:

Anmerkung von Tlaxcala
Ankleshwar im Staat Gujarat (Nordwest-Indien), in der Nähe der Stadt Bharuch, ist bekannt für seine Industrie-Zone, die der GIDC (Gujarat Industrial Development Corporation) gejhört und, eine der größten in Asien ist.
Heute hat Ankleshwar über 5.000 chemischen Anlagen, große und kleine. Diese Anlagen produzieren u.a. Pestizide, Arzneimittel und Farbe.



Quelle: Pressemitteilung der Coordination gegen BAYER-Gefahren 

Originalartikel veröffentlicht am 12. März 2010

Über den Autor

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren  ist ein Partner von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10149&lg=de

  


TAIFUNZONE: 12/03/2010

 
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