HOME TLAXCALA
das Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt
TLAXCALAS MANIFEST  WER SIND WIR ?  FREUNDE VON TLAXCALA  SUCHEN 

SÜDLICH DER GRENZE (Lateinamerika und Karibik)
IMPERIUM (Globale Fragen)
KANAAN (Palästina, Israel)
UMMA (arabische Welt, Islam)
IM BAUCH DES WALFISCHES (Aktivismus in den imperialistischen Metropolen)
FRIEDEN UND KRIEG (USA, EU, NATO)
MUTTER AFRIKA (afrikanischer Kontinent, indischer Ozean)

TAIFUNZONE (Asien, Pacifik)
KALVELLIDO MIT K (Tagebuch eines Prolos)
RAUCHENDE GEHIRNE (Kultur, Kommunikation)
DIE NICHT EINZUORDNENDEN 
DIE TLAXCALTEKISCHEN CHRONIKEN 
DIE TLAXCALA KARTEI (Glossare, Lexika, Karten)
BIBLIOTHEK DER AUTOREN 
GALERIE 
TLAXCALAS ARCHIV 

05/07/2020
Español Français English Deutsch Português Italiano Català
عربي Svenska فارسی Ελληνικά русски TAMAZIGHT OTHER LANGUAGES
 
Atomrüstung nach dem Nukleargipfel in Washington

«Erstens ist Iran keine Nuklearmacht. Zweitens will Iran bisher lediglich Uran anreichern. Alles andere sind heute Vermutungen»- Interview mit Prof. Dr. Albert A. Stahel, Institut für Strategische Studien an der Universität Zürich


AUTOR:  Vasilije MUSTUR


Vasilije Mustur: Herr Stahel, wird die Welt nach dem Nukleargipfel in Washington jetzt sicherer?

Professor Albert Stahel: Nein. Es wurde viel geredet und wenig entschieden. Genau wie beim neuen Abrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland.

Was heisst das?

Durch das neue Abkommen, das US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Medwedew unterzeichnet haben, wird nur ein kleiner Teil der Nuklearwaffen aus dem Arsenal der beiden Grossmächte abgerüstet. Die in diesem Vertrag aufgeführten Abrüstungsziele werden seit 20 Jahren schrittweise umgesetzt. Der wichtigste Unterschied zu den früheren Abrüstungsverträgen ist der, dass der Abbau der Nuklearwaffen überwacht werden wird.

Dann ist der Abrüstungsvertrag also ein Schönwetterpapier?

Die sich bereits im Gang befindende Abrüstung wurde einfach vertraglich geregelt. Bei der Anzahl der Atomwaffen wird es nur wenige Veränderungen geben. Im Augenblick will Russland auch nicht weiter abrüsten.

Weshalb?

Russland kann seine eigene Sicherheit nur mit seinen Nuklearwaffen garantieren. Allein mit den konventionellen russischen Streitkräften kann Russland nicht geschützt werden. Während der Ära des russischen Präsidenten Boris Jelzin sind die konventionellen Streitkräfte von Russland vernachlässigt worden.

Wie äussert sich das?

Die konventionellen Streitkräfte müssen heute weitgehend mit Material aus den 80er Jahren auskommen. Damit kann Russland einen ernsthaften Gegner nur bedingt abwehren. Deshalb wehrt sich Russland auch so vehement gegen den US-Raketenschutzschild und hat angekündigt, falls das Raketenabwehrsystem der USA doch eingerichtet würde, dass Russland den Abrüstungsvertrag nicht einhalten wird. Ein funktionsfähiges Abwehrsystem könnte das russische Nuklear-arsenal ausmanövrieren.

Zurück zum Atomgipfel: Barack Obama sorgt sich über das nukleare Material, welches in seinen Augen schlecht gesichert ist.
Obama will mit seinen Hinweisen auf den Nuklearterrorismus einfach davon ablenken, dass die USA nur bedingt dazu bereit sind, ihr eigenes Nukleararsenal zu reduzieren.

Trotzdem: Die Bedrohung ist real. In Pakistan – einer aufstrebenden Nuklearmacht – vergeht kein Tag ohne Terroranschlag. Zudem herrschen dort bürgerkriegsähnliche Zustände …

Solange die pakistanische Armee die Nuklear-waffen sichert, besteht dort keine Gefahr. Zudem sind die pakistanischen Raketen nicht mit Sprengköpfen ausgerüstet – im Gegensatz zu den US-Raketen.

Also halten sie es für unwahrscheinlich, dass der Terrororganisation al-Kaida eine Nuklear-waffe in die Hände fallen könnte?

Es ist möglich, dass sich al-Kaida schwach spaltbares Material beschaffen könnte. Damit könnte al-Kaida eine «schmutzige Bombe» bauen. Dieses Material könnten sich Terroristen in zivilen Anlagen und Instituten beschaffen. Je nach konventioneller Sprengkraft der Bombe könnte dadurch eine grössere Stadt verstrahlt werden.

Den USA bereiten offenbar auch Nordkorea und Iran Sorgen. Beide lassen sich von niemandem etwas sagen, und der iranische Präsident Ahmadinejad droht Israel, wann immer es geht.

Was die Nuklearwaffen Nordkoreas betrifft, so sind für das Regime die wenigen nuklearen Gefechtsköpfe ein Abschreckungsmittel gegenüber den amerikanischen Truppen in Südkorea. Zu Iran: Erstens ist Iran keine Nuklearmacht. Zweitens will Iran bisher lediglich Uran anreichern. Alles andere sind heute Vermutungen.

Damit kann das Land aber eine Nuklearwaffe bauen …

Nicht unbedingt. Die Iraner müssen zuerst genügend Uran beschaffen und dieses anreichern. Davon ist Iran weit entfernt. Alle vermuten, dass Iran Nuklearwaffen entwickelt. Eine Tatsache ist das aber noch nicht.

Wären iranische Nuklearwaffen denn keine Gefahr für die instabile Region?

Iranische Nuklearwaffen wären eine Gefahr für die US-Truppen im Irak und in Afghanistan …

Aber auch für Israel. Ahmadinejad leugnet den Holocaust und droht Tel Aviv ständig mit Krieg.

Israel dürfte 200 bis 300 nukleare Gefechtsköpfe besitzen. Israel ist die Nuklearmacht der Region schlechthin. Darüber hinaus würde Israel Iran ausradieren, sollte Iran Israel angreifen wollen.

Israel plant offenbar seit längerer Zeit, die iranischen Atomanlagen zu bombardieren. Was würde geschehen, wenn das geschieht?

Dann würden die Schiiten im Irak den USA den Krieg erklären.   


Quelle: a-z.ch

Originalartikel veröffentlicht am 14.4.2010

Über den Autor

Tlaxcala ist das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10357&lg=de


UMMA: 22/04/2010

 
 SEITE DRUCKEN SEITE DRUCKEN 

 SEITE SENDEN SEITE SENDEN

 
ZURÜCK ZURÜCK  

 tlaxcala@tlaxcala.es

  21:31