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19/02/2017
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Araber können keine Antisemiten sein


AUTOR:  Khaled Al Maeena

Übersetzt von  Übersetzt von Eva-Luise Hirschmugl und überprüft von Fausto Giudice


Letzte Woche berichtete ich über den Anruf eines italienischen Freundes, der mich fragte, ob der Islam und die Muslime faschistische Tendenzen aufweisen oder solche Glaubensgrundsätze vertreten. Diese Frage war das Ergebnis des unglücklichen und unüberlegten Gebrauchs von Seiten George W. Bushs des Begriffs „islamische Faschisten“.
So unzutreffend und falsch dieser Begriff auch ist, so ist es keine Erfindung von Bush – oder ertwa eine Erfindung seiner Redenschreiber. Er wurde zum ersten Mal kurz nach dem 11. September 2001 von Christopher Hitchens gebraucht, ein ehemals unverbesserlicher Marxist, der nun zu den tragenden Persönlichkeiten der amerikanischen Neokonservativen zählt.
Als Neokonservativer ist Hitchens sehr privilegiert und angesehenes Mitglied der Mediengruppe, die regelmässig Muslime und den Islam angreift. Er erfreut sich grosser Beliebtheit, sowohl bei den Neokonservativen als auch in zionistischen Kreisen. Unter denjenigen, die ihm nahestehen, befinden sich Daniel Pipes, Richard Perle, David Horowitz – alle zusammen stehen in enger Verbindung zur amerikanischen Regierung und ihrer seit einigen Jahren destruktiven und international unbeliebten Politik.
Das Wort „Faschist“ wurde wohl deshalb gebraucht, weil die Bush Administration und ihre Kriecher (die Neokonservativen, Evangeliker, Rechtsextremen und die zionistische Lobby) der falschen und grotesken Auffassung sind, dass der Islam die Welt an sich reissen will. Sie sind davon überzeugt, dass Muslime mit Gewalt die ganze Welt erobern wollen und jedermann mit dem Schwert zum Islam bekehren wollen!
Wie sind sie zu diesem Schluss gekommen? Auf der Basis der Glaubensgrundsätze und Praktiken von Terroristen oder auf der Basis der Glaubensgrundsätze und Praktiken der restlichen 99,9% von Muslimen, die keine Terroristen sind? Und während sich unsere arabischen Medien, wie üblich, auf Triviales konzentrieren, vertiefen ihre Medien langsam aber sicher Negativbilder über Araber und ihren angeblichen Antisemitismus.
Wie, so frage ich mich, können Araber Antisemiten sein? Tatsächlich sind sie selbst Semiten, die Bezeichnung stammt von einem der Söhne Noahs, Sem, der Vorfahre von Juden und Arabern. Das Wörterbuch Oxford English Dictionary definiert als „semitisch“ ein „Volk, das eine semitische Sprache spricht, also insbesondere Juden und Araber“. Mit anderen Worten wäre es höchst ungewöhnlich für Araber Antisemiten zu sein, wobei sie natürlich Antizionisten sein können. Doch das ist nicht dasselbe.
Um die Lügen und Halbwahrheiten zu bekämpfen, die über den Islam und Muslime kursieren, benötigen wir unsere eigenen Forscher. Und davon haben wir leider sehr wenig. Wir Araber sind, aus welchen Gründen auch immer, nicht dafür bekannt, dass wir Forschung unterstützen, es sei denn wir sind uns ziemlich sicher, wie das Ergebnis ausfallen wird. Wir verfügen auch nicht über genügend Personen, die Fremdsprachen fliessend beherrschen. Wieviele Araber sind beispielsweise fliessend in hebräisch? Sie sind nicht einmal annähernd so zahlreich wie die israelischen Juden, die fliessend arabisch sprechen.
Wir haben viele Personen, die behaupten, sie hätten einen Doktortitel von dieser oder jener Universität. Leider können die Inhaber solcher Doktortitel wenig unternehmen, ausser besondere Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen aufgrund ihrer angeblichen hervorragenden akademischen Fähigkeiten.
Wir brauchen Akademiker, die mit Hilfe von Tatsachen und Beweisen darlegen können, dass „Zionisten häufig Antisemiten sind“. Denn das ist eine Tatsache. Zionisten sind im Grossen und Ganzen Aschkenasejuden, was bedeutet, dass sie zentral-oder osteuropäischer Abstammung sind. Die grosse Mehrheit der heute in Israel lebenden Juden sind Aschkenasejuden und sie kontrollieren auch das Land und, in der Vergangenheit, stellten sie auch die Regeln und Vorschriften auf und legten den Kurs der Regierungspolitik fest. Sie betrachten ihre sefardischen Brüder – Juden spanischer, portugiesischer, nordafrikanischer oder mittelöstlicher Abstammung - nicht immer als ihnen ebenbürtig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg strömten die Aschkenase Juden, verblendet von traditionellen Mythen und Legenden, nach Palästina und träumten von einem neuen Leben. Es kümmerte sie nicht, dass dieses Land von arabischen Semiten bevölkert war, die dort bereits seit Jahrtausenden lebten. Während des britischen Mandats lebte überraschenderweise zu einem bestimmten Zeitpunkt nur eine einzige jüdische Familie in Jerusalem.
Die britische Forscherin Tanya Hsu, die auf diesem Gebiet viel Arbeit geleistet hat und dabei häufig mit grossen Schwierigkeiten konfrontiert war, ist der Meinung, dass der Einsatz korrekter Informationen viel zur geistigen Öffnung der Menschen beitragen würde. „Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich mit Menschen in der westlichen Welt spreche, die nicht verstehen, dass man nicht einfach ein Semit wird nur indem man hebräisch lernt“, sagt sie. „Wenn ich arabisch spreche, bin ich dann auch ein Semit? Bis ins 20. Jahrhundert war hebräisch eine tote Sprache, die erst durch die Zionisten wiederbelebt wurde, die Israel für sich beanspruchen wollten. Die meisten israelischen Juden scheinen diesen fundamentalen Denkfehler in ihrer Argumentation nicht einmal zu verstehen“.
Solange wir kein glaubwürdiges Forschungszentrum besitzen, welches all dies herausarbeiten kann und sich auf die erzwungenen demographischen Veränderungen in Palästina konzentriert, die durch die Verpflanzung von Menschen aus den europäischen Ghettos entstanden sind, werden wir die armen leichtgläubigen Amerikaner niemals überzeugen, die Opfer dieses Lügengestricks sind. Um es mit den Worten von Dresden James zu sagen: „Wenn ein Haufen Lügen Schritt für Schritt und über Generationen hinweg an die Massen verkauft wird, dann wird die Wahrheit ihnen vollkommen absurd erscheinen und ihr Vertreter als völlig Irrer wahrgenommen“.
Genau das scheint leider in Amerika in den letzten 25 bis 30 Jahren geschehen zu sein. Die Medien, Hollywood und andere Mittel werden dazu eingesetzt, um das Bild eines Landes zu zeichnen, das unter Beschuss steht, das von „bösen Nachbarn“ umzingelt ist und das die Demokratie schützen muss „indem es Frauen und Kinder unterdrücken und töten muss“, die Wüste zum Blühen bringt (durch den Diebstahl anderer Leute Wasser) usw.
Die jüngsten Angriffe auf den Libanon, das Töten von 1400 Frauen und Kindern, die kaltschnäuzige Zerstörung von Eigentum und Infrastruktur haben das wahre Ziel ihrer unbegründeten Forderungen und Behauptungen gezeigt. Ich fordere unsere Forscher auf, sich ans Werk zu machen und die Wahrheit noch stärker herauszuarbeiten.


Original : http://www.arabview.com/articles.asp?article=685

Khaled Al Maeena ist ein bekannter Geschäftsmann, Journalist, Herausgeber, PR Berater und hochgestelllte Medienpersönlichkeit in Saudiarabien. Er hat seine Ausbildung und sein Studium unter anderem in den USA, in Grossbritannien und in Pakistan absolviert. Khaled Al Maeena vertrat Saudi Arabien bei einigen wichtigen Gipfeltreffen in der arabischen Welt, wie zum Beispiel in Bagdad und Marokko. Er reiste auch als diplomatischer Abgesandter nach China und Russland, um deren Beziehungen zum Königreich Saudi Arabien zu vertiefen. Er begleitete das Team von Arab News durch die Golfkrise und hat als erster Zeitungen ins befreite Kuwait zurückgebracht. Al Maeena leistet auch als poltischer und gesellschaftlicher Kolumnist regelmässig Beiträge zu Zeitungen wie Asharq Al-Awsat, Arab News und Urdu News. Auch als Kolumnist für Gulf News, Dubai, Times of Oman und die China Post ist er bekannt.
Khaled Al-Maeena, Direktor und Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft Saudi Public Relations Company (SPRC) ist zur Zeit Chefredakteur von Arab News, der grössten englischsprachigen Zeitung im Mittleren Osten, was keine Neuheit für ihn ist, denn er hatte diesen Posten bereits von 1982 bis 1993 inne. Er war auch ein Chefsprecher im saudiarabischen Fernsehen und moderierte bekannte Talkshows.

Übersetzt vom Englischen ins Deutsche von Eva-Luise Hirschmugl und überprüft von Fausto Giudice, Mitgliedern von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt (
www.tlaxcala.es). Diese Übersetzung unterliegt dem Copyleft: sie kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden. URL dieses Textes : http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=1316&lg=de

 

 


UMMA: 11/10/2006

 
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