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20/11/2017
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Die Hausangestellte, die Justizministerin von Evo Morales war

Casimira Rodríguez : „Die grossen Machos der Justiz sahen sich ihres Raumes beraubt“


AUTOR:  Interviewerin: Marina Carbajal, 19. März 2007

Übersetzt von  Übersetzt von Isolda Bohler, überprüft von Eva-Luise Hirschmugl


Mit dreizehn Jahren verliess sie ihre heimische Gemeinde. Sie erlitt Erniedrigung und Verachtung und endete an der Spitze der Vereinigung der Hausangestellten Lateinamerikas. Ohne Anwältin zu sein, war sie im ersten Kabinett des bolivianischen Präsidenten. Sie erzählt hier von ihrem Kampf gegen die Unterwerfung und ihre Erfahrung als Ministerin, einer Zeit, in der sie auch Diskriminierung erlitt.

Mit welchem Alter begannen Sie zu arbeiten?

Mit dreizehn Jahren. Ich verliess meine Gemeinde um in einem Haus bei einer Familie in der Stadt Cochabamba zu arbeiten. Die Ankunft in der Stadt ist sehr schwierig; es ist, als ob ein Migrant zum ersten Mal sein Land verlässt und in ein anderes kommt.

Wer brachte Sie in die Stadt?

Ich glaube, ich wurde Opfer eines Handels. Die Menschen der Stadt sind daran gewohnt, Mädchen aus dem Dorf gegen das Versprechen wir würden ein gutes Gehalt bekommen und könnten so der Familie helfen mitzunehmen. Dies passierte mir. Aber als ich in der Stadt ankam, waren die Bedingungen ganz anders. Das Problem ist, dass das Mädchen nicht weiss, wie der Handel abgeschlossen wird, sie ist nicht in der Lage die Arbeitsbedingungen auszuhandeln, für wie viele Personen sie arbeiten wird, und wenn sie sich bereits im Hause befindet merkt sie, dass sie eine sehr grosse Menge Arbeit zu bewältigen hat. In meinem Fall begann ich, in einem Haushalt zu arbeiten, der aus fünfzehn Personen bestand, unter ihnen Grosseltern, Schwiegersöhne, Kinder, Enkel. Die Arbeitszeiten waren ausgedehnt. Es war für die Herrin des Hauses ganz normal, dass ich um halb sechs oder sechs Uhr morgens aufstehe und ich bis elf Uhr nachts arbeiten musste. Ich musste für fünfzehn Personen waschen und kochen. Es war eine ganz brutale Erfahrung für mich: Einerseits fühlte ich die Müdigkeit und andererseits die Rücksichtslosigkeit.

Litten Sie viel?

Das Aufwachen war für mich ein Kampf. Wenn irgendein Kind krank wurde, war es meine Schuld. Und die ganze Zeit hatte ich die Last mit den Säuglingen. Ich fühlte, dass alle, vom kleinsten bis zum grössten Kind, mich als Person zu ihren Diensten benutzten. Sie hatten die klare Idee, dass sie mich erniedrigen konnten. Sie sagten zu mir: „Hör zu, deine Mutter kommt aus dem Hühnerstall und meine trägt Damenkleidung“.

Oder sie sagten zu ihren Schulkameraden: „Schau, ich habe meine Angestellte“, eine Art ihren Status zu zeigen, sehen zu lassen, dass ihnen jemand dient. In der Stadt musste ich sogar zu lügen lernen, denn die Herrin des Hauses sagte mir, ich solle sagen, sie sei nicht zu Hause, wenn Leute kamen, die etwas kassieren wollten. Sie nahmen überhaupt keine Rücksicht auf mich, die ich ein Kind war, und sie gewährten mir keinen Ausgang. Wenn sie Mädchen vom Lande erhalten, glauben die in der Stadt, dass sie diese ausbeuten können, als wären sie Tiere, es gibt kein Bewusstsein darüber, dass sie müde sein könnten, dass sie gerne lernen würden, dass der Wechsel von der Gemeinschaft auf dem Land in die Stadt hart ist.

Und wie war Ihr Leben in der Gemeinde vor der Abreise in die Stadt?

Meine Familie behandelte mich mit Zuneigung, sie sorgten sich darum, dass ich keine schweren Dinge hob, auf eine sehr pädagogische Weise hatten sie mir viele Dinge in der Gemeinschaft beigebracht und von heute auf morgen musste ich in der Stadt alle Aufgaben erledigen, wie spülen, die Kinder hüten, bei den Einkäufen auf dem Markt helfen, bis dahin, dass sie mich zu jeder Stunde weckten.

Wurden Sie wenigstens gut bezahlt?

Nein, ich bekam nichts.

Und wieso verliessen Sie nicht das Haus?

Schauen Sie, was geschah: Wenn die Herrin in mein Dorf reiste, sagte sie zu meiner Mutter: „Deine Tochter möchte nicht kommen, sie will dort bleiben“. Und zu mir sagte sie: „Deiner Familie geht es sehr gut, sie möchte, dass du bei uns bleibst“. Nach zwei Jahren kam meine Mutter mich besuchen und ich entschied mich fortzulaufen und mit ihr wegzugehen.

Konnten Sie nicht sagen „ich möchte gehen, ich möchte nicht mehr arbeiten“?

Nein, weil sie einen psychologisch manipulieren. Sie sagen dir: „Nein, nein du gehst nicht, du bist Teil der Familie, wir mögen dich sehr gern, wir werden dir etwas Nettes kaufen“. Es ist alles ein Märchen. Sie sagten mir, wenn ich weggehe wird es mir draussen sehr schlecht gehen. Sie blockieren dich psychologisch. Sie liessen mich auch weder mit der Verkäuferin noch mit einem Nachbarn sprechen.

Diese Situationen der Arbeitsausbeutung geschehen weiterhin in Bolivien?

Sie geschehen noch. Immer wieder werden Mädchen da herausgeholt. Es gibt ein grosses Kolonialbewusstsein und nicht nur in Bolivien. Studien der IAO zeigen, dass es in Lateinamerika Kinder gibt, die wie eine erwachsene Person arbeiten, die entweder keinen Lohn bekommen, oder deren Lohn die Eltern bekommen.

Wie wurden Sie die Präsidentin Gewerkschaft der Hausangestellten? Wie verlief der weitere Weg von jenem kleinen dreizehnjährigen Mädchen?

Nach der Rückkehr in meine Gemeinde und wieder vereint mit meiner Familie, kehrte ich erneut in die Stadt zurück. Die Lohnbedingungen waren gerechter, aber die Situation der tiefen Diskriminierung bestand immer noch in dem Sinn, dass du als Hausangestellte eine Person bist, die nur zu gehorchen hat. Um zu dienen bist du ein Jemand, aber um eine Meinung zu haben, existierst du nicht mehr. Bei dieser zweiten Arbeitsstelle traf ich irgendwann eine andere Hausangestellte aus dem Viertel und sie lud mich zu einer Gruppe ein, die sich in der Kirche versammelte, wo Zuschnitt von Stoffen und Anfertigung von Kleidern gelehrt wurden und sonntags Leseunterricht stattfand.

Konnten Sie nicht zur Schule gehen?

Ich ging in meiner Gemeinde zur Schule, doch der Unterricht fand in Castellano statt, und ich sprach Quechua.

Aus dieser Gruppe ging die Gründung der Gewerkschaft der Haushaltsangestellten hervor?

Ja, 1987. Diese Gruppe war sehr wichtig, weil wir über die Realität, in der wir lebten, nachdenken lernten; dank der Unterstützung von Volks-Lehrern, die uns die Situation der Ausbeutung, der Diskriminierung wahrhaben liessen. Wir wurden uns unserer Rechte bewusst, unsere Herkunft zu würdigen. Und dieses Erwachen war für mich wie ein Fieber, das über mich kam, auch mit anderen darüber zu sprechen und diese Rechte mit anderen Schwestern des Viertels zu teilen. Bald steckte meine „Krankheit“ andere Frauen an: Durch die Dynamik der Gruppe, die uns die Volkserzieher lehrten, begannen andere Genossinnen nachzudenken. Die Gruppe hatte eine sehr ökumenische Orientierung, sie war weder katholisch, noch evangelisch, noch betraf sie die Anden, es existierte diese Vielseitigkeit. Nach Beginn dieser Treffen kam die Notwendigkeit auf, an einem Vorschlag zu arbeiten, der mit der Diskriminierung des Allgemeinen Arbeitsrechtes Schluss macht. Dieses Gesetz erkannte die Hälfte der Rechte der Haushaltsangestellten an, das heisst, sie galten nicht als vollständige Personen vor dem Gesetz.

Auf was beziehen Sie sich?

Wenn bei den normalen und gewöhnlichen Arbeitern der Arbeitstag acht Stunden betrug, von Montag bis Freitag, war er bei den Haushaltsangestellten sechzehn Stunden lang und sie hatten nur sonntags sechs Stunden um sich zu erholen. Während ein Arbeitsvertrag für irgendeinen Arbeiter im Arbeitsministerium legalisiert wurde, musste die Hausarbeiterin zur Polizei gehen, als wäre sie eine Straftäterin. Wegen dieser Unterschiede begannen wir an einem Gesetzesvorschlag zu arbeiten. Nachdem wir diesen im Kongress vor den Senatoren und Abgeordneten und im Arbeitsministerium präsentierten, begann ein ziemlich langer Weg von fast zwölf Jahren bis zu seiner Verabschiedung, die 2003 stattfand. In all dieser Zeit stärkten wir die Organisation: Zuerst gründeten wir 1993 den Nationalen Verband der Haushaltsangestellten von Bolivien. Dann machten wir auf die Organisation aufmerksam und führten einige Kampagnen durch. Unsere Organisationen waren nur sonntags aktiv. Selbst die sozialen Bewegungen wollten uns nicht akzeptieren, diskriminierten uns, weil wir Frauen vom Land in der Stadt waren. Es hat lange gedauert, bis sie uns akzeptierten und als Organisation anerkannten. Als wir eine gewisse Präsenz erreicht hatten, als es uns gelang bis in die Medien durchzudringen, reiften unsere Forderungen und wir änderten unsere Parolen: Am Anfang skandierten wir: „Wie wollen das Gesetz, wir wollen das Gesetz!“. Nun begannen wir die Verfassung unter Beschuss zu nehmen und forderten, dass die Leibeigenschaft als verfassungswidrig einzustufen sei. Die neue Parole war: „Wir wollen keine modernen Sklavinnen mehr“.

Welches Arbeitsregime legte das neue Gesetz für die Haushaltsangestellten fest?

Acht Stunden Arbeitstag. Für die Internen, die „ihr Bett drinnen“ haben, zehn Stunden. Fünfzehn Tage Ferien, genauso wie für die Arbeiter. Die Wochenende und die Feiertage frei. Entschädigung gemäss der Arbeitsjahre. Aber die Anerkennung liess lange auf sich warten, denn die Politiker brauchten lange, bis sie unsere Rechte akzeptierten; was Verborgen war, drang nach aussen. Die Situation im Inneren der Häuser kam ans Licht. Wir hörten viel geringschätzige Kritik von Seiten der qualifizierten Angestellten. Die Politiker selbst gaben dem Thema keine Priorität.

Und gab es Widerstand bei der Erfüllung des Gesetzes?

Ja, es gab viel hin und her. Es kostete viel auf der politischen und sozialen Ebene, dass sie es anerkennen, dass wir die gleichen Rechte hätten, als die anderen Arbeiter. Wir sind im Umsetzungsprozess seit 2003. Aber dank des ganzen Kampfes, den wir führten, begannen die Anzeigen und in jeder Abteilung sorgt unsere Gewerkschaft dafür, dass das Gesetz erfüllt wird.

Wieviele Haushaltsarbeiterinnen gibt es in Bolivien?

132.000. In den Städten gibt es in den Mittelklassehaushalten eine Angestellte.

Wie hoch ist der Lohn einer Angestellten, die acht Stunden arbeitet? 

Er variiert, aber im Durchschnitt 50 Dollars im Monat.

Wie analysieren Sie die Situation der Haushaltsarbeiterinnen in der Region?

Die Realität ist ziemlich traurig und wird durch die Tatsache kompliziert, dass viele Arbeiterinnenschwestern ihre Rechte nicht kennen, weil sie aus Landgemeinden mit wenig Lernmöglichkeiten kommen.

Haben Sie Verbindungen zu den Gewerkschaften der Hausangestellten in Argentinien?

Nur mit der aus der Stadt Córdoba, von der ich weiss, dass sie sehr gut arbeitet.

Wie wurden Sie die erste Justizministerin in der Regierung von Evo Morales?

Der ganze Verabschiedungsprozess unseres Gesetzes erlaubte es uns andere soziale Führende kennen zu lernen, unter ihnen Evo. Ich glaube, dass diese Handlung von Bruder Evo auf eine Weise eine Forderung für unseren sozialen Kampf war, in Vertretung eines der am meisten übergangenen Sektoren unserer Gesellschaft, aber gleichzeitig war es eine grosse diplomatische Ohrfeige in Richtung derer, die historisch die Justiz in diesem Land verwalteten. Es war eine sehr interessante Erfahrung für viele Frauen, die Tatsache dort eine Ministerin „aus dem Hühnerstall“ zu haben, wo sonst immer die grossen Machos des Gesetzes sassen. Sehr bald sahen sie sich ihres Raumes beraubt. Für mich war es eine sehr wichtige Schule. Ich fühlte die Unterstützung von Frauen, aber auch den politischen Druck, der enorm war. Ich selbst brauchte etwas länger um die grosse Verantwortung zu begreifen, die der Posten einer Staatsministerin mit sich bringt. Als Generalsekretärin der lateinamerikanischen Konföderation der Haushaltsarbeiterinnen sagten mir die Genossinnen einmal: „Casimira, jetzt musst du auf Lateinamerika schauen, es geht nicht mehr nur um Dein Dorf“. Und in dem Moment, als ich Ministerin wurde erinnerte ich mich an diesen Satz und sagte: „Jetzt muss ich auf alle Bolivianerinnen und Bolivianer schauen und nicht nur auf einen Sektor“. Dies war sehr befriedigend.

Fühlten Sie sich durch die Tatsache diskriminiert, eine Ministerin vom Land und Indígena, aus dem Hühnerstall, wie Sie es nennen, zu sein?

Als ich den Posten annahm, bat die Anwaltskammer um meinen Verzicht. Der Vizeminister, ein traditioneller Mann der Justiz, hat niemals akzeptiert, dass ich seine Vorgesetzte bin. Die ganze Zeit sagte er mir: „Hör zu, ich zeige dir...“. Oder: „Aber diese Ideen taugen nichts...“. Diese Haltungen zeigen dir den Machismus. Die ersten Tage hatten sie bis hin zur Sekretärin, die mir zugeteilt wurde, eine diskriminierende Haltung und Verachtung. Die Richter akzeptierten mich auch nicht. Manchmal erbat ich bestimmte Arbeiten und sie wurden nicht rechtzeitig erledigt, oder ich rief zu einer Versammlung auf und die Teilnehmer erschienen nicht zur angegebenen Zeit.

Welchen Unterschied gibt es zwischen der üblichen Justiz und der der Landgemeinschaften?

Viele. Die übliche Justiz ist ein System, das nicht der Bevölkerung entspricht. Es gibt eine Anzahl von Nachfragen, wegen Verzögerungen in den Fällen; die Menschen, die keine ökonomischen Mittel haben, werden diskriminiert, wenn sie vor Gericht gehen wollen. Man gewährt Gerechtigkeit nur einer bestimmten privilegierten Gruppe. In den Gemeinden ist es ganz anders. Es ist eine Justiz, die keine Privilegien aushändigt, sie ist durchschaubarer. Und die Strafe ergibt sich durch Beratung unter Bevölkerung und betrifft nicht nur eine Person, sondern sie ruft die ganze Familie zur Reflexion auf und sie trennt sie nicht von ihr. In der Justiz sind der grösste Teil Gefängnisstrafen: Die Person ist weit weg von ihrer Familie und anstatt ihr eine Chance zu geben, wird sie in eine kompliziertere Situation zurückkehren.

Zum Beispiel: wie meistert man einen Diebstahlsfall in einer Landgemeinde?

Die Gemeinschaft untersucht und entscheidet wie die Strafe aussehen wird. Im allgemeinen ist es eine Entschädigung für die betroffene Person, aber nicht durch Geld, sondern durch Arbeit. Auf diese Weise gibt es eine baldige und angemessene Entschädigung. Es ist eine umfassende Entscheidung: mit Erlaubnis der Pachamama (wichtige Göttin der Amerindianer – A. d. Ü.), Gottes und der Gemeinde. Es ist ein Prozess, der öffentlich abläuft. In der Regierung von Evo Morales arbeiten wir an einem Gesetzesprojekt, damit die Justiz der Gemeinden anerkannt wird und dass ihre Ausübung in ihrer Vielfältigkeit und all ihren Formen respektiert wird. Es gibt nicht nur eine einzige Vorgehensweise. In einem Ort kann die Strafe für Diebstahl Arbeit sein und in einem anderen kann der Dieb öffentlich angeprangert werden, damit alle wissen, wer es ist. In einigen Regionen werden die Lösungen der Konflikte schriftlich festgehalten und die Strafe bleibt in einem Aktenheft registriert, in anderen nicht, sie wird  mündlich verhängt und wird erfüllt. Diese Weisheit unserer Völker ist sehr wichtig, sehr bezeichnend. Unser Präsident hat ein Vizeministerium der Justiz der Gemeinden geschaffen, um sie zu stärken. Wir akzeptieren nicht die Anerkennung der Lynchjustiz und der Tötung.

Es gab einen Fall in dem ein Bürgermeister gelyncht wurde...

Das war ein Exzess, über den bedauerlicherweise in der Presse auf internationaler Ebene berichtet wurde, als Justiz der Gemeinde. Aber das stimmt nicht. Wie ich gesagt habe basiert die Justiz der Gemeinde auf einem Konsens.

Warum schieden Sie aus der Regierung aus?

Wir, alle Minister, boten dem Präsidenten nach einem Jahr Regierungsarbeit unseren Rücktritt an und Bruder Evo beschloss einige Änderungen, unter denen auch mein Ausscheiden aus dem Amt war.

Was ist ihre nächste Herausforderung?

Mit der ganzen Erfahrung, die ich im Ministerium sammeln konnte, möchte ich an der Stärkung der Frauen weiterarbeiten, nicht nur die aus meiner Innung, sondern auch die aus anderen Aktivitätsbereichen.

Haben Sie Kinder?

Nein.

Und einen Partner?

Jetzt werde ich mich auf die Suche machen (sie lacht schallend). Es gibt viele Ledige in der Regierung: Der Präsident, der Vizepräsident, viele Minister und Vizeminister. Man braucht Zeit für eine Familie und ich widmete viel Zeit der Genossenschaft der Hausarbeiterinnen, jeden Sonntag, der einzige Tag, an dem wir uns versammeln konnten. Das Leben in einer Partnerschaft war zweit-oder drittrangig. Die Zeit verging und ich merkte es nicht. Um eine gute Anführerin zu sein, ist es insgesamt wichtig in Einklang mit der Familie, mit dem Partner, mit dem Lebensraum und mit der Arbeit zu stehen. Deswegen denke ich, dass ich etwas versäumt habe. Du bezahlst einen Preis, der ganze Erfolg einer Frau wird mit einem Preis bezahlt. Wenn ich Kinder gehabt hätte, glaube ich nicht, dass ich das erreicht hätte, was ich erreicht habe.

Haben Sie eine Haushaltsangestellte in ihrem Haus?

Als ich Ministerin wurde, sagten mir meine Mitarbeiterinnen: „Du musst eine Hilfe haben“. Niemals hatte ich eine Angestellte. Eine Hausarbeiterin zu haben stand für mich immer im Widerspruch zu meiner Arbeit.


Original
Übersetzt vom Spanischen von Isolda Bohler und überprüft von Eva-Luise Hirschmugl, Mitgliedern von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung unterliegt dem Copyleft für jeden nicht-kommerziellen Gebrauch : sie kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.
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SÜDLICH DER GRENZE: 12/04/2007

 
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