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26/09/2016
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Hebron: Keine Schonfrist vor Siedlergewalt in Sicht


AUTOR:  Paul Adrian RAYMOND

Übersetzt von  Ellen Rohlfs




Maskierte jüdische Siedler versammeln sich in der Nähe eines illegalen Siedlungsaußenposten in der Nähe Hebrons am 31. Oktober (Mamoun Wazwaz/MaanImages)

Ich gehörte zu einer Gruppe von Journalisten und Friedensaktivisten, die von Steine werfenden israelischen Jugendlichen in einem Olivenhain  nahe Hebron angegriffen worden waren. Zum Glück wurde ich nicht getroffen. Für Hazem Bader, einen palästinensischen Photographen, der für eine französische Presse-Agentur arbeitet, ging es nicht so glücklich aus . Er hatte eine Wunde am Kopf, die mit 8 Stichen im Krankenhaus genäht werden  und wo er eine Nacht bleiben musste.

 Der unmittelbare Auslöser für den Vorfall war die Auflösung eines nicht lizensierten Baues in der Siedlung von Khirsana am letzten Donnerstagabend. Die Bewohner von Khirsana, einem Ableger der berüchtigten Kiryat Arba-Siedlung mitten in Hebron, reagierten mit einem nächtlichen Angriff auf in der Nähe liegende palästinensische Häuser und warfen Hunderte von Steinbrocken, warfen Fenster ein und beschädigten die Wasserleitungen.

Vor kurzem besuchte ich die Dana-Familie mit Mitgliedern des Hebroner Teams der Ökumenischen Begleiter (EAPPI), einer Organisation, die  gefährdeten palästinensischen Gemeinden schützende  internationale Präsenz gibt. Die Danas leben direkt neben der sog. Sicherheitsbarriere, ein Zaun oder eine Mauer, die von der isr. Regierung gebaut wurde, um seine Bürger  vor Angriffen  palästinensischer  Militanten zu schützen. Ironischerweise haben die Siedler bei den nächtlichen Unruhen mehrere Teile des Zaunes zerstört, damit sie das Danahaus besser angreifen konnten.

Als wir uns den Schaden an der Wasserleitung ansahen, begann sich eine Gruppe maskierter Jugendlicher auf der israelischen Seite des jetzt zerstörten Zaunes in der Nähe des beschädigten Hauses  zu versammeln. Photographen verschiedener Agenturen waren anwesend, um den Vorfall festzuhalten. Ich verbarg mich in einem kleinen Olivenhain und bemerkte, dass israelische Polizei in der Nähe war, aber nicht näher kam und anscheinend auch nicht die Absicht hatte, den bevorstehenden Angriff zu stoppen .

Als sich die Photographen den Siedlern näherten, fingen die letzteren auf einmal mit dem Steine werfen an. Mein Beobachtungspunkt war nahe dran und die Steinbrocken fielen rund um mich und brachen Zweige .. Ich kehrte schnell ins Danahaus zurück und versuchte auch dort, den Steinen auszuweichen. Etwas später wurde der palästinensische Photograph ins Krankenhaus gebracht und die Siedler gingen weg.

Glücklicherweise dauerte dieser besondere Vorfall nur wenige Minuten und nur eine Person wurde verletzt.

Doch gibt es einen  zunehmenden Trend von Gewalt unter israelischen Siedlern auf der Westbank gegen Palästinenser und gegen Mitglieder des israelischen Militärs. Der israelische noch geschäftsführende Ministerpräsident Ehud Olmert stellte am Sonntag fest, dass es eine nicht unbedeutende Gruppe von „Outlaws“ gibt, die sich so verhalten, dass sie die Rechtsstaatlichkeit bedrohen. Das ist eine unerträgliche Situation, die wir nicht akzeptieren können.

Die israelische Regierung, die  seit der Besetzung 1967 zum Siedlungsbau in der Westbank ermutigt hat und dabei das Völkerrecht verletzte, bestätigte am Montag, dass sie Siedlungsaußenposten entfernen wolle. Dies seien Bauten, die internationale Abkommen verletzen, ohne offizielle Genehmigung seien und gegen das israelische Gesetz, aber mit schweigendem Einverständnis der israelischen Behörden errichtet wurden. 2005 fand eine israelische Regierungsuntersuchung heraus, dass staatliche Behörden mit der Siedlungsbewegung  gemeinsame Sache machten, um mehr als 100 Außenposten in der Westbank zu errichten und 17 Millionen US$ für solche Projekte zwischen 2000 und 2004 bereit stellten.

Jetzt jedoch hat Olmerts Regierung verkündet, dass alle öffentlichen Gelder und Unterstützung für illegale jüdische Siedlungsentwicklung in der Westbank gestrichen werden – als Reaktion auf ein unerträgliches Anwachsen der Gewalt gegen die israelischen Sicherheitskräfte. ((Und  gegen die Palästinenser ?? ER)) die Siedlungsbewegung sagt, sie habe eine ‚Preisschild’-Politik, bei der die Auflösung von Außenposten Vergeltungsakte zur Folge haben werden. Während mehrere Mitglieder der israelischen Polizei und Armee bei solchen Angriffen  verletzt worden sind, werden lokale Palästinenser als viel einfachere Ziele angesehen, da sie unbewaffnet sind und von israelischen Behörden nicht geschützt werden.

Die nächsten Monate werden deshalb wahrscheinlich eine Zeit der Spannungen zwischen der Regierung und den Siedlern  sein, die in der Vergangenheit ihren Ausweg in politischen Morden suchten, um ihre Ziele zu erreichen. Für die Dana-Familie und andere Palästinenser, die in der Nähe von jüdischen Siedlungen leben, scheint es keine Gnadenfrist zu geben, solange sie darum kämpfen, ein normales Leben zu führen.


Quelle: No reprieve from settler violence in sight

Originalartikel veröffentlicht am 10.11.2008

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist eine Mitarbeiterin von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=6349&lg=de


KANAAN: 16/11/2008

 
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