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09/12/2016
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Den Westen humanisieren


AUTOR:  Agustín VELLOSO

Übersetzt von  Isolda Bohler, überprüft von Fausto Giudice


Zweihundert, dreihundert, vierhundert Tote, was machen schon hundert Tote mehr oder weniger aus. Es sind mehr als 5.000 seit Beginn der zweiten Intifada und viele Tausende mehr seit den sechzig Jahren der Existenz Israels, ohne dass weder die UNO, die NATO, die EU, noch eine andere internationale Organisation etwas anderes machten, als Israel für seine völkermörderische Politik in Palästina zu entschädigen. 

Israel wurde in die internationale Gemeinschaft wie ein weiterer Staat aufgenommen, obwohl es 1948 mit Hilfe von Massakern und Vertreibung, der bis dahin friedlich auf ihrem Land und Boden lebenden Palästinenser, errichtet wurde. Israel wird trotz seiner Kriege und Aggressionen gegen Nachbarländer von den USA finanziert und bewaffnet. Israel wurde mit einem politischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Vorzugsabkommen mit der Europäischen Union belohnt, obwohl es systematisch Panzer und Jagdbomber gegen die von ihr seit vierzig Jahren unter militärischer Besatzung gehaltenen palästinensischen Bevölkerung, unter der 50 % Jugendliche und Kinder sind, einsetzt.

Die Regierungen der USA, der EU und Spaniens berichten gewöhnlicherweise ihrer Wählerschaft, dass sie „vollständig Israel unterstützen, egal wie die Umstände sind“, wie kürzlich der spanische Außenminister versicherte, so dass die logische Konsequenz ist, dass Israel am gestrigen Samstag fast 300 Menschen tötete, als ob sie Ungeziefer ohne Rechte wären. 

 
David & Goliath 2009, Ben Heine, Tlaxcala

Die Liste über die Verletzungen des internationalen Rechts von Israel ist so lang, wie die der Araber, die es in Palästina, dem Libanon, dem Irak, Syrien, Jordanien etc. getötet hat. Die Natürlichkeit und Ruhe, wenn nicht Häme, mit der die israelischen Führer konstant den Palästinensern mit Strafaktionen und Tod drohen, enthüllen einen Charakter, der an Psychopathen aus Filmen der Serie B erinnert und nicht an Leute, in dessen – mit Atomwaffen bewaffneten - Händen sich der Frieden in der Welt befindet. Um das Unglück vollzumachen,  betrachtet der Westen die Kritik an Israel als ein Verbrechen, und zu all diesem wird die Ermordung von Palästinensern im Westen als ein notwendig geringeres Übel für den Fortschritt des Friedensprozesses betrachtet.

Diejenigen, die im Westen Israel als „einzige Demokratie im Mittleren Osten“ loben, sind Komplizen seiner Ermordungen, wie es auch die Israelis sind, die Ermordungen befehlende Politiker wählen. Seit vielen Jahren ist der Begriff Demokratie pervertiert worden, genauso wie die Menschenrechte, die UNO, das Internationale Recht, Weltfrieden und andere, die von den Mächtigen als Rechtfertigung, den Schwachen ihren Willen aufzuzwingen, benutzt werden.

Es ist unglaublich, dass die Regierung von Hamas im Gazastreifen vor kaum vier Tagen vor diesem letzten Massaker, am 23.Dezember anbot, den Waffenstillstand zu erneuern, den sie, trotz der Aufrechterhaltung und Verschlimmerung der grausamen Belagerung von Gaza durch Israel in dieser Zeit, monatelang respektierte, den sie aber durch eine eindeutige Provokation Anfang Dezember, der Ermordung von vier Palästinensern, zerbrach.

Die Naivität von Haniyeh und seiner Gruppe unterscheidet sich sehr von der Perversion des israelischen Premierministers Olmert und seines Verteidigungsministers Barak. Während arabische Journalisten und einige Beobachter in den vergangenen Tagen über die offensichtlichen Anzeichen eines israelischen Angriffs nachdachten, schläferte die westliche Presse die öffentliche Meinung ein, um einmal mehr die terroristischen Aktionen von Israel zu unterstützen.

Im letzten Monat wies Israel Journalisten, Internationalisten, ausländische Delegationen aus Gaza aus, verweigerte Diplomaten und dem UNO-Berichterstatter den Zutritt zu Gaza, verstärkte die Belagerung, reduzierte noch mehr den Zugang von Nahrungsmitteln, Medikamenten und Treibstoff. Gleichzeitig drohte es damit, die Palästinenser zu überfallen. Der Westen schob diese Anzeichen zur Seite und kritisierte Hamas für die Beendigung der Waffenruhe.

Die Auffassung der westlichen Regierenden über die Menschenrechte und das Internationale Recht und das Konzept über die freie Presse im Dienste der Wahrheit und Gerechtigkeit offenbarte sich einmal mehr. Lache ruhig über Radio der Tausend Hügel, sei stolz darauf, unter der Crème de la Crème der jüdisch - christlichen Weltzivilisation zu leben.

Jetzt ist die Zeit für die Leitartikel der Presse und die Regierungserklärungen, die Hamas wegen der Beendigung der Waffenruhe verwarnen, d.h., weil sie nicht akzeptierte, dass Israel ein von Gott und den USA auserwähltes Volk ist. Es ist die Zeit der Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats, die von beiden die sofortige Einstellung der Gewalt fordern, als ob Besatzer und Besetzte, Angreifer und Opfer, Atommacht und unterernährte Bevölkerung die gleichen Gegner mit gleichen Rechten und Bedingungen wären.

Wenn man das Glück hat, weder Leitartikler noch Politiker zu sein, ist es an der Zeit, sich zu fragen, wie ein Mensch der so scheusslichen Unmenschlichkeit erwidern soll, von der wir Zeugen sind.  Der UNO vertrauen, an die universelle Erklärung der Menschenrechte zu glauben, das Handeln der internationalen Gemeinschaft zu fordern, von Israel verlangen, die Angriffe einzustellen... bedeutet den Angreifer zu schützen, sich aus seiner Aggression herauszuhalten, bedeutet, wegzuschauen.

Es ist schwer, besonders im Westen, an eine noch unzivilisiertere und grausamere Welt zu denken. Wenn hier niemand – nicht mal an Weihnachten – dazu in der Lage ist, „mit dem Opfer Mitleid zu haben“, „dem Anderen nicht das anzutun, was einem selbst nicht gefällt“, „mit dem Ausgestoßenen und Unterdrückten zu sein“, ist das wahrscheinlichste, dass Andere im Mittleren Osten den Schwachen verteidigen, den Verfolgten beschützen und den Angreifer mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln bestrafen.

Da die Demokratie, die UNO, die Nato und der Friedensprozess überhaupt nichts wert sind, weder um die Menschenrechte der Opfer von Israel und seinen Verbündeten zu schützen, noch um diese menschlicher zu machen, muss gewartet werden, bis die Aktionen des Widerstands mit allen Mitteln versuchen, diesen Schutz zu erreichen, und – als Folge, nicht aus eigener Initiative – dass die Übrigen etwas von ihrer Menschlichkeit wiedererlangen.

Im schlimmsten Fall, wenn sie nicht siegen, hören wenigstens mit der auf uns wartenden Apokalypse die Leiden der Opfer auf und es beginnt das Zähneknirschen der Aggressoren.


Quelle: Humanizar a Occidente

Originalartikel veröffentlicht am 29.12.2009

Über den Autor

Ioslda Bohler und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=6775&lg=de


KANAAN: 08/01/2009

 
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