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22/10/2019
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Der Jemen und die Militarisierung der strategischen Wasserstraßen: Sicherung der US-Kontrolle über die Insel Sokotra und den Golf von Aden


AUTOR:  Michel CHOSSUDOVSKY

Übersetzt von  Einar Schlereth


 „Wer auch immer die Vorherrschaft im Indischen Ozean erlangt, wird ein wichtiger Spieler auf der internationalen Szene sein”.
Konteradmiral Alfred Thayus Mahan, Geostratege der US-Marine (1840-1914))

Der jemenitische Archipel von Sokotra im Indischen Ozean liegt etwa 100 km vom Horn Afrikas und 380 km von der jemenitischen Küste entfernt. Die Sokotra-Inseln sind  ein Biosphärenreservat und wurden von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt.

Sokotra liegt an der Kreuzung der strategischen Wasserstraßen Rotes Meer und dem Golf von Aden siehe die Karte unten). Sie ist für das US-Militär von entscheidender Bedeutung.

KARTE 1 

Zu Washingtons strategischen Zielen gehört die Militarisierung der größeren Seewege. Dieser Seeweg verbindet das Mittelmeer mit Südostasien und dem Fernen Osten über den Sueskanal, das Rote Meer und den Golf von Aden.

Er ist eine bedeutende Transitroute für Öltanker. Ein großer Teil von Chinas Industrieexporten nach Westeuropa passiert diese strategische Wasserstraße. Der Seehandel von Ost- und Südafrika nach Westeuropa nimmt auch diesen Weg vorbei an Sokotra, durch den Golf von Aden und das Rote Meer (siehe die Karte unten). Ein Militärbasis könnte dazu dienen, die Schiffsbewegungen in  und aus dem Golf von Aden einschließlich der Kriegsschiffe zu kontrollieren.

KARTE 2 

SEEMACHT

Vom militärischen Standpunkt aus liegt der Sokotra-Archipel an einem Kreuzweg. Darüber hinaus erstreckt sich er Archipel über eine relativ weite Meeresfläche am östlichen Ausgang des Golf von Aden von Abd al Kuri bis zur Hauptinsel Sokotra. Diese Meeresfläche des internationalen Transits liegt innerhalb der Territorialgewässer vom Jemen (siehe Karte).

Sokotra liegt ca. 3000 km von dem US-Kriegshafen Diego Garcia entfernt, der zu Amerikas größten Militäranlagen in Übersee gehört.

DIE SOKOTRA-MILITÄRBASIS

Am 2. Januar 2010 trafen sich Präsident Saleh und General David Petraeus, Befehlshaber des CENTCOM (US Central Command) zu Gesprächen auf hoher Ebene hinter geschlossenen Türen.

Das Saleh-Petraeus-Treffen wurde von den Medien als ein zeitlich passendes Treffen nach dem fehlgeschlagenen Detroit-Bombenangriff auf den Northwest-Flug 253 dargestellt. Es war scheinbar auf einer ad hoc-Basis arrangiert worden als ein Mittel zur Koordinierung von Anti-Terrorismus-Initiativen gegen ”al-Qaida  im Jemen”, einschließlich ”der Anwendung von amerikanischen Dronen und Raketen auf jemenitischem Gebiet”.

Mehrere Berichte bestätigten jedoch, dass das Saleh-Petraeus-Treffen die Absicht hatte, das US-Militärengagement im Jemen neu zu definieren, was auch die Errichtung eines voll entwickelten Militärstützpunktes auf der Insel Sokotra umfasste. Von Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh wurde berichtet, er habe „Sokotra an die Amerikaner ausgeliefert, die dort eine Militärbasis anlegen würden, um die Piraten und al-Qaida zu bekämpfen“. (Fars News vom 19. Januar 2010)


Am 1. Januar, einen Tag vor dem Treffen Saleh-Petraeus in Sanaa, hatte General Petraeus auf einer Pressekonferenz in Bagdad bestätigt, dass der ”Sicherheitsbeistand” für den Jemen um mehr als das doppelte von 70 auf 150 Millionen $ erhöht würde, was eine 14-fache Erhöhung seit 2006 bedeutet. (Scramble for the Island of Bliss: Socotra!, War in Iraq vom 12. Januar 2010. Siehe auch CNN vom 9. Januar 2010 und The Guardian vom 28. Dezember 2009)

Diese Verdoppelung der Militärhilfe für den Jemen wurde der Weltöffentlichkeit als Antwort auf den Detroit Bombenzwischenfall präsentiert, der angeblich von al-Qaida-Leuten in Yemen befohlen wurde.

Die Errichtung einer Luftwaffenbasis auf der Insel Sokotra wurde von US-Medien als Teil des „Globalen Krieges gegen den Terrorismus” beschrieben.

 „Zu den neuen Programmen, die Saleh  und Petraeus absegneten, gehört die Erlaubnis,  amerikanische Flugzeuge, vielleicht Dronen, zu benutzen als auch See-Luft-Raketen –  solange die Operationen zuvor vom Jemen genehmigt wurden, wie ein höherer  jemenitischer Beamter sagte, der Anonymität verlangte wegen des heiklen Themas. US- Beamte sagen, dass auf der Insel Sokotra, 300 km von der jemenitischen Küste entfernt, eine  kleine Landebahn [unter jemenitischer Militärhoheit] zu einer kompletten Basis  ausgebaut  werde, um das größere Hilfsprogramm  zu unterstützen sowie der Kampf gegen die  somalischen Piraten. Petraeus versucht auch, die jemenitischen Streitkräfte mit  Grundausrüstung zu versorgen, wie gepanzerte Humvees und vielleicht auch  Hubschrauber.” (Newsweek vom 18.Januar 2010)


Der bestehende Flughafen mit Landebahn

EIN US-KRIEGSHAFEN?

Die beabsichtigte US-Sokotra-Militärbasis ist jedoch nicht auf eine Luftwaffenbasis beschränkt. Ein US-Kriegshafen ist auch in Erwägung gezogen worden.

Die Entwicklung von Sokotras Hafen-Infrastruktur war bereits in der Planung. Nur wenige Tage vor (am 29. Dezember 2009) den Petraeus-Saleh-Gesprächen (am 2. Januar 2010) billigte das jemenitische Kabinett ein 14 Millionen US $-Darlehen von dem Kuweit Fund for Arab Economic Development (KFAED = Kuweit-Fond für die arabische ökonomische Entwicklung) als Entwicklungsbeitrag eines Seehafen-Projektes auf Sokotra.

KARTE 3
   

DAS GROSSE SPIEL

Der Sokotra-Archipel ist Teil des Großen Spiels zwischen Russland und Amerika.
Während des Kalten Krieges hatte die Sowjetunion eine militärische Präsenz auf Sokotra, das damals Teil vom Süd-Jemen war.

Vor kaum einem Jahr traten die Russen in erneute Diskussionen mit der jemenitischen Regierung betreffs der Errichtung einer Kriegshafenbasis auf Sokotra. Ein Jahr später, im Januar 2010, in der Woche nach dem Petraeus-Saleh-Treffen bestätigte ein Kommuniqué der russischen Marine, ”dass Russland seine Pläne, einen Hafen für seine Schiffe  … auf der Insel Sokotra zu haben, nicht aufgeben würde”. (DEFENSE and SECURITY -Russland – vom 25. Januar 2010)
Die Diskussionen von Petraeus und Saleh am 2. Januar 2010 waren ausschlaggebend für die Schwächung der russischen diplomatischen Vorstellungen bei der jemenitischen Regierung.

Das US-Militär hatte schon seit Ende des 2. Weltkrieges ein Auge auf die Insel Sokotra geworfen.
1999 wurde Sokotra ausgewählt  „als ein Ort, wo die Vereinigten Staaten ein Elektronisches Aufklärungssystem zu bauen planen ...“ Jemenitische Oppositionsmedien berichteten, dass ”die Regierung Jemens zugestimmt habe, dem US-Militär Zugang sowohl zu einem Hafen als auch einem Lufthafen auf Sokotra zu bewilligen”. Laut der Oppositionszeitung Al-Haq „ist ein neuer ziviler Lufthafen, der auf Sokotra gebaut wurde, um den Tourismus anzukurbeln, so gebaut worden, dass er mit US-militärischen Vorgaben übereinstimmt”. (Pittsburgh Post-Gazette (Pennsylvania) vom 18. Oktober 2000)

DIE MILITARISIERUNG DES INDISCHHEN OZEANS

Die Errichtung einer US-Militärbasis auf Sokotra ist Teil eines umfassenden Prozesses der Militarisierung des Indischen Ozeans. Sie besteht darin, Sokotra in eine existierende Struktur einzubinden und zu verknüpfen und die Schlüsselrolle der Militärbasis Diego Garcia  im Chagos-Archipel zu verstärken.

Der Geostratege der US-Marine Konteradmiral Alfred T. Mahan hat vor dem Ersten Weltkrieg zu verstehen gegeben, dass „Wer auch immer die Vorherrschaft im Indischen Ozean erlangt, ein wichtiger Spieler auf der internationalen Szene sein wird”. (Der Indische Ozean und unsere Sicherheit)

In Mahans Schriften ging es um die strategische Kontrolle der großen Wasserstraßen durch die USA.

KARTE 4
 
 


Quelle: Global Research- Yemen and The Militarization of Strategic Waterways, Securing US Control over Socotra Island and the Gulf of Aden


Originalartikel veröffentlicht am 7.2.2010

Über den Autor

Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10011&lg=de



FRIEDEN UND KRIEG: 15/02/2010

 
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