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06/03/2021
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Die Bürde des Weißen Mannes

Paul Craig Roberts muss sich beim irakischen Volk entschuldigen


AUTOR:  Qais NAWWAF ÞíÓ äæÇÝ

Übersetzt von  Einar Schlereth


Als Iraker habe ich großen Anstoß genommen an Paul Craig Roberts herablassendem Artikel „Moslemische Zwietracht: Eine Religion in sich selbst gespalten” im Counterpunch vom 2. März 2010. Roberts behauptet kühn, dass „der Grund, weshalb die Amerikaner noch im Irak sind, darin liegt, dass die Iraker einander mehr hassen als die amerikanischen Invasoren”. Roberts schiebt den größten Teil der Gewalt im Krieg den Irakern selbst in die Schuhe. Es entbehrt wohl jeder Logik, dass nach dem Mord an 200 000 Menschen im Krieg von 1991, dem Tod von 1.7 Millionen während der 12 Jahre dauernden Sanktionen, dem Mord an mehr als 1.2 Millionen in noch einem weiteren Krieg, der brutalen militärischen Besatzung und dem hemmungslosen Gebrauch von weißem Phosphor und abgereichertem Uran, die Iraker sich selber mehr Schaden zugefügt haben sollen als die Vereinigten Staaten. Es ist eine ebenso bizarre Behauptung wie die Klagen der Zionisten über den palästinensischen Widerstand in einer asymmetrischen Kriegssituation; während Israel Atomwaffen besitzt, Panzer und F 16-Flugzeuge, mit denen sie in Gaza im vergangenen Jahr über 1400 Menschen ermordet haben, sollen die Palästinenser die Hauptlast der Kritik wegen des Todes von 13 Israelis tragen. Roberts herablassende Versicherung, dass die Iraker sich selbst mehr geschadet haben als die USA, ist ein Echo von Donald Rumsfelds wahnhafter Aussage: „Je schneller die Iraker ihr eigenes Volk verteidigen können und Gewinne erzielen können, desto schneller werden sie selbstversorgend und nicht abhängig von fremden Truppen und internationalem Beistand sein.”


- Herr Hussein! Was sagen Sie den Leuten, die Ihre widerholte Unfähigkeit verurteilen, freie und offene Wahlen im Iraq  zu organisieren?“
- Ich sage nur ein Wort: „Florida“

 

Roberts beleidigt auch den irakischen Widerstand, indem er behauptet, dass er der amerikanischen Supermacht Verluste „in seiner Freizeit zufüge”, wenn er gerade nicht die Schiiten bekämpft. In völligem Übersehen von 1400 Jahren islamischer Geschichte verleitet eine einzige Sportauseinandersetzung Roberts zu der Schlussfolgerung, dass „Moslems nicht einmal miteinander spielen können”. Dieser Fokus auf ein isoliertes Ereignis ist selektiv, da Roberts sich nicht zu erinnern scheint, dass Sunniten und Schiiten gemeinsam den Sieg der irakischen Fußballmannschaft beim Asian Cup 2007 feierten. Selbst wenn wir annehmen, dass Iraks Moslem für den Geschmack von Roberts nicht vereint genug sind, so scheint er auch die entscheidende divide-and-conquer Rolle [nach dem lateinischen divide et impera = teile und herrsche. D.Ü.] der USA im Irak nicht zu kennen. Er scheint sich auch nicht der Aufstellung schiitischer und kurdischer Truppen durch die USA bewusst zu sein, zur Bekämpfung sunnitischer Städte, wie etwa Fallujah im November 2004. Er weiß nichts von der politischen und finanziellen Unterstützung der USA für die sektiererischen Parteien, Politiker und Kleriker. Er versäumt es auch, die Rolle Israels beim Säen der Saat der Zwietracht im Irak zu erwähnen, wie sie in dem schändlichen „A Strategy for Israel” (Eine Strategie für Israel) aus den 80-er Jahren umrissen wurde. Roberts weiß auch nichts von dem 17-jährigen Othman aus A'athamiya, einem jungen Iraker, der ertrank, nachdem er beinahe ein Dutzend Iraker gerettet hatte, als die A'imma Brücke in Bagdad 2005 einstürzte. Er hat auch die gemeinsamen Sunniten-Schia-Feiern für Muntazar Zaidis Schuhwürfe auf Bush übersehen. Die US-Medien-Giganten, die zum Krieg gehetzt haben, haben alle Interessen, Geschichten von der Einheit Iraks zu verringern oder zu ignorieren. Es ist bedauerlich, dass Roberts sich hergibt, die Iraker  in gleicher Weise zu behandeln.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f2/The_white_mans_burden.gif
Die Bürde des Weißen Mannes

Man fragt sich, ob Herr Roberts dieselbe Bürde des Weißen Mannes gezeigt hätte und die  sich falsch aufführenden  unterdrückten Völker verunglimpft hätte, indem er die einheimischen amerikanischen Stämme gerügt hätte, die möglicherweise uneinig waren, während ihr Land von den weißen Siedlern gestohlen wurde. Hätte Herr Roberts sich in den Streit zwischen der Nation of Islam und Malcolm X eingeschaltet? Hätte er die moralische Autorität aufgebracht, zwischen der gewaltlosen Philosophie Martin Luther Kings Jr. und dem Engagement von Malcolm X für die Freiheit nötigenfalls mit allen Mitteln zu richten? Hätte er sich selbst zum Richter zwischen den Nord- und Südvietnamesen aufgeworfen? Abfällige Vorschläge den Unterdrückten zu machen, ist nicht Aufgabe von „Solidaritäts”-Aktivisten. Wenn Roberts sich das Recht nimmt, die Iraker zur Einheit zu mahnen, dann sind die Iraker weitaus mehr berechtigt, den Amerikanern einschließlich Roberts zu sagen, ihre rechten, linken, Klassen- und Rassenunterschiede beiseitezulegen, um sich sinnvoll zu mobilisieren, die siebenjährige Besatzung  unseres Landes zu beenden (mit „sinnvoll” meine ich wirkungsvoller als die symbolischen Anti-Kriegs-Proteste bei jedem Jahrestag des Krieges). Und wenn sie ein bisschen freie Zeit haben, könnten die Iraker den Amerikanern auch sagen, sich in ihren lähmenden Streitereien über die Gesundheitsfürsorge zusammenzuschließen.

Es ist hinreichend frustrierend, wenn die Betreiber der US-Kriegsmaschine und ihre Sprachrohre in den herrschenden Medien sich auf die Iraker in einer herablassenden Sektierer-Sprache beziehen. Und es ist noch weit enttäuschender, wenn jene, die in der „Anti-Kriegs”-Bewegung tätig sind, und die angeblich mit den Irakern solidarisch sind, eine solch spalterische, respektlose Sprache verwenden.

Ich rufe Herrn Roberts auf, sich bei dem belagerten irakischen Volk zu entschuldigen, den Opfern von zwei Jahrzehnten einer brutalen Außenpolitik seines Landes, die mit seinen Steuergeldern finanziert wurde, dass er ein solch unverdientes Portrait von ihm veröffentlicht hat.


Iraq, von Emad Hajjaj


Quelle: Dissident Voice: a radical newsletter in the struggle for peace and social justice Paul Craig Roberts Owes Iraqi People Apology

Originalartikel veröffentlicht am 4.3.2010

Über den Autor

Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10188&lg=de


FRIEDEN UND KRIEG: 19/03/2010

 
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