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22/10/2017
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Die IDF nimmt Trauer als Feigenblatt für Siedler


AUTOR:  Gideon LEVY âãòåï ìåé

Übersetzt von  Ellen Rohlfs


Wer sagt denn, Barak sei unsensibel? Wer klagt Gabi Ashkenazi an, der schweigende Typ zu sein? Und wer verdächtigt sie, sie könnten nicht zusammenarbeiten?  Der Verteidigungsminister und der Stabschef standen Ende letzter Woche zusammen und verhinderten die Zerstörung eines illegalen Außenposten (Siedlung) von Givat Hayovel. Einige der Häuser wurden auf privatem palästinensischem Land gebaut;  mit andern Worten auf gestohlenem Land und andere wurden auf „Staatsland“ und „Survey-Land“ (angeblich unklare Besitzverhältnisse) – weitere missverständliche Begriffe, die aus Israels unerschöpflichem Vorrat von Tricks stammen.

Die IDF  zieht aus ihrem Vorrat einen besonders lächerlichen Grund, den wir  seit einiger Zeit nicht gehört haben: Diese Häuser sind „wichtig für die Sicherheit, weil sie „Punkte kontrollieren, wo die IDF-Präsenz „wichtig“ sei. Als ob die IDF nicht an solchen Orten ohne diese Häuser sein könnte.

Barak und Ashkenazi gingen für diese Aufgabe zusammen hin, weil  trauernde Familien in zwei dieser Häuser leben: die Familie von Major Roi Klein, der im 2. Libanonkrieg getötet wurde, und die Familie von Major Eliraz Peretz, der vor drei Wochen an der Gazagrenze getötet wurde. Es ist nicht ganz klar, ob diese vereinigte Front an der Spitze gedacht war,  nur um die Zerstörung der Häuser der beiden Familien zu verhindern oder von allen 18 Häusern, wie der Oberste Gerichtshof befohlen hat.  Beide Möglichkeiten lassen ernsthafte Fragen hochkommen. Wäscht das Blut der im Kampf Gefallenen ihre Schuld weg?  Wie können wir unterscheiden zwischen einem illegalen Siedler und einem anderen. Warum sollte der Palästinenser, dessen Land genommen wurde, sich darum kümmern, wenn einer der Siedler bei einer Militäraktion getötet wurde?  Hier ist das verdammte Ding: ausgerechnet an dem Tag, an dem Barack und Ashkenazi einen emotionalen Brief an die Präsidentin Dorit Beinisch veröffentlichten und darum baten „Rücksicht zu nehmen  und Einfühlsamkeit“ zu haben, zerstörten die IDF andere Häuser.

 Die Bulldozer der zivilen Verwaltung  zerstießen ein zweistöckiges Haus und zwei Läden in Hares, während gleichzeitig ein Wohnhaus und eine Fabrik in Beit Sahour und noch eines in Al-Khader zerstört wurden. Sechzehn Leute wurden obdachlos, unter ihnen Kinder und ein einjähriges Baby. Die Leute der Zivilverwaltung machten sich die Mühe und betonten, dass dies nur der Anfang einer Zerstörungsoperation sei.

Es ist in der IDF noch keinem eingefallen, nachzufragen, ob vielleicht in der Sultan-Familie in Kifl-Haris oder bei der Musa-Familie in El-Khader mildernde Umstände vorliegen könnten, die „Rücksicht und Sensibilität“ rechtfertigen. Könnten sie vielleicht auch einen Sohn verloren haben? Und wenn es so wäre, würde jemand daran gedacht haben, die Zerstörung des Hauses deswegen  zu stoppen. Lassen uns die IDF, die Zivilverwaltung, Barak, Ashkenazi und alle anderen nicht lachen. Jene sind  doch Palästinenser und keine Menschen.

Die Zerstörung der Häuser in Givat Hayovel wurde 2001 entschieden, als jeder in den Familien noch lebte. Sie bauten ihr Haus rücksichtslos, ohne Genehmigung und sie wussten, dass sie Land raubten. Es gibt noch viele Siedler wie sie.

Dies war die Ursünde, der die Sünde der Behörden folgte, die Verzögerung, die in diesem Fall  rund neun Jahre  zur Erfüllung der Peace now-Petition brauchte. Der Peace-Now-Generalsekretär Yariv Oppenheimer sagt jetzt, er gebe bei der Zerstörung der Häuser von Klein und Peretz nach. Man kann ihn verstehen. Es ist nicht einfach, ein Haus von Bewohnern zu zerstören, die gerade ihre Trauerwoche hinter sich haben.
Tatsächlich ist das unmenschlich. Aber wie gewöhnlich befassen wir uns mit Randerscheinungen, statt mit dem Wichtigen. Während die Evakuierung der Außenposten nie einen verbindlichen Termin haben, während der Sasson-Bericht ein wertloser archäologischer Artefact geworden ist, warum befassen wir uns dann ausgerechnet  mit Givat Hayovel? Gibt es nicht genug andere Außenposten, die evakuiert werden müssen und die keine trauernden Familien haben?  Außerdem,  die ganze Sache mit den „illegalen“ Außenposten  - als ob eine Siedlung legal wäre -  ist nie der Kern des Problems gewesen. Es ist  für jeden so praktisch, die Givat Hayovel-Affäre  in noch ein selbstgerechtes und irreführendes Feigenblatt zu wandeln.
Die Siedler fuchteln mit ihren Häusern  für eigene Zwecke herum, um noch mehr  öffentliche Sympathie heraus zu quetschen und die Opposition gegenüber jeder Evakuierung zu verstärken.  Barak und Ashkenazi  fuchteln mit diesen Häusern herum, um zu zeigen, wie sehr sie dem Gesetz  in den (besetzten) Gebieten Geltung verschaffen wollen, aber nicht können. Sogar das Rechtssystem versucht gelegentlich zu beweisen, dass es sorgfältig das Gesetz aufrecht erhält und keinen Unterschied macht, wenn es die Siedler betrifft. All dies ist nur lächerlich.

Diese beiden Häuser sollten in Ruhe gelassen werden – ja selbst der ganze Außenposten. So lange wie die Hauptsiedlung Eli, bleibt, welchen Unterschied macht das denn gegenüber dem Außenposten?



Quelle: Haaretz-IDF using bereavement as fig leaf for settlers

Originalartikel veröffentlicht am 18.4.2010

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10434&lg=de


KANAAN: 30/04/2010

 
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