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18/10/2017
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Der erste Wortkrieg

Hasbara oder Za’bara


AUTOR:  Salman ABU SITTA ÓáãÇä ÇÈæ ÓÊÉ

Übersetzt von  Susanne Schuster


Um die Fassade eines Moralkodex aufrechtzuerhalten, tötet man keinen Freund, sondern einen Feind. Man überfällt nicht das Haus eines anderen Menschen, sondern man holt sich sein längst vergessenes Eigentum zurück. Diese Grundsätze gelten für alle Kriege und Konflikte. Aus diesem Grund war es schon immer die Aufgabe des Aggressors, das zu tötende Ziel, d.h. den Feind, als böse, schlechte Person oder als Menschen, die es verdienten, besiegt zu werden, darzustellen, und wenn sie getötet wurden, galt dies als das natürliche Ende für ihr schlechtes Betragen. Auf eine ähnliche Weise war es die Mission des Besetzers, zu behaupten, dass er niemanden überfiel, sondern sich nur sein Eigentum zurückholte, was er jahrhundertelang versäumt hatte.

Niemand hat diese Art der Täuschung, oder des Doppelsprechs, so perfektioniert wie die Zionisten. Wie wäre sonst der Erfolg eines ungarischen Mannes wie Herzl zu erklären, der in einem Wiener Café verkündete, dass in einem fernen Land, in dem er nie gelebt hatte, in 50 Jahren ein jüdischer Staat gegründet werden würde. Sein Erfolg, der zu der Zeit fast nur auf Europa beschränkt war, manifestierte sich, indem er die Kolonialmächte davon überzeugte, dass eine Unterstützung seines kolonialen Projekts für sie viele Vorteile hatte und indem er ihre Völker, die Europäer, davon überzeugte, dass diese Eroberung, Ermordung, Plünderung und Verelendung eines Volkes göttlicher Wille, ein Wunder und ein Sieg für die westliche Zivilisation war.

Niemand musste bei ihren Bemühungen so viele Mythen und Unwahrheiten schaffen wie die Zionisten. Es gibt einen einfachen Grund dafür: sie hatten keine glaubwürdigen Fakten, um die Richtigkeit ihrer Sache zu beweisen, also mussten sie zweifelhafte Alternativen erfinden, dabei verließen sie sich auf die Willigkeit leichtgläubiger Menschen und opportunistischer Politiker, ihnen Glauben zu schenken.

Man nehme den Slogan: “Palästina ist ein unbesiedeltes Land”. Sie sagten, es war ein Fall von Terra Nullius. Natürlich wussten die Zionisten, dass Menschen dort wohnten und über 1.000 Städte und Dörfer erbaut hatten; laut den Aufzeichnungen von Eusebius, Bischof von Cäsarea (313 v. Ch.) waren die meisten davon über 2.000 Jahre alt. Doch die Zionisten reichten auf der Versailler Friedenskonferenz 1919 eine Karte ein, die Palästina als „ein Weideland für Nomaden“ darstellte. Sie präsentierten diese Karte den Kolonialmächten, vor allem den Briten und Franzosen. Das Ironische daran ist natürlich, dass die Briten 40 Jahre zuvor ihre umfangreiche Vermessung Palästinas abgeschlossen hatten; in 10 Bänden sind darin 12.000 historische Stätten einschließlich Städte und Dörfer verzeichnet. Der Gelehrte Victor Guérin schloss die französische Vermessung 1863 ab, seine Reise in fast jedes palästinensische Dorf erzeugte 8 Bände. Doch sie entschieden sich dafür, den Zionisten zu glauben und verführten die Öffentlichkeit dazu, diese „edle und moralische“ Eroberung in Kirchen, Zeitungen und öffentlichen Debatten zu unterstützen.

Was bedeutet Terra Nullius dann eigentlich? Es bedeutet (für sie) nicht ein unbesiedeltes Land. Es bedeutet, dass diejenigen, die dort leben, unwichtig und wertlos sind. Es ist wie das Entfernen von totem Holz und Insekten aus einem Wald.

Dies sind die exakten Worte Herzls:

„Wenn wir in ein Gebiet ziehen, in dem es für Juden ungewohnte wilde Tiere gibt – große Schlangen usw. – werde ich die einheimischen Menschen dazu benutzen, diese Tiere auszurotten, bevor sie in den Transitländern eine Beschäftigung erhalten [lies: Vertreibung].“

Natürlich schrieb er dies nicht in seinem veröffentlichten Buch, nur in seinem damals unveröffentlichten Tagebuch.

Balfour sagte im Grunde genommen dasselbe:

„... wir haben in Palästina nicht einmal die Absicht, der Form halber die derzeitige Bevölkerung des Landes bezüglich ihrer Wünsche zu konsultieren. Der Zionismus ist von tieferer Bedeutung als die Wünsche und Vorurteile [nicht die Rechte] der 700.000 Araber, die gegenwärtig dieses uralte Land bevölkern.“

Wie wurde dieses koloniale Projekt in Palästina in der Sprache der Diplomatie verkauft? In der Balfour-Deklaration wurde es als „Heimstätte“ für die Juden bezeichnet, noch dazu als eine nationale, nicht als Staat, in Palästina, aus dem die Bewohner des Landes ausgeschlossen wurden, nicht als palästinensischer Staat. Wie stand es um diese Bewohner? Natürlich wurden sie erwähnt: „nichts soll geschehen, was die bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina in Frage stellen könnte“, die gesamten 92% davon. Ein wirklich zivilisierter Nachsatz.

Wenn Haus und Familie von einer unwillkommenen Flut (jüdischer europäischer) Einwanderer bedroht werden und man sich erhebt, um dagegen zu kämpfen, wird man als „Bandit“ bezeichnet. Das Haus wird zerstört, die Lebensmittelvorräte verbrannt, Sohn und Vater werden getötet oder eingesperrt. Genau dies taten die Briten 1939.

Zehn Jahre später, als die Zionisten während der ethnischen Säuberung der Nakba  675 palästinensische Städte und Dörfer entvölkerten und über 70 Massaker begingen, versuchten einige Leute natürlich, zu ihrem Haus zurückzukehren, um wenigstens einen alten Vater zu retten, den Garten zu bewässern oder die zurückgelassenen Tiere zu füttern. Niemand glaubte, dass das Exil länger als zwei Wochen dauern würde. Diese Rückkehrer wurden von den Israelis auf der Stelle erschossen. Bei der gemischten Waffenstillstandskommission wurden Beschwerden eingereicht, dass die Getöteten „Eindringlinge“ waren, und zwar von den selben Leuten, die nur wenige Jahre zuvor nach Palästina „eingedrungen“ waren.

Demnach sind in der herkömmlichen Darstellung diejenigen, die im Dunkel der Nacht von einem Schmugglerboot an die palästinensische Küste gewatet sind, keine „Eindringlinge“, sondern die Herren des Landes, und die wirklichen Hauseigentümer, die aus Haus und Heim vertrieben wurden und versucht hatten, nach Hause zurückzukehren, sind „die Eindringlinge“.

Zwanzigtausendfünfhundert Tage später wird dieser Trick immer noch angewendet. Während dieser Artikel verfasst wurde, erließ Israel Militärweisung Nr. 1650 (zweite Änderung), mit der 70.000 Palästinenser, die in der Westbank wohnen, aber aus anderen palästinensischen Gebieten stammen, als „Eindringlinge“ abgeschoben werden könnten. Auf der gleichen Grundlage wäre ein Italiener aus Neapel, den man während der Besetzung durch die Nazis im zweiten Weltkrieg in Rom entdeckte, als „Eindringling“ von einer Abschiebung nach Albanien bedroht gewesen. Man muss zugeben, dass das Verbrechen der ethnischen Säuberung, von der israelischen Propagandamaschine regelmäßig als „Bevölkerungstransfer“ beschrieben, neue Höhen der Raffinesse erreicht hat. Es wird nun „Verhinderung von Infiltration“ genannt.


Hasbara - هاسباراه-הסברה
- ist bloß Za'bara- زعبرة

Über Ein Haud, ein hübsches kleines Dorf südlich von Haifa mit wunderschönen Steinhäusern wird oft eine Geschichte erzählt. Seine Bevölkerung wurde vertrieben, aber ihr gelang es, in Israel zu bleiben. Sie bauten Hütten auf dem gegenüberliegenden Hügel; so konnten sie jeden Tag auf ihre Häuser blicken, die jetzt von rumänischen Künstlern bewohnt wurden, die aus dem Dorf eine „Künstlerkolonie“ gemacht hatten. Ihr Land und ihre Häuser wurden unter dem Gesetz über den Besitz der Abwesenden von 1950 konfisziert. „Abwesende“ bedeutet die vertriebenen Flüchtlinge.

Die Logik dessen ist, dass der Staat Israel den Hausbesitz derjenigen übernimmt, die „abwesend“ sind, weil sie Haus und Hof „verlassen“ haben, wahrscheinlich um ihre schönen Tage im Exil an der Riviera zu verbringen, statt in einem Flüchtlingslager. Daher ist es die Pflicht eines „demokratischen“ Staates, sich um ihr Hauseigentum zu kümmern (es zu nutzen oder zu vermieten) – ausschließlich zum Vorteil von Juden. Diese Logik berücksichtigt nicht die Tatsache, dass sie abwesend sind, weil sie vertrieben wurden. Kehrten sie zurück, würden sie als „Eindringlinge“ erschossen.

Die Ironie ist grenzenlos. Wenn es die Dorfbewohner irgendwie geschafft hatten, in der von Israel eroberten Gegend zu bleiben, müssen sie gezählt werden und einen Ausweis tragen. Daher sind sie „anwesend“. Aber ihr Hausbesitz muss konfisziert werden, weil sie „abwesend“ sind. Dadurch haben sie die oxymoronische Bezeichnung „anwesende Abwesende“ erworben.

Es geschehen Zeichen und Wunder: Einer dieser „anwesenden Abwesenden“ aus Ein Haud konnte es nicht ertragen. Eines Tages ging er also auf den gegenüberliegenden Hügel und klopfte an die Tür seines Hauses. Ein rumänischer Künstler öffnete ihm. Der Besitzer fragte, wer er sei:

-       Ich bin Efraim
-       Woher stammst du Efraim?
-       Von hier natürlich, Ein Haud. Warum fragst du? Wer bist du überhaupt?
-       Ich bin Abu Ahmed, aus Rumänien.

Die in der modernen Geschichte beispiellose massive ethnische Säuberung Palästinas, die 1948/49 – dem Jahr der Nakba (Katastrophe) – stattgefunden hatte, benötigt im zionistischen Lexikon eine geeignete Bezeichnung, die ihr hässliches Antlitz verhüllt. Sie nannten sie „Unabhängigkeitskrieg“; genau so einen Krieg führen die Palästinenser seit der Balfour-Deklaration 1917, das heißt, seit dem Verrat der Alliierten und der geheimen Absprache mit den Zionisten, um sie ihres Heimatlandes zu berauben. Die zionistische Bezeichnung wurde von jüdischen, nach Palästina eingedrungenen Einwanderern übernommen, um die ethnische Säuberung der ursprünglichen Einwohner Palästinas zu beschreiben. Sie wurde vom Westen weithin akzeptiert. Zum Glück werden nun die ersten Sprünge in diesem Lügengebäude sichtbar. Heute ist es in Israel gesetzlich verboten, die Nakba zu erwähnen. Nur noch auf die Täuschung besteht ein Monopol.

Die Linie, die Israel und die besetzten palästinensischen Gebiete in der Westbank und Gaza trennt, wird oft als grüne Linie beschrieben. Was ist diese Linie? Warum ist sie grün? Ihr eigentlicher Name ist „Waffenstillstandslinie 1949“. Es ist die Linie, an der die einmarschierenden israelischen Truppen 1949 stoppten – damit waren 78 % des palästinensischen Gebiets erobert. Das ist ein großer Sprung von 5,5 % des Gebiets, das während des Mandats in jüdischen Händen war, und mehr als 24 % über der vorgesehenen Zuteilung unter dem Teilungsplan. Israel unterzeichnete vier Waffenstillstandsvereinbarungen mit arabischen Ländern. In Artikel 2 dieser Vereinbarungen steht deutlich, dass diese Linie keiner der beiden Parteien irgendwelche Rechte überträgt oder verweigert und keine rechtliche Bedeutung hat. Keine militärischen Streitkräfte dürfen sie überschreiten, daher Waffenstillstandslinie. Es ist schlicht eine Linie, die das besetzte Palästina 1948 von dem besetzten Palästina 1967 unterscheidet. Israel überschritt sie 1967 unter Verletzung internationalen Rechts. Um die rechtliche Bedeutung der Linie und ihrer Überschreitung zu verschleiern, wurde sie von Israel „grüne Linie“ getauft, nach der Farbe des von Israel auf seinen Karten benutzten Bleistifts. Dieser einfache Kniff, die Linie umzubenennen, gestattet es Israel, in seiner Medienmaschine anzudeuten, dass es kein Recht verletzt und kein Land erobert hat. Somit kann Netanjahu in Interviews auf CNN kühn erklären, Juden sollten überall (in Palästina) leben können, ohne Angst, Widerspruch zu ernten. Nun hat Israel diese Linie von seinen Karten vollkommen entfernt.

Wie könnte man einen ganzen Kuchen stehlen und essen? Man stiehlt zuerst den halben Kuchen. Ohne Abschreckung stiehlt man die andere Hälfte. Man isst den ganzen Kuchen auf der Basis des„Prinzips“, dass die beiden Hälften „vereint“ werden müssten (im Magen).

Israel besetzte Westjerusalem 1948 und Ostjerusalem 1967. Israel behauptete, dass die Stadt unter seiner Kontrolle „vereint“ bleiben müsste. Dieses „Einigungs“-Etikett soll darüber hinwegtäuschen, dass beide Handlungen nicht nur unter internationalem Recht illegal, sondern  – erstaunlicherweise – auch wider die Gesetze zur Gründung Israels sind.

Die “Unabhängigkeits”-Erklärung des Staates Israel legte fest, dass seine internationale Legitimität, so schwach sie auch war, auf den Empfehlungen des Teilungsplans ruht. Doch dieser Plan stellte Jerusalem nie unter israelische Kontrolle. Israel besetzte Westjerusalem, Lydda, Ramleh, Galiläa und Teile des Südens unter Verletzung des Teilungsplans. Israels Aufnahme als Mitglied der UNO war abhängig von seiner Einhaltung des Teilungsplans und der Resolution zur Rückkehr der Flüchtlinge. Es hat sie nicht eingehalten. Natürlich ist die Besatzung der Westbank, einschließlich Ostjerusalems, eine klare Verletzung der „Unzulässigkeit einer militärischen Eroberung“. Doch die „Einigung Jerusalems“ wird von Israel und AIPAC als Rechtfertigung dafür angebracht, überall „in Israels ewiger Hauptstadt, die keine Siedlung ist“ zu bauen (nur für Juden).

Auf ähnliche Weise wird die Besatzung der Westbank als “Befreiung von Judäa und Samaria” bezeichnet. Die vom internationalen Gerichtshof verurteilte Apartheidsmauer wird als „Sicherheitszaun“ bezeichnet. Die Umgruppierung der Besatzungsmacht wird als „Rückzug“ beschrieben.

Nichts ist irreführender als der Rückzug aus dem Gazastreifen. Israel kontrolliert sein Land, von oben, von unten und von ringsumher. Das Hungern in Gaza wurde von israelischen Beamten beschrieben als „die Bevölkerung auf eine Diät setzen“, ein neuer Trick für einen langsamen Tod, der keine internationalen Schlagzeilen macht.

Die wahre Bezeichnung dieser Tragödie ist “Kriegsverbrechen” und “Völkermord”, gemäß Artikel 6 und 8 des Rom-Status 1998, mit dem der Internationale Strafgerichtshof geschaffen wurde. Diese beiden Artikel beschreiben die Situation in Gaza genau.

Den Palästinensern im Gazastreifen werden Wasser, Essen und Medikamente sowie die (teilweise?) Aufhebung der Blockade versprochen, wenn sie die Bedingungen des sogenannten Nahostquartetts erfüllen: die Anerkennung der israelischen Besatzungsmacht und die Aufgabe des Widerstandes gegen sie. Blair meckerte in jedes Medienmikrofon in seiner Reichweite, den Palästinensern stünden 4,5 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens zur Verfügung, wenn sie nur die Bedingungen des Quartetts anerkannten.

Blair ist ein offenkundiger Lügner. Die Medien glaubten ihm oder taten zumindest so. Kein Beamter, kein Journalist, kein gebildeter „Experte“ sagte ihm, dass er log. Nur ein Mann. Alvaro de Soto, der UN-Vermittler, sagte in seinem Abschlussbericht über seine Mission vom Mai 2007 in Absatz 79, das Quartett hätte nie irgendwelche Bedingungen gestellt. Es sind die Bedingungen der USA und der Europäischen Union, die auf ihrer eigenen Politik basieren, und die UN und Russland wurden als Alibi benutzt, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Ein bekannter Name auf  Fernsehbildschirmen ist die israelische Siedlung Sderot, das Opfer von selbstgebastelten Projektilen, die in acht Jahren ein Fenster zerschmetterten und eine Person töteten. Der Bürgermeister von Sderot drückt seine dauernde Furcht vor dem unglaublich dicht bevölkerten Gazastreifen aus, die Brutstätte des Terrorismus, und wird von Würdenträgern aus europäischen Hauptstädten und des US-Kongress besucht.

Keiner dieser Würdenträger weiß oder will erklären, dass Sderot eine Siedlung ist, die auf dem Land des Dorfes Najd gebaut worden ist, dessen vertriebene Bevölkerung nur zwei Kilometer entfernt in einem Flüchtlingslager lebt. Sie schießen ihre selbstgebastelten Projektile auf ihr eigenes Land, auf dessen Besatzer, als symbolisches Zeichen, um ihr Recht auf ihre Häuser in dem besetzten Land zu behaupten.

Diese Würdenträger beklagen die beengten Verhältnisse in Gaza, das Elend, die Armut und die Hoffnungslosigkeit. Sie schütteln traurig ihre Köpfe. Die Mutigen besuchen Gaza in einer zweistündigen Blitztour, ohne Kontakt mit den normalen Leuten, abgeschirmt von UN-Hilfsmitarbeitern, um sie davor zu schützen, von den hungernden Menschen verschlungen zu werden.

Hat nur einer dieser distinguierten Besucher gefragt, warum der Gazastreifen so überfüllt und elend ist? Ist er so überfüllt, weil dies der Ort ist, an dem die Bevölkerung von 247 palästinensischen Dörfern, die Opfer der ethnischen Säuberung 1948, in einem Gefängnis unter freiem Himmel – auf 1 % der Fläche Palästinas – eingepfercht wurden. Sie sind zusammengedrängt auf einer Bevölkerungsdichte von 6.000 Personen pro Quadratkilometer, während der Bürgermeister von Sderot und seinesgleichen sich auf ihrem Land bei einer Dichte von 6 Personen pro Quadratkilometer bewegen können.

Lasst sie zurück auf ihr Land gehen und es wird kein Gedränge geben, keine Armut und kein „Terrorismus“. Wem das nicht gefällt, der gebe ihnen, was auch die Israelis haben: F16-Kampfflugzeuge und Merkava-Panzer. Der „Terrorismus“ wird aufhören und ein netter schöner Krieg wird beginnen.

Israel gibt sich selbst die Lizenz, jedes Dorf zu zerstören und seine Bevölkerung unter der Rubrik “präventiver Militäreinsatz”, manchmal auch „Vergeltung“ genannt, zu töten. Nach diesem Prinzip darf man denken, dass sein Nachbar böse aussieht und man von ihm eines Tages umgebracht werden könnte. Also entscheidet man sich, sofort etwas dagegen zu unternehmen, indem man ihn überrumpelt und tötet. Man braucht keine anrückenden Panzer. Man braucht keinen Beweis. Der Geisteszustand reicht aus, vor allem wenn man Rassist ist. Dies war die von Israel abgegebene Erklärung für die Tötungen im Camp Bureij, in Qibya, Samou’ und ein Dutzend anderen Orten. Diese Politik wurde in die Sprache der internationalen Diplomatie als seriöses Wort aufgenommen. Es breitet sich nun in den Zeitungsschlagzeilen aus, obwohl es ein eklatanter Bruch des Wortsinns und des Geistes der UN-Charta ist.

Aus dem oben genannten Beispiel geht klar hervor, dass die Medienmanipulation und die aufgeladene Terminologie die geheime Armee der Zionisten ist. Diese Art von Armee kann von keinem Goldstone, Dugard oder Falk festgenagelt werden. Aber Verbrechen werden von ihr genauso begangen.

Die Hasbara, das Erzeugen von Israels blütenreinem Image, ist eine hohe Kunst. Ihre Werkzeuge wurden unlängst enthüllt in dem israelischen Projekt „Geheimes Hasbara-Handbuch“, unter diesem Link: http://www.richardsilverstein.com/tikun_olam/2009/07/10/the-israel-projects-secret-hasbara-handbook-exposed/

Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Doch denjenigen, die an den Fakten interessiert sind, und es werden glücklicherweise immer mehr davon, den guten Menschen in der ganzen Welt, die sich von ihrem moralischen Kompass leiten lassen, und natürlich den Palästinensern, die die Last der verborgenen Wahrheiten tragen, ihnen allen, sei gesagt, dass die israelische Hasbara am besten von einem ähnlichen lautenden, arabischen Wort beschrieben werden sollte: Za’bara; es bedeutet „bedeutungslos, verworrene laute Wörter“.

Dies wird eine bessere Welt sein und Gerechtigkeit wird wiederhergestellt werden, wenn erkannt wird, was Hasbara wirklich ist: bloß Za’bara. Wenn die Wahrheit scheint, verscheucht sie die Wolken der Mythen.



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Der Erste Wortkrieg ist eine Initiative von Palestine Think Tank und Tlaxcala.

Die Autoren, die an diesem Ersten Wortkrieg teilnehmen möchten, können ihre Texte
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Quelle: Hasbara or Za’bara

Originalartikel veröffentlicht am 16.4.2010

Über den Autor

Susanne Schuster ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10438&lg=de

 


DIE TLAXCALA KARTEI: 30/04/2010

 
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