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20/08/2017
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Mit Freunden wie diesem, braucht Israel keine Feinde

Elie Wiesel, der Freund


AUTOR:  Gideon LEVY גדעון לוי

Übersetzt von  Ellen Rohlfs. Herausgegeben von Fausto Giudice


 Die Siedler von Pisgat Zeev, die Eindringlinge von Sheikh Jarrah, die Leute, die Silwan begehren, die Eindringlinge, die ins Muslimviertel wollen, und Sie Bürgermeister  der nationalistischen Stadt, Nir Barkat, brauchen sich keine Sorgen mehr zu machen: Ganz Jerusalem gehört Ihnen – und zwar für immer. Der Nobelpreisträger Elie Wiesel traf sich im Weißen Haus mit seinem Freund Barack Obama mit einem Auftrag seines anderen Freundes Benjamin Netanjahu. Und als er von dort kam, sagte er, er habe den Eindruck, Obama würde seinen Rat befolgen und die Diskussionen über Jerusalem  hinausschieben. 

Mit Freunden wie diesem, braucht Israel keine Feinde. 62 Jahre nach Erklärung seiner Herrschaft benötigt Israel noch immer Hausierer mit jüdischem Einfluss – einmal ist es Elie Wiesel und  ein anderes Mal ist es Ron Lauder, um beim Edelmann Einspruch zu erheben. 43 Jahre lang dauert die Besatzung, und diese Leute wirken nur dahin, dass sie weitergeht.

Es gibt nicht viele Juden wie Wiesel, für den die Tür des Weißen Hauses offen steht und dem der Präsident zuhört. Und was macht Wiesel mit dieser goldenen Möglichkeit? Er redet mit Obama über das Hinausschieben von Gesprächen über Jerusalem. Nicht über die Notwendigkeit der Beendigung der Besatzung, nicht über die Möglichkeit einen gerechten Frieden ( und ein gerechtes Israel) zu schaffen, nicht über die entsetzliche Ungerechtigkeit gegenüber den Palästinensern. Nur über die Aufrechterhaltung der Besatzung.

Statt dass die Person, die für sehr moralisch angesehen wird, das gemeinsame Mahl mit dem Präsidenten dazu benützt, Israels endloses Hinauszögern zu beenden, feilscht Wiesel um einen völligen Aufschub. Er tat dies offensichtlich für das Wohl eines  Landes, dessen Ministerpräsident genau vor einem Jahr seine Zwei-Staaten-Rede hielt – aber keinen Finger rührte, um dies zu erfüllen. Ein Land, das Syrien anbettelt, Frieden zu machen und in dem die Palästinenser seit langem keine Gewalt mehr ausübten. Aber es weigert sich weiter, Frieden zu schließen. Angesichts all diesem, was empfiehlt der Freund? Hinausschieben. Hinausschieben und hinausschieben, wie Netanjahu, der ihn sandte, gebeten hatte.

Das Nobel-Komitee sagte über den Mann, er sei „ein Botschafter der Menschheit, seine Botschaft sei die des Friedens, der Buße und der menschlichen Würde“. Doch was er tut, ist genau das Gegenteil. Nicht Frieden, nicht Buße und nicht menschliche Würde, gewiss nicht für die Palästinenser. Nach der lächerlichen Anzeige-Kampagne in der amerikanischen Presse, die auf der Tatsache gründete, dass Jerusalem ( mehr als 600 mal) in der Bibel erwähnt sei, aber nicht einmal im Koran, wird  der Präsident des Wandels  vielleicht auf den schlechten Rat seines Freundes, des Holocaustüberlebenden,  hören und damit jede Chance auf einen Frieden  verringern.

Wiesel wird Vereinbarungen treffen, und Obama wird hinausschieben. Rund eine viertel Million Palästinenser wird  noch eine Generation unter israelischer Besatzung leben. Eine Viertel Million?  3,5 Millionen, weil es für  Obama, Wiesel und in der Tat für jeden klar ist, dass ohne das Teilen von Jerusalem es keinen Frieden geben wird.

Und was, wenn Obama die Gespräche über Jerusalem hinausschiebt, wie es sein Freund fordert? Bis wann hinausschiebt? Für weitere 43 Jahre? Weitere 430 Jahre? Und was geschieht in der Zwischenzeit? Weitere 100 000 Siedler? Eine Hamasregierung auch auf der Westbank?  Und warum? Weil Jerusalem nicht im Koran erwähnt ist, haben die palästinensischen Bewohner nicht das Recht der Selbstbestimmung?

Und was ist mit der Heiligkeit von Jerusalem als der drittheiligsten Stadt im Islam nach Mekka und Medina? Was hat Heiligkeit mit der Herrschaft zu tun? Was geschieht, wenn die Diskussion noch einmal hinausgeschoben wird und man über Wasser redet, wie Netanjahu   es wünscht. Das sind alles Fragen, die dem Freund nicht gestellt wurden.

Es ist sehr deprimierend daran zu denken, dass diese Leute die größte Rolle im jüdischen Volk spielen.

Es ist, als ob sie dächten, dass automatische und blinde Unterstützung Israels und seiner Launen wahre Freundschaft bedeutet – dass die Fortdauer der Besatzung Israels Zielen mehr dient, als  seine Zukunft gefährdet. Sie lassen ihr Gewissen zwar über die Ungerechtigkeiten in der Welt sprechen, aber wenn man auf die Ungerechtigkeiten Israels zu sprechen kommt, ist es, als hätten sie einen Schleier über den Augen, und ihr Mund wird schweigsam.

Wenn ich Elie Wiesel wäre, solch ein berühmter Holocaustüberlebender, ein Friedensnobelpreisträger, dessen Stimme ganz oben gehört wird, dann würde ich meinen Freund im Weißen Haus fragen: um des Friedens willen, um Israels Zukunft willen und um des Weltfriedens willen: Bitte, Herr Präsident, benützen Sie Ihre Macht. Israel hängt von Ihnen ab wie nie zuvor. Es ist isoliert, wie nie zuvor; es ist ohne amerikanische Hilfe so gut wie tot. Deshalb würde ich  beim koscheren Mahl  zu Obama sagen: Herr Präsident, seien Sie ein wahrer Freund von Israel und retten sie es vor seinem Unglück.


Quelle: Haaretz-The friend

Originalartikel veröffentlicht am 6.5.2010

Über den Autor

Ellen Rohlfs und Fausto Giudice sind  Mitglieder von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin, der Herausgeber als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10524&lg=de


KANAAN: 10/05/2010

 
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