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01/07/2016
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Ein russischer Führer im israelischen Kabinett


AUTOR:  Roberto Bardini, 25. Oktober 2006

Übersetzt von  Übersetzt von isolda Bohler und überprüft von Fausto Giudice


Avigdor Lieberman, neues Mitglied von Olmerts israelischer Regierung, schlägt den Austausch von Land und Bevölkerung zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde vor, “um zwei ethnisch homogene Staaten zu schaffen”. Während der israelischen Invasion in den Libanon im letzten Juli forderte er die Verabschiedung eines Gesetzes, das die Treue zum jüdischen Staat von allen Bewohnern verlangt, wie in den Zeiten des Dritten Reichs.

 

Der neue Alptraum der Palästnenserinnen und Palästinenser, der moderaten Israelis und der Nachbarstaaten des jüdischen Staates besitzt Name und Nachname: Er heisst Avigdor Lieberman und ist der Führer der ultranationalistischen Partei Yisrael Beitenu (Israel ist unser Heim), die mehrheitlich russische Einwanderern sammelt.

 

 Der israelische Premierminister Ehud Olmert verkündete am 23.Oktober, dass sich die rechtsextreme Organisation der Regierungskoalition anschloss und dass Lieberman Vizepremierminister in dem neuen Ministerium für strategische Angelegenheiten wird, woraufhin es einige Analytiker der Presse ironischerweise als “das Ministerium für die Bedrohung durch den Iran” bezeichneten. Ausserdem erlangte Olmert mit dem Einzug von 11 Abgeordneten der Yisrael Beitenu Partei eine günstige Mehrheit von 78 der 120 Abgeordneten in der Knesset (Parlament).

Avigdor Lieberman denkt, dass die aktuelle “Schwäche” von George W. Bush die USA daran hindert, sich dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineyad zu widersetzen und behauptet, dass es Israel ist, das sich dem Iran entgegenstellen muss.

 

Er wurde vor 48 Jahren in Moldawien, einer Region, die damals zum Süden Russlands gehörte, am Fuss der Karpaten zwischen der Ukraine und Rumänien gelegen, geboren, emigrierte in den 80er Jahren nach Israel. 1999 gründete er Yisrael Beitenu, die 1 Million aus der Ex-Sowjetunion kommende Anhänger zählt und in kurzer Zeit wurde er als “Faschist” und “Rassist” qualifiziert. Der Parteiführer ist Anhänger der Bombardierung der palästinensischen besetzten Gebiete und der Deportation der arabischen Bevölkerung, mit dem Ziel, dass Israel unter religiösem Gesichtspunkt “rein” sei.

 

In seinem Buch Meine Wahrheit, das viele mit Mein Kampf von Hitler vergleichen, schlägt Lieberman den Austausch von Land und Bevölkerung zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde vor, “um zwei ethnisch homogene Staaten zu schaffen”. Während der israelischen Invasion in den Libanon letzten Juli  forderte er die Verabschiedung eines Gesetzes um die Treue zum jüdischen Staat allen Bürgerinnen und Bürgern abzuverlangen, wie im Dritten Reich.

Vorher, im Mai, schlug er die Hinrichtung von den 10 arabisch-israelischen Gesetzgebern, die Kontakte mit Hamas, der die palästinensische Regierung anführenden Gruppe, unterhielten, wegen Hochverrats vor.  “Der Zweite Weltkrieg endete mit den Nürnberger Prozessen und der Hinrichtung der Naziführer. Aber es wurden nicht nur die Köpfe hingerichtet, sondern auch die Kollaborateure. Ich wünsche mir, dass dies das Schicksal der Kollaborateure, die sich in diesem Haus befinden, sei”, sagte Lieberman im Parlament.

Aber die “Rassenreinheit”, der extreme Nationalismus und die religiöse Orthodoxie, die Lieberman bewegen, haben ihre Gegenseite: Der jetzige Vizepremierminister war in mehr als einen Korruptionsskandal verwickelt, wegen seiner Beziehung mit den russisch-jüdischen Mafias, die es im Land gibt. Im Mai 2002 veröffentlichte der US-Intellektuelle James Petras einen Artikel mit der Überschrift: “Wer finanziert den israelischen Staat?”, in dem er bestätigt: “Die reichen und mächtigen Juden des Auslands bewegen sich in dem Kreis um Sharon. Sieben der acht oligarchischen Billionäre der russischen Mafia machten grosszügige Beiträge an den israelischen Staat und unterhalten exzellente Beziehungen zu Sharon und Shimon Peres”.

 

Israel erhält enorme Geldsummen von den jüdischen Magnaten aus aller Welt. Eine beträchtliche Portion dieser Unterstützung fällt in die Parteikassen der Rechten und der extremen Rechten und dient der Finanzierung der jüdischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten in der Westbank und dem Gazastreifen. Aber diese monetäre Grosszügigkeit erwidert nicht nur politischen, religiösen oder humanitären Motiven: Israel steht auf der schwarzen Liste der G-8 für eines der grössten internationalen Paradiese zur Geldwäsche.

 

Einige Millionäre der sogenannten “russischen Mafia” im Nahen Osten versichern, dass sie von Juden abstammen. Unter ihnen befindet sich Vladimir Gusinsky, der steinreiche russische Medienzar, der zur Zeit von der Justiz seines Landes gesucht wird. Gusinsky, der ohne Schwierigkeiten einen israelischen Pass erhielt, ist der Geschäftspartner des internationalen Waffenhändlers Yaakov Nimrodi und Besitzer von 25 % der Aktien der zionistischen Tageszeitung Maariv von Tel Aviv.

 

Im Moment ist auszuschliessen, dass Israel auf den Frieden mit den Palästinensern und seinen Nachbarn hinlenkt. Der frühere Abgeordnete und Ex-Mossadchef Daniel Yatom warnte davor, dass die Anwesenheit von Avigdor Lieberman im Kabinett “seine extremistischen Positionen legitimieren werden”.

 

“Wenn viele Friedensliebhaber in Israel über die Möglichkeit, dass ein Rassist wie Lieberman in die Regierung einzieht, entsetzt sind, vergessen sie, dass ohne ihn die Regierung Olmert schon eine Politik der extremen Rechten entwickelt”, schrieb Gideon Levy, Kolumnist der Tageszeitung Haaretz. “Eine Regierung der extremen Rechten mit Lieberman ist vorzuziehen, aber ohne vorherige Täuschungsmanöver, dass eine Regierung ohne Lieberman eine der linken Mitte sei. … Die Teilnahme Liebermans reisst lediglich einer Regierung, die einen sinnlosen Krieg begann, die jegliches Abkommen mit Syrien ablehnt, die grausam gegen die Palästinenser ist und die die Besetzung von Gebieten verstärkt, die Maske runter”.

 


Roberto Bardini ist ein argentinischer Journalist und Schriftsteller, verantwortlich für Bambú Press (Mexiko), politisch nicht-korrekte Alternativpresse.

Übersetzt vom Spanischen ins Deutsche von Isolda Bohler und überprüft von Fausto Giudice, Mitgliedern von
Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt . Diese Übersetzung unterliegt dem Copyleft für jeden nicht-kommerziellen Gebrauch : sie kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden. URL dieses Artikels : http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=1449&lg=de


KANAAN: 02/11/2006

 
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