HOME TLAXCALA
das Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt
TLAXCALAS MANIFEST  WER SIND WIR ?  FREUNDE VON TLAXCALA  SUCHEN 

SÜDLICH DER GRENZE (Lateinamerika und Karibik)
IMPERIUM (Globale Fragen)
KANAAN (Palästina, Israel)
UMMA (arabische Welt, Islam)
IM BAUCH DES WALFISCHES (Aktivismus in den imperialistischen Metropolen)
FRIEDEN UND KRIEG (USA, EU, NATO)
MUTTER AFRIKA (afrikanischer Kontinent, indischer Ozean)

TAIFUNZONE (Asien, Pacifik)
KALVELLIDO MIT K (Tagebuch eines Prolos)
RAUCHENDE GEHIRNE (Kultur, Kommunikation)
DIE NICHT EINZUORDNENDEN 
DIE TLAXCALTEKISCHEN CHRONIKEN 
DIE TLAXCALA KARTEI (Glossare, Lexika, Karten)
BIBLIOTHEK DER AUTOREN 
GALERIE 
TLAXCALAS ARCHIV 

20/10/2019
Español Français English Deutsch Português Italiano Català
عربي Svenska فارسی Ελληνικά русски TAMAZIGHT OTHER LANGUAGES
 

Marokko und Israel - eine unheilige Allianz


AUTOR:  afrol News, 10. Mai 2007

Übersetzt von  Übersetzt von Hergen Matussik


Ungeachtet der Tatsache, daß Rabat vor sechs Jahren seine Beziehungen zu Jerusalem abgebrochen hatte, sind die diplomatischen Aktivitäten zwischen Marokko und Israel in der letzten Zeit sehr intensiv gewesen. Quellen der Saharauis behaupten, Beweise dafür zu haben, daß Marokko die Wiederaufnahme vollständiger diplomatischer Beziehungen mit Israel als Gegenleistung für eine intensive israelische Unterstüng für Rabats Politik in der Westsahara anbietet.

Die israelische Presse berichtete diese Woche, daß in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern Tauwetter angebrochen ist. Vor dem Ausbruch der palästinensischen Intifada vor sechs Jahren war Marokko eines der wenigen arabischen Länder, die formale und herzliche Beziehungen zu Israel unterhielten. Darüber hinaus war Marokko traditionell eines der sichersten Gastländer für Juden in der arabischen Welt. Aber aus Solidarität mit den Palästinensern schloß Marokko seine offiziellen Vertretungen in Israel und brach alle formalen Beziehungen ab.

Der israelischen Tageszeitung Maariv zufolge war Rabats Solidarität ohnehin nur oberflächlich. Seit 2003 hat es regelmäßig Kontakte auf höchster Ebene zwischen den beiden Ländern gegeben. Im September 2003 empfing König Mohamed VI. sogar Israels damaligen Außenminister Silvan Shalom in einem seiner Ferienpaläste für politische Gespräche.

Maariv behauptet Informationen zu haben, die darauf schließen lassen, daß Marokko dabei ist, „die Beziehungen zu Israel wieder aufzunehmen“. Sie erwähnt in diesem Zusammenhang mehrere geheime Reisen hochrangiger marokkanischer Offizieller zu diskreten Treffen mit Beamten des israelischen Außenministeriums. „Die Marokkaner signalisieren, daß sie bereit sind, die Tauzeit in den eingefrorenen Beziehungen zu Israel einzuleiten“, zitierte Maariv eine Quelle aus hohen politischen Kreisen.

Dieselbe Quelle offenbarte auch den Preis, den Marokko für die Wiederaufnahme der Beziehungen fordert. Der Pferdehandel beinhaltet Garantien der israelischen Regierung, „Marokkos Interessen“ in der internationalen Gemeinschaft „zu befördern“. Die israelischen Quellen nannten keine weiteren Einzelheiten.
Aber andere Quellen jenseits des Atlantik sagen, sie hätten bereits die ersten Ergebnisse dieses marokkanisch-israelischen Pferdehandels  wahrgenommen. In Washington haben „israelische und jüdische Lobbyisten“ den Druck auf die US-Regierung erhöht, Marokkos sogenannten Autonomieplan für die Westsahara zu akzeptieren. Die frühere spanische Kolonie wird von Marokko seit 1976 trotz zahlreicher Proteste seitens  der Vereinten Nationen besetzt gehalten. Der kontroverse Autonomieplan widersetzt sich Forderungen der UN nach einem Referendum über die Unabhängigkeit und schlägt statt dessen vor, das umstrittene Gebiet zu einer autonomen marokkanischen Provinz zu machen.

Quellen aus der Umgebung der amerikanischen pro-Saharaui-Lobby zufolge, sind ihre Bemühungen, die Frage der West-Sahara in Kongreß und Senat in Washington zur Sprache zu bringen zunehmend auf „sehr aktive jüdisch-amerikanische und israelische Unterstützung für marokkanische Initiativen in Bezug auf die Westsahara“ gestoßen.

Erst letzten Monat, kurz bevor der UN Sicherheitsrat zum wiederholten Male verschiedene Lösungen für den Konflikt in der Westsahara diskutieren sollte, empfing Präsident George W. Bush einen Brief, der in deutlicher Sprache die marokkanischen Standpunkte unterstützte und von annähernd 170 Angehörigen des Kongreß unterzeichnet war. Die Kongreßabgeordneten drängten Präsident Bush, Rabats Vorschlag zu unterstützen, um sicherzustellen, daß Marokko seine Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus in der instabilen nordafrikanischen Region fortsetzen könne.

 
von einer Mauer...

zur anderen...

Noch vor nicht langer Zeit war der Druck, der von Politikern des US Senats und des Kongreß ausging, von Positionen zugunsten der Saharaui geprägt. Über Jahre kämpften die Kongreßabgeordneten Donald Payne und Joseph Pitts erfolgreich dafür, das Weiße Haus davon zu überzeugen, einer von Marokko aufgedrängten Lösung gegenüber skeptisch zu bleiben. Aber während der letzten Monate stellen politische Beobachter in der US Hauptstadt fest, daß sich „Washington der marokkanischen Position angenähert hat“.

Pro-saharauische Kreise in Washington teilten afrol News heute mit, daß sie diese Einschätzung teilen. Gerüchte in der US Hauptstadt behaupten, daß die „Marokkaner sich als Gegenleistung für einen Erfolg ihres ‚Autonomie-Plans‘ verpflichtet hätten, Israel formal anzuerkennen“. Denselben Gerüchten zufolge erklärte dies, warum man im Zusammenhang mit der Unterstützung für Marokko in Washington stets auf Israel stößt, nicht nur im Kongreß, sondern auch in den Think-Tanks, von denen die meisten mit derselben Lobby verbunden sind“.
Von afrol News angesprochene Offizielle der Saharauis wollten die Angelegenheit nicht kommentieren und betonten, daß große Teile der jüdischen Gemeinde in den Vereinigten Staaten mit der Sache der Saharauis symphatisierten und sie unterstützten.

Aktivisten jedoch sind angesichts der marokkkanischen Versuche alarmiert, die bisherige diplomatische Isolierung im Konflikt um die Westsahara zu durchbrechen. Aber Ronnie Hansen, dem Vorsitzenden des norwegischen Unterstützungskomitees für die Westsahara zufolge „sollte es niemanden überraschen, diese beiden Länder eng zusammenarbeiten zu sehen.“

„Beide halten illegal und brutal benachbarte Länder besetzt und genießen dabei die aktive Unterstützung größerer Mächte wie den USA und Frankreich“, sagte Mr. Hansen gegenüber afrol News. „Trotz all der Erfahrung, die Israel darin hat, internationales Recht und Kritik seiner Besatzung zu unterlaufen, kann Marokko die Israelis wahrscheinlich noch eine Menge lehren: Wenige übertreffen das marokkanische Regime in Sachen Täuschung,  Manipulierung von Tatsachen und orwellschem Zwiedenken. Dies ist eine wahrhaft unheilige Allianz, die weiteres Unheil für die Region bedeutet“, warnte der Aktivist.

Die Vergleiche und Warnungen sind nicht sehr weit hergeholt. Wie eine wachsende Zahl von Beweisen zeigt, spielten in den 80er Jahren, als Marokko seine Mauer durch die Wüste baute, um seine Truppen von den, israelische Ingenieure und Experten eine wesentliche Rolle bei Planung und Bau.


Original :  http://www.afrol.com/articles/25374
Übersetzt vom Englischen ins Deutsche von Hergen Matussik, einem Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung unterliegt dem Copyleft: sie kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.
URL dieses Artikels : http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=2803&lg=de
  


MUTTER AFRIKA: 26/05/2007

 
 SEITE DRUCKEN SEITE DRUCKEN 

 SEITE SENDEN SEITE SENDEN

 
ZURÜCK ZURÜCK  

 tlaxcala@tlaxcala.es

  0:10