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13/07/2020
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Keine Revision im Prozess von Salvador Puig Antich


AUTOR:  Imma, Montse, Carme und Merçona Puig Antich und elplural.com

Übersetzt von  Übersetzt von Isolda Bohler, überprüft von Fausto Giudice


Mitteilung der Schwestern von Salvador Puig Antich,
Imma, Montse, Carme und Merçona

 

Heute ist ein weiterer trauriger Tag für uns. Wenn im Jahr 1973 ein Militärgericht das Trugbild eines Prozesses gegen unseren Bruder bitter aufstossend präsentierte und ihn zum Tode verurteilte, um die blutdürstigsten Sektoren am Ende des Franco-Regimes zufrieden zu stellen, befinden wir uns heute, nach mehr als 34 Jahren, in einer theoretisch gefestigten Demokratie, mit einer Gerichtsbarkeit, die von allen justiziell fernen Interessen unabhängig sein müsste, in der gleichen Situation. Die uns vertretende Anwaltsgruppe arbeitete absolut wirksam und brachte eine Bandbreite neuer unterlegter und schlagkräftiger Beweise zusammen und präsentierte sie. Sie stellte neue Zeugen und Beweise von Sachverständigen vor. Dies wurde im Falle unseres Bruders für die Revision legal gefordert.

Die damals nicht verwirklichten oder nicht akzeptierten Beweise der Verteidigung von Salvador, lagen jetzt auf dem Tisch des fünften Obersten Militärgerichts. Von ihnen hing ein wiedergutmachender Akt der Gerechtigkeit ab und sie wollten ihn nicht. Angesichts dieser enttäuschenden Hilflosigkeit, die wir heute erfahren müssen, fragen wir uns, in was sich jenes System der Diktatur, das unseren Bruder und viele andere zum Tode verurteilte, von jenem demokratischen System unterscheidet, das nichts zur Schliessung der alten, noch schwärenden Wunden unternimmt. Danach werden sie uns darum bitten, wir sollten die Vergangenheit ruhen lassen und in die Zukunft blicken. Niemals werden wir das können.

Wir fragen uns, ob es die gleiche gerichtliche Fürsorge war, die jetzt die Revision verweigerte, und jenes unheilvolle Gericht verteidigt, das damals ohne Prozessgarantien das Todesurteil unseres Bruders unterschrieb.

Wir wissen, dass wir in diesem Augenblick nicht allein sind. Wir bedanken uns für den Zuspruch und die Unterstützung, die uns von unzähligen Menschen und Kollektiven erreichte. Die Gesellschaft im Allgemeinen und die katalanische im Besonderen verstanden, dass der Fall unseres Bruders keine persönliche oder familiäre Frage ist. Bedeutungsschwere Auffassungen wie die Würde oder die Wiedergutmachung stehen auf dem Spiel. Wir wissen, dass wir nicht die einzigen Personen, die sich in dieser Situation befinden, sind. Und wir wissen auch, dass wir weitermachen müssen, bis eines Tages die schlimme Ungerechtigkeit, die am 2. März 1974 begangen wurde, anerkannt wird, als der Henker die Garrote (Würgeschraube) mit der Zustimmung eines aus der heutigen Prespektive unhaltbaren und korruptendes Gerichtssystems, zudrückte.
   

 


Garrote vil, Ramón Casas,1894. Öffentliche Hinrichtung durch die Garrotte in Barcelona. Öl. 127x166.2 cm. Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid


Der konservative Flügel des Obersten Gerichts setzte sich durch
Zwei Ex-Generäle verhinderten die Revision des Prozesses  von Puig Antich

Quelle : elplural.com

 

Die Kammer des Obersten Militärgerichts verweigerte den Familienangehörigen des katalanischen Anarchisten Salvador Puig Antich die Genehmigung Revision gegen das Urteil einzulegen, durch das der junge Mann zum Tode verurteilt und das 1974 vollstreckt wurde. Die von der Familie geforderte Berechtigung wurde mit den Stimmen des Kammerpräsidenten, dem früheren Präsidenten der konservativen Berufsvereinigung der Magistratur, und den beiden Ex-Generalmilitärrichtern, die jetzt ihr Amt an diesem Gericht ausüben, verweigert.

 

In einer Pressenote informierte das hohe Gericht, man habe die von der Familie Puig Antich beantragte Genehmigung verweigert, mit der sie eine ausserordentliche Revision des Urteils, das den katalanischen Anarchisten zum Tode verurteilte, forderte. Von den fünf Kammermitgliedern stimmten drei für die Verweigerung des Antrags: Der Gerichtspräsident, Ángel Calderón und die beiden Richter Agustín Corrales und Javier Juliani, während José Luis Calvo Cabello und Ángel Juanes Peces ihre gegenteiligen Stimmen übermittelten.

 

Frühere Generalmilitärrichter

 

Die drei verweigernden Stimmen gehören zur Magistratur des konservativsten Flügels des Obersten Gerichts: Ángel Calderón war Präsident der Berufsvereinigung der Magistratur (APM), einer konservativen, der PP nahestehenden, Richtervereinigung. Agustín Corrales und Javier Juliani sind ehemalige Generalmilitärrichter, d.h., sie gehören zum Zweig der Militärjustiz.

 

„Es verletzt das Recht auf effektive Gerichtsvormundschaft“

 

Nachdem der Anwalt der Familie Puig Antich, Sebastián Martínez Ramos das Urteil kannte, bedauerte er „tief“ die Entscheidung, weil, wie er versicherte, „das Recht auf effektive Gerichtsvormundschaft verletzt wird“. Seinem Urteil nach zeigen die ausgeführten Beweise, dass die beiden Ärzte, die den Leichnam des Subinspektors Francisco Anguas erhielten, wegen dessen Ermordung Puig Antich zum Tode verurteilt wurde, fünf Kugeln und nicht drei fanden, wie in der Autopsie stand.

 

„Unregelmässigkeiten“

 

Ausserdem erinnerte er daran, der infografische Sachverständigenbeweis „enthüllte die Unmöglichkeit, dass alle Kugeln aus der selben Pistole gekommen wären“. Er wies auf „andere Unregelmässigkeieten“ hin, wie die „Verwirklichung einer Autopsie in einem Polizeikommissariat, der Verlust von Kugeln und Hülsen oder die Nichtübergabe zur Sachverständigenuntersuchung von Waffen“.

 

Nachgestellte Daten

 

Die Verabschiedung dieser Entscheidung war für den 25. Oktober festgelegt, obwohl die Militärkammer übereinkam das Datum hinauszuschieben, um zuvor die von der Familie vorgeschlagenen Zeugen zu vernehmen. Im vergangenen Februar wurde die Entscheidung über die Genehmigung der Revision des Todesurteils von Puig Antich, am 2. März 1974 durch die Garrote vil (Würgeschraube) vollstreckt, erneut verschoben, in dem neue Beweise gefordert wurden, die schliesslich vom hohen Gericht zurückgewiesen wurden.

 

 

Salvador Puig Antich (Barcelona 1948 – 1974)

Quelle : wikipedia


Er war ein in den 60ern und beginnenden 70er Jahren ein anarchistischer Aktivist. Er starb, vom Franco – Regime hingerichtet, nach einer Militärgerichtsfarce, angeklagt wegen des Todes eines Subinspektors der traurig-berüchtigten Brigada Político Social, Francisco Anguas Barragán, in Barcelona.

Als Sohn einer Arbeiterfamilie war Salvador der dritte von sechs Geschwistern. Sein Vater, Joachín Puig war während der Zweiten Republik aktiver Katalanist und musste nach Frankreich ins Exil gehen. Bei seiner Rückkehr nach Spanien wurde er zum Tode verurteilt und im letzten Augenblick begnadigt.

Der junge Salvador war aktives Mitglied in der Iberischen Befreiungsbewegung (MIL, Movimiento Ibérico de Liberación), Anarchist, Gegner der Franco-Diktatur. Seine erste Mitgliedschaft war in den Plattformen der Comisiones Obreras, im Teil der Comisión der Studierenden des Instituts Maragall. Nach der Militärpflicht ging er zum MIL, war Chauffeur bei Aktionen der Gruppe, im Allgemeinen Banküberfälle. Die Beute diente der Erhöhung der Untergrundsveröffentlichungen der Gruppe und der Unterstützung der Streikenden und festgenommenen Arbeiter.

Puig Antich und seine Genossen bewegten sich mit Leichtigkeit in der Welt des klandestinen Kampfes und reisten oft in den Süden Frankreichs, wo sie sich mit alten Aktiven der anarchistischen Gewerkschaft CNT trafen.

Im August 1973 versammelten sie sich in Frankreich um den Kongress der Selbstauflösung der MIL abzuhalten. Im nächsten Monat, nach einem Überfall auf ein Büro der Caixa, begann eine starke Polizeioffensive gegen die Mitglieder der MIL.

Zuerst fielen Oriol Solé Sugranyes und José Luís Pons Llobet und danach Santi Soler, der festgenommen, verhört und gefoltert wurde und am Ende die geheimen Treffpunkte seiner Compañeros gestand. Santi Soler wird auch von der Zivilpolizei als Köder für eine Falle zur Festnahme von Javier Garriga benutzt; die Anwesenheit Puig Antichs erwarteten sie nicht. Die genau vorbereitete Operation fand am 25. September 1973 in Barcelona statt. Die beiden Anarchisten werden festgenommen und sofort fand am Eingang Nr. 70 der Strasse Gerona eine Schiesserei statt, bei der Puig Antich schwer verletzt wurde und der Subinspektor der Brigada Político Social Francisco Anguas Barragán, 23 Jahre alt, getôtet wurde.

Puig Antich wurde eingesperrt, angeklagt, der Täter der Schüsse, die den Tod von Anguas Barragán verursachten, zu sein und später von einem Kriegsgericht verurteilt, durch eine Diktatur, die nach dem Attentat von ETA auf den Regierungspräsidenten Luís Carrero Blanco nach Rache schrie.

In vielen Orten Europas wurden Demonstrationen organisiert, auf denen die Umwandlung der Todesstrafe gefordert wurde, aber ein bis in seine letzten Tage grausamer Franco blieb hart und gewährte keine Begnadigung. Salvador verbrachte seine letzte Nacht in der Zelle 443 des Modelo-Gefängnisses in Barcelona. Puig Antich, 25 Jahre alt, wurde durch die Garrote vil (Würgeschraube) von dem Henker des Obersten Gerichtshofes, Antonio López Sierra, im Paketsaal des Gefängnisses am 2. März 1974 um 9.40 Uhr morgens hingerichtet.

 

Im Jahre 2005 wurden die Geschehnisse in einem Film von Manuel Huerga nachgedreht, unter dem Titel „Salvador Puig Antich“, interpretiert von Daniel Brühl, mit der Musik von Lluis Llach.www.salvadorfilm.com

 

Die Familie hatte jüngst eine Revision des Falles gefordert. Die fünfte Militärkammer des Obersten Gerichts lehnte sie ab.


Übersetzt aus dem Spanischen von Isolda Bohler und überprüft von Fausto Giudice, Mitgliedern von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung unterliegt dem Copyleft: sie kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.
URL dieses Artikels: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=2993&lg=de


IM BAUCH DES WALFISCHES: 18/06/2007

 
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