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19/01/2020
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Zeit für eine neue palästinensische Befreiungsorganisation


AUTOR:  Tony SAYEGH

Übersetzt von  Ellen Rohlfs, überprüft von Fausto Giudice & Hergen Matussik


Machen wir uns doch nichts vor, die Palästinenser stehen an einem wichtigen Entscheidungspunkt . Die Realität sieht anders aus als noch vor genau einem Monat . Die  militärischen Kräfte, die sich gegen sie versammelnt werden, bereiten einen größeren Schlag vor, um die palästinensischen Rechte der Palästinenser ein für alle Mal zu liquidieren. In dieser Hinsicht gibt es nichts Neues bei den USA, der EU, den UN und den arabischen Marionettenregierungen, die sich  für eine Endlösung zusammentun. Was neu ist, ist die Bildung einer Art von Quisling*-Regierung von Kollaborateuren, die offen mit dem Besatzer zusammenarbeiten, um die Liquidierung der palästinensischen Rechte zu arrangieren. Es stimmt, dass die Haupt-Kollaborateure/Quislinge bei dieser offenen Zusammenarbeit alte Gesichter sind, die sich seit einiger Zeit auf diesen Tag vorbereitet haben. Neu daran ist, dass sie offen als Werkzeuge der Besatzung erscheinen – ohne Entschuldigungen und ohne Scham. Ein Teil dieser Kollaboration fand still hinter geschlossenen Türen statt, und wenn sie entdeckt wurde, leugnete man sie. Jetzt nicht mehr.

Ben HeineAls noch der „alte Mann“ Arafat am Leben war, wagte dieses Ungeziefer mit seiner Kollaboration  und dem Verrat nicht  so weit zu gehen. Deshalb arbeiteten sie zusammen mit dem Mossad, um ihn (Arafat) zu vergiften.

Es war zu beobachten, dass die Quisling-Kräfte von Abbas und Fayyad nicht direkt mit USrael in den besetzten Gebieten arbeiten. Sie sind nun ein Teil der Hegemonie der US-Achse in der Region, die sich vor allem in Jordanien, Saudi-Arabien, Ägypten und den Vereinigten arabischen Emiraten bewegen, dem sog. Arabischen Quartett. Nach Siniora im Libanon,  gehört nun auch Abbas zu diesem Pack.

Deshalb war es nicht verwunderlich, vor einer Woche zu lesen, dass Fatahs Vertreter im Libanon die Palästinenser in den Flüchtlingslagern im Libanon gedrängt haben, mit Siniora zu kämpfen, mit der Armee, die ihr Flüchtlingslager in Nahr el-Barad bombardiert und zerstört hat, nachdem 35 000 Flüchtlinge vertrieben wurden. Wenn wir die Ereignisse in Nahr el-Barad nüchtern und sachlich  sehen, wird uns klar werden, dass das ZIEL von USrael ist, Kräfte im Libanon zu sammeln, die gegen die Hisbollah kämpfen und den Libanon in eine Situation wie den Irak bringen, um dieselbe kreative Zerstörung im Libanon zu verbreiten wie im Irak. Abbas’  zugewiesene Rolle ist es, auf der Seite Sinioras im Kampf gegen die Hisbollah zu sein. Schließlich hätte sich das arabische Quartett im letzten Sommer gefreut, wenn  Israel  die Hisbollah  besiegt hätte. Es ist kein Geheimnis, dass das Ziel, die Hisbollah als die effektivste arabische Kampftruppe zu zerstören, nicht aufgegeben wurde. Und dieses Mal will sich Abbas an dem Kampf gegen den libanesischen Widerstand beteiligen, genau wie er den palästinensischen Widerstand bekämpft.

Da gibt es einen größeren Plan, der die Ansiedlung palästinensischer Flüchtlinge in den umliegenden Ländern vorsieht und der mit arabischem Öl-Geld finanziert werden soll, da das Recht der Palästinenser auf Rückkehr von Abbas und seiner „Regierung“  verworfen wird. Ein Teil dieses Abbkommens im Libanon ist, dass die Palästinenser für den US-Handlanger Siniora kämpfen. Glaubwürdige Nachrichten aus dem Libanon weisen darauf hin, dass das zerstörte Nahr el-Barad nicht wieder aufgebaut wird; ist es das, was den anderen Flüchtlingslagern im Libanon  blühen wird? Wird Fath Al-Islam oder eine andere „islamische“ Gruppe von Siniora und Hariri deshalb geschaffen werden, um dasselbe Szenarium von Nahr El-Barad in anderen Lagern als  Vorspiel für ihre Zerstörung im nächsten Bürgerkrieg  zu wiederholen? Dies sind eindeutige Möglichkeiten. Man muss in Erinnerung behalten, dass Abbas und das Geschehen im Libanon, Teile eines viel größeren Szenarios sind, um einen „neuen“ Nahen Osten aufzubauen.

Wenn man diesen Hintergrund und den Ernst der Lage der Palästinenser betrachtet, dann genügt es für die palästinensischen Organisationen ( vor allem Hamas), die sich gegen die Beseitigung der Rechte der Palästinenser  entscheiden und den Widerstand fortsetzen, nicht, Abbas weiterhin um einen Dialog zu bitten. Was für einen Dialog und zu welchem Zweck? Man erweist allen Palästinensern damit nur einen Bärendienst, wenn man weiterhin vorgibt, es habe sich nichts verändert. Ich war einer der Leute, die  gegen die sog. Einheitsregierung schrieben. Ich war dagegen und sagte, dass sie nicht halten würde. Natürlich  bin ich kein Hellseher, aber die Widersprüche waren zu groß und waren unmöglich zu überwinden.

Das Problem, dem sich Hamas gegenüber sieht, ist  die Tatsache, dass sie zu politischer Macht kam, indem sie freie Wahlen ausnützte,  doch mit einem Mittel, dessen Ziel es war, den Widerstand zu beenden und die Rechte, besonders die von Oslo einzufordern. Die PA und ihre Strukturen, wie der Legislativrat, waren nicht dafür gedacht, eine Befreiungsbewegung anzuführen; sie waren dafür gedacht, das Ende des Widerstandes abzusegnen und auf der punktierten Linie die Erledigung der ganzen Angelegenheit mit Unterschrift formell abzuschließen. Einer der ersten Akte des Legislativrats war tatsächlich die Abstimmung  über die Veränderung  der ursprünglichen Palästinensischen Charta, um Israels „Existenzrecht“ anzuerkennen, bevor unser Existenzrecht und unser Rückkehrrecht anerkannt wurden.

Dies ist in wenigen Worten das, was im Gazastreifen und auf der Westbank geschieht: In Gaza entschieden sich die Kräfte, den Widerstand fortzusetzen, während auf der Westbank der palästinensische Karzai mit dem Ausverkauf fortfährt. Wenn der Legislativrat Karzai nicht gibt, was er will, dann wird er seine alten, senilen Anhänger aus dem Zentralrat der PLO bitten, dem Ausverkauf ein  Feigenblatt von Legitimität zu verpassen.

Es ist die Zeit gekommen, der PA-Charade ein Ende zu setzen: nun ist alles offen. Oslo und seine PA-Anhänger haben den Palästinensern  enormen Schaden zugefügt und uns an den Rand einer größeren Nakba/ Katastrophe gebracht. Was jetzt für die Hamas und andere Widerstandsgruppen nötig wäre, wäre ein Aufruf zur Bildung einer neuen Befreiungsbewegung, die die nicht mehr funktionierende PLO ersetzt. Dieser Schritt wäre jetzt dringend und sollte das Gerede vom „Reformieren“ der alten PLO ersetzen. Man kann keine Verräter,  die ihre Karten auf den Tisch gelegt haben, reformieren.

Die neue Befreiungsbewegung sollte alle Reste der PA und der PLO über Bord werfen. Sie sollte die Quisling-Regierung in der Grünen Zone Ramallahs isolieren  und sie unter Druck setzen, womöglich auch bekämpfen. Alles Gerede über neue Wahlen sollten ignoriert werden. Wenn die Verräter in Ramallah Wahlen ankündigen, dann sollte es schnellen und nachgiebigen Widerstand gegen diese illegalen Wahlen  geben. Der Widerstand  gegen die Besatzung im Irak ist ein besseres Modell für den palästinensischen Widerstand, von der Hamas angeführt.

Eine neue und breit angelegte Befreiungsbewegung sollte es ermöglichen, daß alle patriotischen Kräfte an ihr teilnehmen, besonders jene patriotischen und ehrlichen Elemente innerhalb Fatah, die sich jetzt als Waisen wiederfinden, weil ihre Bewegung von internen Verrätern korrumpiert wurde.

Eine wichtige Aufgabe dieser neuen Bewegung wäre es, die Millionen  Palästinenser in der Diaspora  mit einzubeziehen und ihnen eine Stimme zu geben. Der Zersplitterung und dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und des Verlustes, den die meisten dieser Palästinenser haben, seitdem die PA aufgehört hat, soll ein Ende gesetzt werden. Die PA war für die Palästinenser unter Besatzung beabsichtigt. Doch brauchen die Palästinenser etwas Größeres und Umfassenderes. Der Plan ist das Rückkehrrecht zu  verwirklichen und die palästinensische Frage zu einer Frage der Abrechnung mit „den Flüchtlingen“ zu machen, wie die "Flüchtlinge zu ihrem Recht kommen". Wir benötigen eine Struktur, die alle Palästinenser vertritt und die den Kampf um das Rückkehrrecht fortsetzt.

*Quisling : In der europäischen Nachkriegszeit der gängige Begriff für Vaterlandsverräter und leitet sich von dem norwegischen Politiker Vidkun Quisling her, der in Norwegen mit den Nazis paktierte. Quisling wurde nach dem Krieg hingerichtet.(AdÜ)


Quelle: http://palestinianpundit.blogspot.com/2007/07/time-for-new-palestinian-liberation.html

Originalartikel veröffentlicht am 22. Juli 2007

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist eine Menschenrechtsaktivistin und selbsttständige Übersetzerin, Fausto Giudice und Hergen Matussik sind  Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=3443&lg=de


KANAAN: 29/07/2007

 
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