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29/06/2016
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Das Begräbnis der zivilen Ehe in Israel


AUTOR:  Shulamit ALONI

Übersetzt von  Ellen Rohlfs & Anneliese Butterweck


Die israelischen Bürger sind in zwölf religiöse Gruppen aufgeteilt. Jede Person ist in ihre Gruppe hinein geboren. Der Jude, dessen Mutter eine Jüdin ist, ist der Tyrannei der Rabbiner ausgeliefert, der Muslim der Tyrannei der Kadis und die Drusen haben ihre eigenen religiösen Führer genau wie die Christen, die Armenier und alle anderen. Und sie dürfen nicht untereinander heiraten, da Israel keine Ehe vor dem Standesamt kennt . Diese Vereinbarungen über keine zivile Ehen in einem Land, das behauptet, demokratisch zu sein, kamen nur deshalb zustande, um die Reinheit des jüdischen Genius zu bewahren.

Als - nach religiösen Quellen – unser Volk auf seinem Land lebte und sich integrierte, wurde es integriert – und dies wurde nicht in Frage gestellt und jeder der (Ehen) anderer für ungültig erklärte, auf den fiel die Anklage selbst zurück.  Aber  dies war damals, als es Einsicht gab und die politischen Autoritäten begriffen hatten, dass sich eine Minderheit  in einer Mehrheit - also auch in deren Sprache und Kultur - integrieren muss.

Auf der anderen Seite haben wir (heute) hier die  Bedürfnisse der religiösen Parteien zu befriedigen. Deshalb haben 1970  die damalige Ministerpräsidentin Golda Meir und der Justizminister Yaakov Shimson Shapira im Gesetz einen Zusatz verankert, der vorschreibt, dass das Rückkehrrecht auch dem Sohn und Enkel eines Juden und seinem Ehepartner gewährt werden soll. (wahrscheinlich aus demographischen Gründen), einem „Juden“, der der Definition nach „jemand war, der von einer jüdischen Mutter geboren wurde, oder der konvertierte und kein Mitglied einer anderen Religion ist“.

In Israel gibt es über 300 000 Männer und Frauen, deren Mütter nicht jüdisch sind und die nicht bereit sind, „wiedergeboren“ zu werden – also mit neuem Namen, mittels eines Konversionsprozesses, der einen zwingt, die Kultregeln einzuhalten, die ihnen fremd sind, ihre Kinder auf  ultra-orthodoxe Schulen zu schicken und  unter rabbinischer Aufsicht zu leben.

Nun kam der Justizminister daher und entschied mit dem Oberrabbiner, eine neue Gruppe zu gründen, eine von den Einheimischen getrennte Gruppe, der erlaubt wird,  unter einander zu heiraten, solange – um Himmels willen - sie keinen jüdischen Mann oder jüdische Frau heiraten.  Die ist die Rettung, die ihnen angeboten wird.

Auf diese Weise verhindert das Judentum, das unter dem wachsamen Auge des religiösen Establishment und des Justizministers bewahrt wird, einigen der Bürger dieses Landes und deren Kindern , dass sie sich unter die Bürger dieses Landes, die jüdische Mütter haben, zu  integrieren. Sie werden zwar die selben Schulen besuchen, Hebräisch, die Bibel und Geschichte studieren – aber  es wird ihnen nicht erlaubt sein, „koschere“ Juden zu heiraten, weil wir das auserwählte Volk sind, die heilige Saat.

Der Vorschlag des Justizministers, der glaubt, dass  dieser  Vorschlag  liberal sei, bedeutet für  das  Abkommen tatsächlich  so viel wie  ein  verachtenswertes Begräbnis. Man hatte mit dem Abkommen einen Weg gefunden, das Problem der fehlenden Registrierung von  Paaren, die wie Eheleute leben,  zu überwinden, indem man ihnen das Recht verleiht, zivil zu heiraten. Dieser Prozess gibt Paaren, die einander lieben und die nicht derselben Religion oder Gruppe oder auch den Säkularen angehören, die Möglichkeit, eine Familie zu gründen, deren Rechte von der Regierung und der Öffentlichkeit anerkannt werden. Jetzt gründen der Minister und sein Freund, der Rabbiner, eine besondere Gruppe von Religionslosen. Und diese Schande ist in erster Linie auf die Immigranten der früheren Sowjetunion gerichtet. Es muss nicht verwundern, dass diese Leute  anfangen, gemeinsam dagegen  zu opponieren. Und tatsächlich ist für die Bürger, die Presse und die Medien die Zeit gekommen, aufzuwachen und etwas zu tun, um die Demokratie zu retten und Rassismus zu verhindern, der aus der Welt geschafft werden sollte.

Ich war erstaunt zu lesen, dass einige Leute  diese Gründung  einer „Sekte säkularer Leute“, deren Mitglieder es erlaubt sei, nur unter einander zu heiraten und nicht jemanden von außerhalb, als einen ersten Schritt zur zivilen Ehe für alle ansehen. Das ist nicht der Fall. Hier ist die zivile Ehe genau wie die Idee von „registrierten Paaren“ begraben worden. Anscheinend passt dieser Vorschlag einer Gesellschaft von messianischen Juden, die sich nach  der Zeit des Josua, der Zeit der Landeroberung, zurücksehnen und sich eine Rückkehr der Zeit des Tempels mit seinen Tieropfern wünschen. All diese Leute werden bekommen, was sie wollen. Schließlich waren es ihre Rabbiner, die bestimmten, dass man sich nicht in andere Völkern  integrieren solle: „… dann sollst du sie ganz und gar  vernichten, du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und auch keine Gnade mit ihnen haben“ ( oder: „du sollst ihnen nicht erlauben, unter euch zu wohnen“ 5.Mos. 7,2)


Quelle: http://www.haaretz.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=887462

Originalartikel veröffentlicht am 30. Juli 2007

Über den Autor

Ellen Rohlfs und Anneliese Butterweck sind Freundinnen von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=3475&lg=de



KANAAN: 01/08/2007

 
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