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27/11/2020
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Politische Säuberung bei France Monde (1): Richard Labévière von Radio France Internationale entlassen


AUTOR:  Fausto GIUDICE

Übersetzt von  Thomas Immanuel Steinberg


Am 12. August 2008 hat Radio France Internationale (RFI) den weltweit renommierten Schriftsteller und Journalisten Richard Labévière entlassen. Das geschah unter unerhört brutalen Umständen. Sie zeugen von den neuen Managementmethoden unter der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy und vom neokonservativen Triumph der antlantistischen Mannschaft im Einflußbereich der französischen Auslandssender unter der Führung von Christine Ockrent. Sie ist die Frau des Überläufers (2) und jetzigen französischen Außenministers Bernard Kouchner..

Dieser Entlassung griff die SDJ, die Vereinigung der Journalisten, psychologisch vor. Sie zeigte sich bereits lange vor der Vorladung des als schuldig geltenden Journalisten "erstaunt" über die Umstände der Produktion des Gegenstands des Delikts: eines Interviews mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Vorlauf seiner Frankreich-Visite.

Surrealer Entlassungsgrund

Der für diese barsche Entlassung angeführte Grund ist allerdings schlicht und einfach surreal: Richard Labévière wird beschuldigt, die Leitung des Senders nicht über das Interview informiert zu haben, das er mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Damaskus geführt hatte, und das am 9. Juli 2008 von TV5 und am 10. Juli von RFI ausgestrahlt wurde, am Vorabend des offiziellen Besuchs von al-Assad in Paris auf Einladung des Präsidenten Sarkozy.

"Antisemitismus"

Richard Labévière ist kein gewöhnlicher Siné*. Er war nacheinander Chefredakteur von RFI – eine Stelle, von der er abgelöst wurde, weil er Alain Ménargues** unterstützt hatte, welchselber auf Bitten des israelischen Botschafters in Frankreich, Nissim Zvili, wegen „Antisemitismus“ zum Rücktritt gezwungen war – dann verantwortlich für die Morgensendung „Propose?“, die ihm 2005 auf Bitten des gleichen Botschafters entzogen wurde. Ihm blieb nur noch die Sendung „Géopolitique, le débat“ von vierzig Minuten, samstags. Er hat sie nicht mehr.

Bernard Kouchner wird am Dienstag in Damaskus Bachar al-Assad treffen. Wie mag er die Entlassung von Labévière erklären? Wird er das Buch ansprechen, das der Journalist zusammen mit dem Philosophen Bruno Jeanmart veröffentlicht hat unter dem Titel „Bernard-Henry Lévy ou la règle du Je“***, eine gebührende Attacke auf den Medien-Satrapen Bernard-Henry Lévy? Oder wird er dem syrischen Gast erklären, daß „man“ es nicht mehr ertragen habe, Labévière sagen zu hören, daß die Hauptstadt von Israel Tel Aviv heißt und nicht Jerusalem?

Und wie wird Kouchner diese unglaubliche Entlassung Frau Anne Gazeau-Secret erklären, seiner Botschafterin Im Haag, in den Niederlanden, und im übrigen Ehefrau von Richard Labévière?

Die westlichen Medien schweigen

Und wann denn werden die französischen Medien sich dazu entschließen, die Nachricht über diese Entlassung zu veröffentlichen? Bis dato, vier Tage nach der Entlassung, hat keines von ihnen ein Sterbenswörtchen von der Sache verlauten lassen. Die einzige Nachricht auf der Welt erschien in den arabischen Medien: in Assafir und Al Manar in Beirut, in Al Quds Al Arabi, London, und auf einer Webseite aus Aleppo, Syrien. 

Merkwürdig? Sie haben merkwürdig gesagt?

Fazit

Ich kann die Leser, die in Realzeit über die Taten und Untaten des Sarkozyschen Frankreich informiert werden möchten, nur ermutigen, sich der Aufgabe des Arabischlernens zu widmen. Denen, die es schon ohne meinen Rat getan haben, empfehle ich den ausgezeichneten Artikel von Mohamed Balut, Pariser Korrespondent der Beiruter Tageszeitung Assafir. Für die, die diese Sprache noch nicht können, hier eine kurze Zusammenfassung:

Nach seinem Interview mit al-Assad...
Entlassung eines französischen Journalisten, der mit der arabischen Sache sympathisiert

Die Tatsache, mit dem Präsidenten Bachar al-Assad gesprochen zu haben, könnte den französischen Journalisten, über die Bitterkeit hinaus, seinen Posten bei RFI  und TV 5 gekostet haben. 

Die öffentlichen französischen Medien scheinen nicht darüber auf dem Laufenden zu sein, daß es eine französisch-syrische Annäherung gibt, oder sie versuchen, sie zu ignorieren. Richard Lavébière hat in Dutzenden von Artikeln und in zwei Büchern letztes Jahr die palästinensische Sache unterstützt, eins davon geschrieben zusammen mit Pierre Péan, „Bethléhem en Palestine“ (der Autor irrt, das Buch ist von 1999, FG).  

Nach der Veröffentlichung fand er auf seinem Schreibtisch einen Brief: „Wir werden Dir die Haut abziehen“. Nach seiner Entlassung stellt sich nun die Frage: Darf man in den französischen Medien Israel kritisieren? Wir erinnern daran, daß Labévière in seinem Buch „La règle du je“ [Die Regel des Ich, T:I:S] den jüdischen Philosophen Bernard-Henry Lévy angegriffen hat, der in einer Artikelserie seiner Zeitschrift „La règle du jeu“ [Die Spielregel, T:I:S] jeden kriminalisiert hat, der Israel kritisiert. 

Alain Ménargues hatte bereits den Preis bezahlt, Pascal Boniface, der bekannte französische Forscher war durch eine heftige Pressekampagne kaltgestellt worden, als er sein Buch veröffentlichte mit dem aufmerksamkeitserregenden Titel: „Darf man Israel kritisieren?“  

Ist es Zufall, daß die selbe, aus Pierre Ganz, dem Verantwortlichen für die französisch-sprachigen Sendungen von RFI, aus Frank Weil-Rabaud und aus Nicolas Vespucci bestehende Mannschaft, die die Kampagne gegen Ménargues geführt hat, auch die Initiative ergriffen hat, gegen Labévière ins Feld zu ziehen? Wer hat Labévière unterstüzt ? Nur die CFDT [eine französische Gewerkschaft, T:I:S] ...

Anmerkungen des Autors

* Satirischer Zeichner und Anarchist, aus dem Wochenblatt Charlie-Hebdo von seinem NeoCon-Chef Philippe Val wegen „Antisemitismus“ entlassen, weil er geschrieben hatte, daß Jean Sarkozy, der Sohn von Nicolas, sich anschickte, zum Judentum zu konvertieren angesichts seiner bevorstehenden Heirat mit der Erbin der Kaufhauskette Darty.

**Autor zweier Bücher, die die israelischen Instanzen und ihre französischen Parteigänger ihm nicht verziehen haben: Les Secrets de la guerre du Liban : Du coup d'état de Béchir Gémayel aux massacres des camps palestiniens  [Die Geheimnisse des Libanonkrieges: Vom Staatsstreich Bechir Gemayels zu den Massakern in den Palästinenserlagern, T:I:S] und Le Mur de Sharon [Schaons Mauer, T:I:S]

*** Anspielung auf den Titel der Zeitschrift von Bernard-Henry Lévy, La Règle du jeu [Die Spielregel] ], nach dem berühmten Film von Jean Renoir genannt.

P.S. Mir bleibt nur, Sie aufzufordern, meinem Beispiel zu folgen und die folgende Petition zu unterzeichnen: 

Machtmißbrauch und Verletzung der Meinungsfreiheit: Der französischen Presse wird erneut ein Maulkorb verpaßt und ihre Vielfalt angegriffen, sobald vom Nahen und Mittleren Osten die Rede ist.

Die französischen Auslandssender (RFI, TV5 Monde und France24), geleitet von der Ehefrau des französischen Außenministers, Christine Okrent, und dem Publizisten Alain de Pouzilhac, bemächtigen sich der herausgeberischen Entscheidungen dreier großer öffentlicher Medien und zwingen ihnen ein bedingungslos pro-israelisches Einheitsdenken und eine bedingungslos pro-israelische Einheitsprache auf. Die in der Ferienzeit ausgesprochene überstürzte Entlassung von Richard Labévière, Chefredakteur bei RFI und Experte für den Nahen und Mittleren Osten dafür, daß er den syrischen Präsidenten Bachar al-Assad interviewt hat, folgt der Logik eines erneuten Angriffs auf die journalistische Vielfalt, die Redefreiheit und die Menschenrechte in Frankreich, dem Land der Grundsätze der Philosophie der Aufklärung. Gebt ideologischer Willkür und ideologischem Diktat keinen Raum in Frankreich.

Hier unterzeichnen

Zeichnung von Juan Kalvellido, Tlaxcala

Anmerkungen des Übersetzers

(1) Die Originalüberschrift („ethnische Säuberung bei France Monde“) scheint mir auf die Jüdischkeit der Säuberer zu zielen. Tatsächlich putzt die Truppe die französischen Medien nicht nach ethnischen, sondern nach politischen Gesichtspunkten. Daher scheint mir die Originalüberschrift verfehlt.
(2) Bernard Kouchner war Mitgründer und Leiter von Médecins sans frontières, bevor er Politiker und Außenminister wurde.


Quelle: Basta ! Journal de marche zapatiste und Tlaxcala

Originalartikel veröffentlicht am 16. August 2008

Über den Autor

Tohmas Immanuel Steinberg betreibt die Website  SteinbergRecherche, Fausto Giudice ist Redakteur des Blogs Basta ! Journal de marche zapatiste und Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

Zeichnung von Juan Kalvellido, Mitglied von Cubadebate, Rebelión und Tlaxcala.


URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=5688&lg=de

        

 



IM BAUCH DES WALFISCHES: 17/08/2008

 
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