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19/01/2020
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Ein Schrei aus Israel

Obama, bitte, tu mir einen Gefallen


AUTOR:  Edna CANETTI עדנה קנטי

Übersetzt von  Ellen Rohlfs


Obama, mein Lieber, man sagt hier, dass du die Welt verändern willst. Tu   mir einen Gefallen: komm und verändere mein persönliches Leben.

Komm nach Israel, packe seine dumme Führerschaft an der Gurgel und nimm seinen Fuß vom Nacken eines anderen Volkes. Komm und zwinge uns, das zu tun, was klar ist und geschrieben und angebracht und notwendig – kommt und hol uns aus den besetzten Gebieten heraus, wenn nötig, tu es mit einem Lächeln, das die Millionen Dollar Zähne zeigt. Wenn nötig fletsche deine Zähne und zwinge uns, dies zu tun.

Mach es so, dass ich morgens nicht so früh aufstehen muss - was ich wirklich hasse – um zu den Kontrollpunkten zu gehen, um dort zu beobachten und zu weinen. Mach es so, dass ich keine 19jährigen Kinder sehen muss, die man glauben gemacht hat,  sie  verteidigen ihre Heimat, wenn Sie ihre Waffen auf  fünfjährige Kinder richten.

Mach es so, dass – während meine Töchter eine halbe Stunde duschen – ich nicht an die Ayad-Familie in Awarta denken muss, die unter jedes Becken Eimer stellt, um das Wasser noch einmal zu benützen, weil es kostbarer als Gold ist. Weil die Siedlungen das Wasser angeblich nötiger brauchen als die Palästinenser.

Mach es so, dass ich – wenn ich in einem Verkehrsstau stecke – nicht an die riesige Zahl der Autos denke, die vor Tul Karem warten, weil jedes einzelne  von Soldaten und Hunden kontrolliert wird, weil es eine Warnung gab, dass Tul Karem in die Luft gejagt werden soll.

Mach es so, dass ich – wenn meine Schwester schnell mit Rotlicht zur Geburt  ihres Kindes ins Krankenhaus gefahren wird – ich nicht an die in Wehen befindlichen Frauen  oder die Herzkranken und Verletzten denken  muss, die vor Nablus angehalten werden, weil ihr Fahrzeug keinen Passierschein haben.

Mach es so, dass ich – wenn ich  auf der Straße einen Soldaten in Uniform sehe – mich nicht fragen muss, was er die letzte Nacht getan hat: welches Haus er mit spezieller Prozedur * betreten, welchen Jungen er in den Gassen von Hawara geschlagen hat, weil er in falscher Weise lächelte.

Mach es so, dass ich – wenn ich morgens den Nachrichtensprecher höre – nicht seine Befriedigung heraushöre, wenn er von den sechs durch die IDF getöteten Terroristen berichtet.

Obama, mein Lieber, in diesem Herbst ging ich nicht zur Olivenernte. Ich arbeitete nicht draußen. Ich möchte nicht unter schlechtem Gewissen leiden, weil ich nicht genug tue, dass ich mein eigenes Leben lebe, meine Karriere im Blick habe, während  für das andere Volk alleine das  sichere Nach-Hause-kommen schon  wie eine Karriere ist.

Bitte, befreie mich von diesem Schmerz, den ich ständig tief  in mir spüre. Er lässt mich nicht los. Ich kann mich nicht mehr über  mein Leben, meine Kinder und Freunde freuen, weil ich in Gedanken bei dem Hirten in Baqa bin, der dort vor dem verschlossenen Tor steht und vor Kälte zittert, weil der Rothaarige (Soldat) mit dem Schlüssel nicht kommt, oder bei dem gefesselten Jungen mit den verbundenen Augen oder an das dreijährige Mädchen, das vom engen Drehkreuz am Kontrollpunkt einen Schlag auf den Kopf erhielt oder  an die Erdwälle und Betonklötze, die als Straßensperren das Leben so vieler Leute unmöglich machen.

Komm, Obama, komme und rette uns vor uns selbst.

Und wenn es stimmt, was man sagt, dass Du kein Freund Israels bist, dann sei kein Freund. Wir hatten schon  Freunde, die uns mit Waffen versorgten und jeden Horror, den wir ausführten, rechtfertigten – und rette uns vor den Internationalen Gerichtshöfen. Sei ein wirklicher Freund. Rette uns vor uns selbst. Tu es nicht für die Welt, tu es für mich, damit ich Frieden habe. Du bist es mir schuldig. Ich glaube zwar nicht an Gott – aber ich bete für dich.

* Praxis der IDF: zwangsweise ein privates palästinensisches Haus vorübergehend  aus taktischen Gründen zu besetzen (AdÜ)


Quelle: אובמה, בוא תעשה לי טובה אישית  Obama, please do me a personal favour (Traslated by George Malent)


Originalartikel veröffentlicht am 4.11.2008

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist eine Mitarbeiterin von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin, die Übersetzerin  als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=6296&lg=de

 


KANAAN: 10/11/2008

 
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