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25/11/2020
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Stephen Zunes: Die USA hätten "keine moralische Basis" zur Kritik am Iran


AUTOR:  Kourosh ZIABARI ˜æÑæÔ ÖیÇÈÑی

Übersetzt von  Schattenblick


Im September 2007 geriet Stephen Zunes in das Scheinwerferlicht der Medien. Anlaß war sein Treffen mit dem umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in New York während dessen dritter Reise in die USA, um an der 62. Vollversammlung der Vereinten Nationen teilzunehmen.

Dr. Stephen Zunes ist Professor für Politik und Internationale Studien an der Universität von San Francisco, wo er das Programm Nahöstliche Studien leitet.Stephen Zunes

Seine Artikel erscheinen regelmäßig in der Presse und auf bekannten Webseiten wie Common Dreams, Tikkun Magazine, National Catholic Reporter, Foreign Policy in Focus, Huffington Post, Open Democracy und AlterNet. Zunes tritt zudem bei den Nachrichtensendern BBC, PBS, NPR und MSNBC als Nahost-Experte auf, um seine Ansichten, Analysen und Kommentare zu den in Israel, Pakistan, Afghanistan, der Türkei und dem Iran aktuellen Konfliktthemen vorzustellen.

Wie viele andere unabhängige Intellektuelle und Kommentatoren glaubt Prof. Zunes, daß der Iran ungerechterweise für die Konzernmedien und bestimmte politische Lobbys in den USA zum Bösewicht geworden ist - zum "Schurken", den man regelmäßig angreifen kann.

In einem exklusiven Interview für das Foreign Policy Journal hat Stephen Zunes das Ausmaß dieses Phänomens detailliert erläutert: "Um den Militarismus und die Interventionen der USA zu begründen, haben bestimmte Staaten und ihre Führer die Rolle von Ländern zugewiesen bekommen, welche amerikanische Kommentatoren mit Vorliebe hassen. Häufig, wie auch im Falle des Irans, gibt es bestimme politische Aspekte, bei denen Kritik legitim ist. Dennoch, wie es beim Iran zutrifft, fallen diese politischen Aspekte nicht schlimmer als bei vielen Verbündeten der USA aus."

Ich fragte Zunes zu den Gründen für seine Kritik an dem, was er die "religiöse Oberflächlichkeit" Präsident Ahmadinedschads in religiösen Fragen nennt. Er antwortete wie folgt: "Meine Sorge in Bezug auf Präsident Ahmadinedschad betrifft ähnlich der in Bezug auf Präsident Bush die Verwendung religiöser Prinzipien, die zwar an sich legitime Ausdrücke des Glaubens sein mögen, dennoch benutzt werden, um politische Entscheidungen zu rechtfertigen, die den grundlegenden moralischen Prinzipien, auf denen die religiöse Tradition basiert, zuwiderlaufen."

Wir setzten unsere Diskussion fort, indem wir uns dem scheinbar niemals endenden, langweiligen Atomstreit mit dem Iran zuwandten. "Es steht außer Frage, daß es eine schwerwiegende Doppelmoral [seitens der USA] nicht nur hinsichtlich des Atomprogramms Israels, sondern auch desjenigen Pakistans und Indiens gibt. Nach Resolution 487 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen wird von Israel verlangt, daß es sein Atomprogramm der Aufsicht der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) unterstellt, während laut Resolution 1172 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen Pakistan und Indien dazu verpflichtet sind, ihre Nuklearwaffen und Langstreckenraketen gänzlich zu beseitigen", stellte er fest.

Zunes kritisierte den Druck, unter den die G5+1 [die fünf ständigen Mitgliedsländer des Sicherheitsrats - China, Frankreich, Großbritannien, Rußland und die USA - und Deutschland] den Iran setzen, damit dieser seine Nuklearaktivitäten einstellt: "Die G5+1 haben kein Recht, vom Iran zu verlangen, daß er seinen Verpflichtungen gegenüber dem Sicherheitsrat nachkommt, während sie Israel, Pakistan und Indien gestatten, ihre Mißachtung des Sicherheitsrats fortzusetzen."

Der Autor des Buchs "Tinderbox: U.S. Middle East Policy and the Roots of Terrorism" gab sich hinsichtlich eines neuen Berichts der CIA, in dem der politische Untergang des israelischen Regimes innerhalb der nächsten 20 Jahre vorhergesagt wurde, skeptisch. "Ich gehe davon aus, daß Israel weiterhin als jüdischer Staat existieren wird. Doch wenn es nicht bereit ist, eine Zweistaatenlösung nach Art der Genfer Erklärung von Dezember 2003 oder des Arabischen Friedensplans zu akzeptieren, wird es zunehmend militaristisch, repressiv, undemokratisch und schließlich bankrott", erklärte er.

Als nächstes kamen wir auf die heuchlerische Haltung der USA und ihrer Verbündeten in der Frage der Menschenrechte im Iran zu sprechen. "Zwar verdient der Iran wegen seines schlechten Menschenrechtsstandards Kritik", bestätigte Zunes, fügte aber gleichzeitig hinzu: "Doch solange die Vereinigten Staaten der weltweit wichtigste militärische, diplomatische und wirtschaftliche Unterstützer der autokratischen Regime im erweiterten Nahen Osten sind, hat ihre Regierung keine moralische Grundlage, um sich den Iran ungerechterweise herauszugreifen."

Stephen Zunes ist Stellvertretender Redakteur von "Peace Review" und kommentiert seit langem die Besetzung Palästinas durch Israel und dessen ständige Angriffe auf die palästinensische Bevölkerung. "Die arabischen Regierungen haben schon lange ein Lippenbekenntnis zur palästinensischen Sache abgelegt, während sie gleichzeitig wenig zur konkreten Unterstützung der palästinensischen Bevölkerung taten. Zwar mag die iranische Unterstützung für extremistische Gruppen wie die Hamas der palästinensischen Sache eher schaden als nutzen, aber man sollte sich daran erinnern, daß es die Saudis und die anderen arabischen Golfstaaten waren, die jahrelang die Hauptförderer der Hamas waren und ihr weitaus mehr Unterstützung haben zukommen lassen als in jüngster Zeit die Iraner", erklärte er.

In seinem Artikel für die 2009-Frühjahrsausgabe der Zeitschrift Yes hat Zunes die breite Unterstützung internationaler Menschenrechtsaktivisten für die unterdrückten Palästinenser, die im Dezember und Januar einem dreiwöchigen Massaker Israels ausgesetzt waren, gelobt: "In den Vereinigten Staaten, die Israel den größten Teil seiner Waffen zur Verfügung stellen, hat eine beispiellose Anzahl von Friedens- und Menschenrechtsgruppen ihre Mitglieder mobilisiert, um die Unterstützung der Bush- Administration und des Kongresses für den Krieg in Frage zu stellen."

Durch das Gespräch mit Zunes bekommt man einen tiefen Einblick in die aktuelle Lage im Nahen Osten. Er demonstriert zudem, daß man den Iran kritisieren kann, während man gleichzeitig den Unilateralismus und die Interventionspolitik der USA in der unruhigen Region - einschließlich ihrer Unterstützung für Israel - ablehnt.



Quelle:   The U.S. has 'no moral standing' to criticize Iran: Zunes

Originalartikel veröffentlicht am 28.3.2009

Über den Autor

Schattenblick  ist ein Partner von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7329&lg=de

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: 31/03/2009

 
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