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21/08/2017
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Aussichtslos

Wie redet man mit einem Rechten


AUTOR:  Gideon LEVY

Übersetzt von  Ellen Rohlfs


Das Knessetmitglied Zipi Hotovely ist ein  aufgehender Stern in der Likudpartei. Gut gesprochen, jung und leidenschaftlich  entschied sie,  in dieser Woche eine diplomatische Konferenz zu halten. Das Thema: Alternativen zum Zwei-Staaten-Konzept.

Am Vorabend der Konferenz erschien Hotovely im  nächtlich augenblicklichen Abendprogramm „London und Kirschenbaum“ im Kanal10. Sieben Minuten lang versuchte das Paar, eine Antwort von seinen Gästen  zu bekommen: Welches ist Ihre Alternative?

Die Frage wurde mindestens 10 mal wiederholt, in verschiedenen Versionen. Aber sie erhielten keine Antwort. Stattdessen hörten sie Antworten, die besser in einen spaßigen Sketch passten: „Ich bin sehr glücklich, dass Sie diese Frage stellen“, „Was wichtig ist, ist nicht die Alternative“; „ die Palästinenser sind noch nicht für eine Lösung reif“;  „Juden sollten nicht noch einmal aus ihrer Wohnung vertrieben werden“. Hotovely weiß, was sie nicht will; aber sie hat nicht die leiseste Ahnung davon, was sie will.

Geben wir nicht Hotovely die Schuld – sie ist nicht allein. Vom Ministerpräsident bis zum letzten Knessetmitglied vom rechten Flügel, keiner von ihnen hat eine Antwort auf die einfachste, natürlichste und offenkundigste Frage: Was , in Gottes Namen, schlagt ihr vor: wie soll das Land nach eurer Vision - und nur nach eurer Vision - in 15- 20 Jahren von heute ab aussehen?

Bei der Konferenz, die einen Tag nach dem Interview stattfand, wiederholte sich die Farce.

Kein geringerer als der Minister für Strategie Moshe Ya’alon sagte, dass es keinen Spielraum für Diskussionen für einen Zwei-Staaten-Plan gibt, dass solch ein Prozess keinerlei Chance hat; dass die Palästinenser keine zwei Staaten wollen. Zusammengefasst: Eine Alternative – vergesst es!

Wir haben deshalb die wunderbar leichte Aufgabe, das Kartenhaus der Rechten mit einem Schlag umzuwerfen: frag sie, was sie vorschlagen. Frag sie, welches ihre Lösung  sei. Sie werden sich winden und drehen genau wie Hotovely;  es gibt keinen einzigen  anständigen vom rechten Flügel, der eine Antwort parat hat.

Mit der Ausnahme jener, die Transfer – „freiwilligen“ Transfer natürlich – bevorzugen, hat die Rechte keine Vorstellung, wie das Land nach weniger einer Generation aussehen wird, wenn  zwischen dem Jordan und dem Meer die Araber die Mehrheit sein werden. Wie wird ein Land aussehen, wenn die Minderheit über die Mehrheit herrschen wird? Wie viele Jahre noch werden Millionen Menschen weiter ohne Grundrechte leben – während die Welt schweigt?

Ein solches Land wird anderswo in der Welt ein Apartheidstaat genannt. In Israel nennt man dies die Ein-Staaten-Lösung. Dies war einmal völlig ausgeschlossen, nur die radikale Linke beider Nationen wagten so etwas vorzuschlagen. Nun wird es von der israelischen Rechten vorgeschlagen, während  sie die Realität verwischen und unterdrücken.

Wissen Sie, was die Rechte vorschlägt? Sie schlägt die Fortsetzung des Status quo vor. Was angeblich 40 Jahre lang für Israel gut war, wird auch für die nächsten 400 Jahre gut sein. 40 Jahre lang konnten wir uns  etwas vormachen, die Welt zum Narren halten, besetzen, unterdrücken, auf die andern herumtrampeln und sie töten. Warum sollten wir nicht so weitermachen?

Aber der Status quo bleibt niemals  derselbe: er verändert sich ständig und schnell. Die Palästinenser  intensivieren ihren Kampf, und  für die Welt werden wir immer widerlicher. Während der ersten 20 Jahre der Besatzung, waren auch wir davon überzeugt, dass dies so ungestört weitergehen könne. Die Palästinenser werden weiter unsere Häuser bauen, unsere Straßen kehren, unser Geschirr abspülen, unsere Felder bearbeiten.

Dann kam die 1. Intifada, die die Illusion  mit Steinen  und Messern zerstörte; dann kam die 2. Intifada mit Schusswaffen  und Sprengstoffgürteln.

Die dritte ist  im Kommen, noch gewalttätiger als die vorausgegangenen. Die Welt hat  die Nase bald voll davon. Während der 1. Intifada blieb sie meistens  noch still, während der zweiten begann sie, Israel zu ächten,  und während der dritten wird sie  schmerzvolle Schritte gegen es unternehmen.

Einige vom rechten Flügel verstehen dies. Sie haben in ihrem Herzen einen geheimen Wunsch, den sie nie zu äußern wagen: Machen wir den Palästinensern das Leben  so unerträglich, bis sie den Wink verstehen – der so offensichtlich ist, wie eine auf sie gerichtete Kanone – und verschwinden.

Das ist eine Idee. Das Problem ist nur, ist die Idee auch ausführbar? Die Palästinenser bleiben leider, sie geben nicht auf, nicht wie die Juden. Vielleicht sind wir mit ihnen nicht hart genug  umgegangen. Es gibt eine Chance, dass am Ende doch  noch der Rücken des Kamels bricht, genau wie die Fatah gerade dabei ist zu brechen. Und dann gibt es niemanden mehr, mit dem solch ein Problem zu lösen wäre.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, mit den Slogans der Rechten umzugehen: Decke die Wahrheit auf, die hinter ihnen liegt und ihre Hoffnungslosigkeit.

Nichts ist leichter, als die Argumente der Rechten umzuwerfen. Keine einzige wirklich säkulare Person kann  von unseren Rechten überzeugt werden, aus religiösen Gründen an den (besetzten) Gebieten festzuhalten. Das Grab des Rabbi Nachman von Bratslav in Uman, Ukraine ist auch heilig und im Augenblick haben wir keinen Anspruch über diese zu herrschen.


Synagoge errichtet in Erinnerung an Rabbi Nachman in Uman

Genau so absurd sind die sicherheitsrelevanten Erklärungen in einer Epoche, in der Raketen zu fast allem fähig sind. Was also bleibt, ist die Gier nach Grundstücken. Und wenn wir bei Grundstücken sind, lasst uns auch über den Preis reden: der steigt nämlich. An dem Tag, wenn Israelis beginnen, für Grund und Boden einen persönlichen Preis zu zahlen - mit Geld und Blut - und auch den Kontext verstehen, dann wird das Geschäft rückgängig gemacht werden.

Bis dahin werden die Rechten weiter Angst machende Taktiken anwenden, ohne eine einzige Alternative vorzuschlagen. Und die Siedler werden mit ihren Tricks fortfahren; die Lösung der Linken – die einzige weit und breit – wird unmöglich  und die Rechten werden wieder gewinnen.

Es wird aber ein Pyrrhus-Sieg sein. Er wird zu spät sein, um ihn wieder gut zu machen. Das größte und fragwürdigste Immobiliengeschäft wird zusammenbrechen und mit diesem diejenigen, die behaupteten, die Besitzer des  Landes zu sein, auch wenn etwas anderes auf  der Übertragungsurkunde über Realität und Gerechtigkeit geschrieben stand.


Ben Heine, Tlaxcala


Quelle: Haaretz - How to talk to a right winger

Originalartikel veröffentlicht am 28.5.2009

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist eine Mitarbeiterin von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7751&lg=de

 


KANAAN: 30/05/2009

 
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