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27/11/2020
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5. Aufruf Mousavis an das iranische Volk


AUTOR:  Mir Hossein MOUSAVI ãیÑ ÍÓیä ãæÓæی

Übersetzt von  Hamid Beheschti


Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

„Gott befiehlt euch, anvertraute Güter ihren Eigentümern auszuhändigen und, wenn ihr als Schiedsrichter tätig seid, zu entscheiden, wie es recht und billig ist“ (Koran 4:6)

Ehrenhaftes und kluges iranisches Volk!

In diesen Tagen und Nächten nähern wie uns einem Wendepunkt in der Geschichte unseres Volkes. Die Menschen fragen sich gegenseitig und mich natürlich, was zu tun sei und in welche Richtung man einschlagen solle. Ich sehe es als meine Pflicht an, Euch das, was ich glaube, mitzuteilen, mit Euch zu sprechen und von Euch zu lernen, damit wir unsere historische Aufgabe nicht vergessen und die Verantwortung, die das Schicksal, die Generationen und Zeiten, uns auferlegt haben, nicht von uns  weisen.

Vor 30 Jahren siegte in unserem Land eine Revolution im Namen des Islam, eine Revolution für die Freiheit, eine Revolution für die Würde der Menschen, eine Revolution für die Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit. In dieser Periode und besonders in der Lebenszeit des leuchtenden Imams wurden unglaubliche Ressourcen an Leben, Besitz und Ehre aufgewendet, um dieses segensreiche Gebäude zu festigen und es wurden große Errungenschaften gemacht. Unsere Gesellschaft wurde von einer Helligkeit und einem Licht erfasst, wie sie es zuvor niemals erfahren hatte. Unser Volk erlangte ein neues Leben, das ihm trotz der größten Schwierigkeiten und Übel süß erschien. Was unser Volk erlangte, waren Würde, Freiheit und Momente eines würdevollen edlen Lebens. Ich bin mir sicher, dass diejenigen, die diese Zeit erlebt haben, mit nicht weniger als diese Dinge zufrieden sein werden. Waren wir danach nicht mehr würdig, diese wunderbare Atmosphäre zu erleben?

Ich war gekommen, um zu sagen: Das ist nicht so! Es ist noch nicht zu spät. Unsere Entfernung zu dieser Zeit ist noch nicht zu groß. Ich bin gekommen, um zu sagen, dass man ein spirituelles Leben führen und trotzdem im „Hier und Jetzt“ leben kann. Ich bin gekommen, um die Warnungen unseres Imams über Engstirnigkeit und reaktionäres Verhalten zu wiederholen. Ich bin gekommen, um zu sagen, dass Gesetzesbruch am Ende zur Diktatur führt. Ich wollte daran erinnern, dass die Achtung der Menschenwürde das Fundament unseres Systems nicht schwächt, sondern stärkt.

Ich war gekommen, um zu sagen, dass unser Volk von seinen Politikern Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit verlangt, und dass die meisten unserer Probleme aus Lügen resultieren.

Ich war gekommen, um zu sagen, dass Rückständigkeit, Armut, Korruption und Ungerechtigkeit nicht unser Schicksal sind. Ich war gekommen, um ein weiteres Mal die islamische Revolution, so wie sie war und die islamische Republik, so wie sie sein sollte, zu propagieren.

Ich war in dieser Sache nicht redegewandt aber auch meine einfachen Worte hatten solch eine Wirkung auf die junge Generation, einer Generation, die die ersten Tage nicht miterlebt hatten und die einen Abstand zwischen ihrem Leben und diesem großen Erbe sahen, dass sie voller Begeisterung waren und Szenen schufen, die man nur in der Phase der Revolution und der heiligen Verteidigung (Irak-Iran Krieg) beobachten konnte. Die selbstmotivierte Bewegung der Menschen wählte die grüne Farbe als ihr Symbol. Ich gestehe ein, dass ich in dieser Angelegenheit dem Volk folgte. Eine Generation, die für ihre fehlende Religiosität angeklagt wurde, benutzte nun Parolen wie „Allahu Akbar“ (Gott ist größer als alles Vorstellbare), „die Hilfe kommt von Gott und der Sieg ist nahe“, „Oh Hussein!“ und den Namen Khomeinis, um zu zeigen, dass der gleiche gute Baum unter ähnlichen Bedingungen ähnliche Früchte hervorbringt. Der Lehrer dieser Parolen war kein anderer als der Lehrer der Natur (Gott) selbst. Wie unfair sind diejenigen, deren kleine Vorteile sie dazu bringen, das Wunder dieser islamischen Revolution als Werk der Ausländer oder samtene Revolution zu bezeichnen. Aber wie Sie alle wissen sahen wir  uns auf diesem Weg der Wiederbelebung dieses Nationalen Lebens und der Ideale, die bei jedem jungen und alten Menschen Wurzeln geschlagen hatten, großen Lügen und Betrug ausgesetzt, so dass sich das, was wir als Gesetzesbruch bezeichnen in seiner deutlichsten Form zeigte.

Die großartige Resonanz auf die vergangene Wahl ist vor allem auf die Bemühungen zurückzuführen, den Menschen ihre Hoffnungen und ihr Vertrauen zurückzugeben und eine angemessene Antwort auf das katastrophale Management und die große Unzufriedenheit zu finden, die auf die Unabhängigkeit unserer Revolution und unseres Systems abzielen kann. Wenn dieses Vertrauen bei der Kontrolle der Stimmen verletzt wird und die Menschen nicht friedlich und zivil ihre Rechte verteidigen können, besteht die große Gefahr, das wir uns auf Wege einlassen, deren Verantwortung jene tragen, die friedlichen Protest nicht ertragen können. Wenn der Umfang des Wahlbetrugs und die Verschiebung der Stimmen, die beide das Vertrauen des Volkes verletzt haben, als korrekte Wahl bezeichnet werden, dann wird der republikanische Charakter unseres Systems zur Schlachtbank geführt und es wird endgültig beweisen, dass Republik und Islam nicht zusammenpassen. Dieses Schicksal erfreut zwei Gruppen: eine Gruppe, die sich von Anfang an dem Imam in den Weg gestellt hat und von der „Diktatur der Guten“ sprach, die die Menschen zwangsweise ins Paradies führen will und zweitens eine Gruppe, die annahm, das aus Islam und Religiosität keine Republik entstehen kann.   

Die Kunst des Imams bestand darin, diesen beiden Gruppen ihren Zauber zu nehmen. Auch ich war gekommen, um diesen Gruppen ein weiteres Mal ihren Zauber zu nehmen.

Nun haben die Verantwortlichen des Landes durch die Bestätigung dessen, was in der Wahl passiert ist, die Verantwortung übernommen und für jede weitere Untersuchung Grenzen gezogen, damit diese Untersuchungen nicht zu einer Annullierung der Wahl führen und sie das Ergebnis nicht ändern müssen, selbst, wenn in 170 Wahlbezirken die abgegebenen Stimmen mehr sein sollten, als Wahlberechtigte vorhanden waren. Man verlangt von uns, dass wir unsere Forderungen durch den Wächterrat durchsetzen, der vor, während und nach der Wahl unzählige Male seine fehlende Parteilosigkeit bewiesen hat. Doch das wichtigste Prinzip eines Urteils ist, unparteiisch vorzugehen. Ich glaube weiterhin fest daran, dass die Forderung nach einer Annullierung der Wahl ein unbestreitbares Recht ist, dass von einer nationalen Gruppe, die das Vertrauen des Volkes besitzt, durchgesetzt werden muss. Es ist falsch, von vornherein zu verkünden, die Untersuchung habe ohnehin keinen Sinn, oder die Menschen durch die Androhung von Gewalt und Blutvergießen von friedlichen Demonstrationen abzuhalten. Auch dem nationalen Sicherheitsrat lastet die Schuld an den geschehenen Tragödien anderer an, statt auf eine berechtigte Frage über die bewaffneten Milizen in Zivil zu antworten.

Wenn ich die Szene beobachte, sehe ich, dass nicht nur eine Regierung dem Volk aufgezwungen werden soll, sondern ein neues politisches Leben. Als ein Wegbegleiter und Beobachter eurer „grünen Welle der Präsenz“ werde ich es mir nicht erlauben, dass wegen mir jemand zu Schaden kommt. Trotzdem bestehe ich weiterhin darauf, dass diese Wahl zu annullieren ist und dass die Menschen ihre Rechte zurückerhalten müssen. Trotz meiner bescheidenen Kräfte bin ich mir sicher, dass wir neue zivile Wege finden werden, um unsere Rechte einzuklagen und zu verwirklichen.

Seid versichert, dass ich weiterhin an eurer Seite bleiben werde. Was ich euch als Bruder rate, ist: lasst euch die Fahne der islamischen Revolution nicht von denen abnehmen, die durch Lüge und Betrug vorgeben, dass islamische System und die Revolution, die durch das Blut eurer aufrichtigen Väter entstanden war,  zu verteidigen. Setzt eure Aktivitäten mit Gottvertrauen, Hoffnung auf die Zukunft auf der Grundlage des im Grundgesetz verbrieften Rechts auf Versammlungen ohne Gewalt fort und stützt euch auf eure Fähigkeiten.

Wir stehen auf diesem Weg nicht den freiwilligen Milizen (Basidsch) gegenüber. Der Basidsch ist unser Bruder.

Wir stehen nicht den Revolutionswächtern gegenüber, denn sie schützen unsere Revolution und unser System.

Wir stehen nicht der Armee gegenüber, denn sie verteidigt die Unabhängigkeit, Freiheit und unsere islamische Republik.

Wir widersetzen uns den Verdrehungen und Lügen und wollen diese abändern.

Dies wollen wir durch eine Rückkehr zu den reinen Grundlagen der islamischen Revolution erreichen.

Wir empfehlen den Verantwortlichen, unter Berufung auf den Paragraphen 27 des Grundgesetzes, friedliche Demonstrationen nicht nur zu erlauben, sondern auch zu unterstützen und die Medien von ihrer einseitigen Berichterstattung zu befreien, damit die logischen Argumente nicht zu Schreien werden.

Lassen wir die Leute „Allahu akbar“ rufen, ohne dies als Gesetzesbruch zu sehen.

Es ist klar, dass unter diesen Umständen die hohe Präsenz von Polizei und Armee in den Straßen nicht mehr nötig sein wird. Dann werde wir keine Szenen mehr sehen müssen, die jedes Herz schmerzen lassen.

Euer Bruder und Weggefährte

Mir Hossein Musavi


Quelle: بیانیهء شماره 5 میر حسین موسوی

Originalartikel veröffentlicht am 30. Khordad 1388 (20.6.2009)

Über den Autor

Hamid Beheschti ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7934&lg=de

   


UMMA: 26/06/2009

 
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