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04/07/2020
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Kenya 1952-1959: Die Erfindung der "Mau-Mau", ein gelungenes Beispiel der psychologischen Kriegsführung


AUTOR:  Herbert A. FRIEDMAN

Übersetzt von  Susanne Schuster


Wir fanden es nützlich und aufschlussreich, diesen auf der exzellenten Webseite psywar.org veröffentlichen Artikel eines US-amerikanischen Sergeant Major (Oberstabsfeldwebel) im Ruhestand neu zu veröffentlichen und zu übersetzen. Der Artikel beschreibt den Ursprung eines mittlerweile klassischen Beispiels für psychologische Kriegsführung bei Kriegen gegen Aufständische, die in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts geführt wurden, als der 'demokratische' Westen seine Kolonien gegen die Roten...und die schwarze Gefahr verteidigte. 60 Jahre später hat sich nur die Farbe des erkorenen Feindes verändert, die Mechanismen der Propaganda bleiben im Grunde genommen diesselben. Mahmud Achmedinedschad, Hassan Nasrallah und Khaled Meschaal haben den Platz von Jomo Kenyatta, Kwame Nkrumah und Patrice Lumumba in der Galerie der Monster, die es darauf abgesehen haben, die Massen der 'freien Welt' zu erschrecken und zu verärgern, eingenommen. - FG, Tlaxcala

Wenn man an den Mau-Mau-Aufstand denkt, dann sind da Bilder von einheimischen Afrikanern, die weißen Siedlern und Landwirten im Schlaf die Kehle aufschlitzen und von Jomo Kenyatta, dem berühmten Brennenden Speer, der später der erste Präsident von Kenia wurde. In den Vereinigten Staaten waren die Bilder durchweg pro-britisch und ein begeistertes Publikum sah Kinofilme zu diesem Thema, wie der 1955 gedrehte Film Simba, in dem die Mau-Mau als mordende Horden oder Verräter dargestellt wurden, die ihre weißen Herren, Freunde und Kinder in deren Betten ermordeten. Der Bestseller Something of Value [Etwas von Wert], von Robert Ruark zementierte diese offizielle Version von schwarzer Wildheit. 1957 wurde aus dem Roman ein Kinofilm gemacht und der britische Premierminister Winston Churchill sprach den Prolog zu dem Film. In Safari metzeln die Guerillas den ganzen Film hindurch Europäer ab, während der weiße Jäger Victor Mature tapfer versucht, die wilden Mörder zu bekämpfen und zu töten. Der Aufstand bestand in Wirklichkeit eher aus einer Welle von Gewaltakten von Schwarzen gegen Schwarze. Die weitaus größte Anzahl von Angriffen und Morden wurde von den Mau-Mau an den lokalen Kikuyu verübt, sie nahmen die britische Herrschaft stillschweigend hin und wurden als Kollaborateure betrachtet. Tatsächlich kamen Tötungen von Siedlern ziemlich selten vor, sie schienen dann zu geschehen, wenn irgendeine Gruppe oder Bande besonders aggressiv wurde und in jedem eine potenzielle Zielscheibe sah. Durchschnittlich ereigneten sich drei Morde pro Jahr, ungefähr vergleichbar mit einem Tag in New York City.


Jomo Kenyatta
Jomo Kenyatta

Anscheinend versuchten die Briten, die Mau-Mau ganz am Anfang ihres Aufstandes als Kommunisten zu verleumden. Ihr streng geheimes Information Research Department (IRD) suchte nach Wegen, um die Kikuyu mit den Kommunisten in enge Verbindung zu bringen, laut Paul Lashmar und James Oliver in Britain's Secret Propaganda War 1948-1977 [Großbritanniens geheimer Propagandakrieg von 1948-1977], Sutton Publishing, UK, 1998:

Wenn man sich die wirtschaftliche Misere vor Augen hält, in der sich Großbritannien am Ende des zweiten Weltkrieges befand, dann ist es kein Zufall, dass die Gebiete des Empire mit dem größten wirtschaftlichen Wert jene waren, in denen Großbritanniens Entschlossenheit, die Kontrolle zu bewahren, offensichtlicher war. Zwei solche Gebiete waren Malaya und Kenia... Weiße Siedler auf ihren Farmen in Kenia... verkündeten jedesmal, wenn die Dinge sehr schlecht liefen, dass ein Roter unter ihrem Bett war... Obwohl die IRD nach einem kommunistischen Aspekt bei den Mau-Mau suchte, gab es dafür kaum Anhaltspunkte.

Der Name "Mau-Mau" wurde von den Kikuyu selbst nie benutzt und er existierte in ihrer Sprache nicht. Sie nannten sich selbst gewöhnlich "Landbefreiungsarmee" oder "Freiheitskampfvereinigung". Er ist vielleicht im Zuge der psychologischen Kriegsführung von den Briten erfunden worden wie "Hun1" oder "Wog2" in dem Versuch, die Volksgruppe der Kikuyu zu dämonisieren, sie zu Untermenschen zu machen, es leichter zu machen, sie zu hassen und zu töten. Es funktionierte ziemlich gut. Der Name ist heute noch bekannt und bezeichnet Mörder und Wilde, doch es hat in der Sprache der Kikuyu keine Bedeutung. Interessanterweise ist die Bezeichnung langsam in den englischen Sprachgebrauch eingedrungen. In der Literatur findet man zahlreiche Zitate wie "Are you trying to Mau-Mau me?". Anscheinend ist es eine andere Bezeichnung für jemanden hinters Licht führen. Tom Wolfe schrieb ein Buch mit dem Titel In Radical Chic and Mau-Mauing the Flak Catchers. Die Bezeichnung ist auch im Sinne von einschüchtern benutzt worden. Joseph Perkins hat sie in folgendem Zusammenhang verwendet: "In past years the civil rights leadership would mau-mau the government or the corporate sector of the white community." [In vergangenen Jahren schüchterte die Bürgerrechtsführung die Regierung und den Unternehmenssektor der weißen Gemeinde ein]

Die Briten wendeten in der Art und Weise, mit der sie über die Aufständischen schrieben und über sie sprachen eine Form der psychologischen Kriegsführung an. Caroline Elkins untersucht dies in Imperial Reckoning [Abrechnung mit dem Empire], Henry Holt and Company, NY, 2005. Sie sagt:

Wie die bei den meisten Kriegen ging es bei dem Mau-Mau-Aufstand ebenso um Propaganda wie um Realität...Einen genauso starken Einfluss wie die vom Colonial Office verteilten Fotografien hatten die Begriffe, mit denen die Mau-Mau beschrieben wurden..die "weißen" und "aufgeklärten" Streitkräfte des britischen Kolonialismus standen in krassem Gegensatz zu den "dunklen", "bösen", "widerlichen", "verschwiegenen" und "entarteten" Mau-Mau. Diese Beschreibungen gewannen auch in der kenianischen und britischen Presse an Boden, wo in sensationslüsternen Berichten das Heldentum der Weißen dem Terrorismus und die Wildheit der Afrikaner bzw. Mau-Mau gegenübergestellt wurden.

Andere Formen der psychologischen Kriegsführung begriffen die Verteilung von Radios durch die Briten an Dörfer ein, so dass sie regierungsfreundliche Propagandasendungen hören konnten. Sie gaben darüber hinaus verschiedene Propagandazeitungen wie The True News [Die wahren Nachrichten] heraus, in denen die Mau-Mau als Spione, Schlägertypen, Raufbolde, Gangster, Diebe, Mörder, Barbaren und Banditen gebrandmarkt wurden.

Natürlich ist die wahre Geschichte des Aufstandes nicht ganz so "schwarzweiß". Die Briten hatten in Kenia viele Jahre geherrscht und obwohl sie im Allgemeinen zu den etwas aufgeklärteren Kolonisten gezählt werden, wünschte und verdiente das Volk der besetzten Nation zweifellos die Unabhängigkeit. Wie in fast allen solchen Fällen spaltete sich das Volk und seine politischen Bewegungen in mehrere verschiedene Gruppierungen auf, einige wollten eine friedliche Versöhnung, andere glaubten, Blut und Terror sei der einzige Weg zur Freiheit. Die Mau-Mau waren ein von der Hauptpartei Kenias, der Kenyan African Union (KAU), abgespaltener Flügel. Man könnte sie mit den Irgun vergleichen, der terroristische Flügel, der sich von der Haganah (die im Untergrund operierende jüdische Armee) während des israelischen Aufstandes gegen die britische Herrschaft in Palästina abspaltete. Der Präsident der politischen Partei, Jomo Kenyatta, wurde von den Briten 1953 inhaftiert. Er war am 20. und 21. Oktober 1952 im Zuge der Operation Jock Scott zusammen mit anderen Anführern der Kikuyu festgenommen worden. Dies hatte in etwa denselben Effekt, den die Inhaftierung Gandhis in Indien hatte. Tatsächlich war Kenyatta, der für die Unabhängigkeit mit gewaltlosen Mitteln kämpfte, der einzige Mann, dem es mögliche gewesen wäre, die Gewalt zu stoppen. Gewöhnlich trat er in der Öffentlichkeit mit einem Leopardenfell und einem Speer auf, dies war seinem Image im Westen nicht zuträglich. Kenyatta wurde festgenommen und zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt, wegen "Führung der Mau-Mau", Anstiftung zur Gewalt und Staatsgefährdung. Drei Monate vor seiner Festnahme erklärte er in einer öffentlichen Rede:

KAU ist keine Kampfeinheit, die Fäuste und Waffen einsetzt. Falls jemand unter den hier Anwesenden glaubt, dass Gewalt gut ist, dann stimme ich nicht mit demjenigen überein. Erinnert euch an das alte Sprichwort: Derjenige, der von einem Schlagstock getroffen wird, kehrt zurück, aber derjenige, der von der Gerechtigkeit getroffen wird, kehrt niemals zurück. Ich will nicht, dass die Leute uns falsch beschuldigen - dass wir stehlen und dass wir Mau-Mau sind. Ich bitte euch inständig, einander im Kampf für Freiheit die Hände zu reichen - Freiheit bedeutet die Abschaffung der Kriminalität. Bier schadet uns und diejenigen, die es trinken, schaden uns und sie sind vielleicht die sogenannten Mau-Mau. Lasst uns alle unsere Klagen hier öffentlich darlegen. Der Verbrecher will nicht Freiheit oder Land. Er will seine eigenen Taschen füllen. Fordern wir daher unsere Rechte auf eine gerechte Weise. Die britische Regierung hat über die Landfrage in Kenia diskutiert und wir hoffen, in diesem Land sehr bald eine königliche Untersuchungskommission zu haben, die sich der Landfrage annimmt. Wenn diese königliche Untersuchungskommission kommt, zeigen wir ihr, dass wir ein gutes und friedliches Volk sind und keine Diebe und Räuber.

Bereits 1890 hatten die Briten die Kontrolle über Kenia. Bis 1930 waren über 30 000 britische Siedler in dem Land. Bis 1945 besaßen europäische Siedler 43 000 Quadratkilometer des fruchtbarsten Ackerbodens, wovon sie nur 6 Prozent bewirtschafteten. Diese kleine Minderheit herrschte über eine Million Mitglieder des Stammes der Kikuyu. Die 5,25 Millionen zählende afrikanische Bevölkerung nutzte, ohne Eigentumsrechte, weniger als 135 000 Quadratkilometer des ertragsärmsten Ackerbodens. Viele britische Farmer wurden durch den Anbau und den Versand von hochwertigem afrikanischem Kaffee reich. Um ihre Exklusivität zu schützen, verboten sie den Anbau von Kaffee durch die einheimische Bevölkerung und führten eine Hüttensteuer ein. Sie machte es den Landlosen extrem schwer, ein Stück Land zu kaufen und zu halten. Dies führte dazu, dass viele Kikuyu die ländlichen Gebiete verließen und die Städte überschwemmten. Dies wird immer zu Unruhen und politischem Aktivismus führen

Escarpment 1954. Time of the Signs: Two par ART NAHPRO
Steile Böschung im Rift Valley, 1954: "Warnung. Wegen Terroristenbanden ist es äußerst gefährlich, in dieser Gegend zu picknicken." Aus einem Familienalbum von weißen Siedlern. Quelle:
ART NAHPRO

Man wurde ein Mau-Mau indem man einen Bluteid schwörte. Die Macht des Mau-Mau-Eides ist in unserer westlichen Kultur nur schwer zu erfassen Wir wissen vom Hitlereid der deutschen Armee, aber er beruhte auf dem Begriff der Ehre. Für die Kikuyu ging es bei dem Eid nicht um Ehre, er war magisch und hatte die Macht zu töten. Wenn zwei Kikuyu Streit miteinander hatten, dann wurden sie vor einen Medizinmann gebracht, vor dem beide einen Eid ablegen mussten, dass sie die Wahrheit sagten. Jeder wusste, dass man sterben würde, wenn man beim Nachsagen des Eids lügte. Die Briten erkannten also, dass ein Terrorist die Gruppe nicht gerne verließ, nachdem er den Mau-Mau-Eid abgegeben hatte. Deshalb mussten sie diesselbe Art "schwarzer Magie" anwenden, um einen Gegeneid zu erfinden, der den Einzelnen von der Mitgliedschaft in der Gruppe befreite.

Außerdem bestand ein sehr starker Gruppenzwang, den Eid zu schwören. Die Führer verstanden die Macht von persönlichen Beziehungen und Stammesbindungen und nutzten sie, um Männer dazu zu zwingen, der geheimen Gesellschaft beizutreten. L. S. B. Leakey schreibt in Mau Mau and the Kikuyu [Mau-Mau und die Kikuyu], The John Day Company, NY, 1952:

Den Anhängern der Mau-Mau war es verboten, Nicht-Mitglieder einzuladen, um mit ihnen Bier zu trinken oder auf ihre Tänze zu gehen, sie durften ihnen nicht beim Hüttenbau helfen oder bei allen anderen Aufgaben, bei denen es üblich war, dass ein Mann sich an seine Nachbarn wandte, um von ihnen gemeinschaftliche Hilfe einzufordern. Daher ließen sich viele, die gezögert hatten, sich den Mau-Mau in der Anfangszeit anzuschließen, dazu überreden, dies im Laufe der Zeit doch zu tun.

Zwar wird der eigentliche Eid in schriftlichen Quellen kaum erwähnt, doch ist es bekannt, dass die Zeremonie damit begann, dass die neuen Mitglieder schwörten, die alte Religion ihrer Stammesvorfahren zu ehren. Danach ist es unmöglich zu wissen, wieviel von dem Eid wahr und wieviel davon britische Propaganda ist. Der Kolonialminister Oliver Lyttelton schrieb unter anderem:

Der Mau-Mau-Eid ist die bestialischste, widerlichste und ekelerregendste Beschwörung, die von abartigen Gehirnen jemals ausgedacht wurde. Ich habe die Mächte des Bösen noch nie so nah und so stark gefühlt wie bei den Mau-Mau. Als ich Mitteilungen oder Anweisungen verfasste, sah ich plötzlich einen Schatten über das Blatt fallen - der gehörnte Schatten des Teufels selbst.


Major Frank Kitson (later General Sir Frank Kitson)
Major Frank Kitson (später General)

In Gangs and Counter-gangs [Banden und Gegenbanden], Barrie und Rockliff, London, 1960, erwähnt Major Frank Kitson einen Mau-Mau-Überfall, bei dem die Körperteile eines alten Afrikaners mitgenommen wurden, um später bei dem Eidschwur benutzt zu werden.

Von dem Gedanken an Blut rasend gemacht, stachen sie mit ihren Simis (ein Schwert der Kikuyu) wahllos zu und schossen mit ihren Gewehren herum. Ein alter Mann, der langsamer als die anderen war, verfing sich und blieb zurück. Er stürzte zu Boden, vor die Füße seiner Verfolger, sein Gesicht bedeckt von seinen Armen, um es vor den zustechenden Schwertern zu schützen, aber eine Maus in einem mechanischen Fleischwolf hätte eine bessere Überlebenschance gehabt. Ein Terrorist hackte einen Fuß ab, ein anderer schnitt seine Hoden ab, um sie später bei einem Eidschwur zu benutzen. Ein dritter stach ihm die Augen mit einer Drahtklammer aus und steckte sie zu demselben Zweck in seine Tasche. Als sie fertig waren, kamen die meisten Bandenmitglieder vorbei, um auf den zuckenden Kadaver einzustechen und einzuhacken. Dann leckten sie das Blut von ihren Simis und verschwanden in die Nacht, nachdem sie zuerst alle Hütten in Sichtweite in Brand gesetzt hatten.

Andere Autoren gaben an, dass der Eidschwur aus mindestens sieben Stufen bestand, die zu durchlaufen vielleicht mehrere Tage oder Wochen dauerte und das Trinken von Blut, das Essen von menschlichen Fleisch, das Kohabitieren mit Tieren und das Verspeisen des Gehirns von exhumierten Leichen miteinbeziehen konnte. Wenn die siebte Stufe des Eidschwurs erreicht wurde, mussten die Mitglieder die Folge wiederholen und ihren Schwur bekräftigen indem sie von neuem begannen.

Es könnte stimmen, dass Sex und Abartigkeit bei dem Eid eine Rolle spielten. Einige Experten glauben, es war eine Art der psychologischen Kriegsführung, die von Führern benutzt wurde, um sicherzugehen, dass die Soldaten nicht unter die Kontrolle von ihren Dorfältesten und -häuptlingen gerieten. Sexuelle Abartigkeit ist für den Stamm der Kikuyu ein Tabu in jeglicher Hinsicht. Dadurch, dass die Mitglieder der Mau-Mau zur Ausübung derartiger sexueller Praktiken gezwungen wurden, waren sie voller Schuldgefühle und Selbstverachtung und schämten sich, zu ihren Dörfern zurückzukehren. Dies verband sie für immer mit dem Aufstand.

Anderen Autoren zufolge ist der Eid etwas konservativer. Ein Autor führt ein Beispiel davon an, wie der Eid seiner Meinung nach aussah:

Ich schwöre, dass ich für den afrikanischen Boden, den der weiße Mann von uns gestohlen hat, kämpfen werde. Ich schwöre, dass ich immer versuchen werde, jeden Weißen und Imperialisten durch einen Trick dazu zu bringen, mich zu begleiten, ihn zu erwürgen und sein Gewehr sowie jegliche Wertgegenstände, die er bei sich hat, zu nehmen. Ich schwöre, dass ich helfen werde, so gut ich kann und die Mau-Mau unterstütze. Ich schwöre, dass ich nötigenfalls jeden, der gegen diese Organisation ist, töten werde.

Ein anderer Autor behauptet, der Eid sah so aus:

Ich spreche die Wahrheit und schwöre vor Gott
Und vor dieser Bewegung,
Die Bewegung der Einheit,
Die Einheit, die auf die Probe gestellt wird
Die Einheit, die mit dem Namen 'Mau-Mau' verspottet wird,
Dass ich voranschreiten werde, um für das Land zu kämpfen,
Das Land Kirinyaga, das wir bestellten,
Das Land, das von den Europäern genommen wurde.
Und wenn ich darin versage
Soll dieser Eid mich töten...

Die Mitglieder legten einen Eid ab, wenn sie beitraten und sie legten einen anderen ab, wenn sie in den Wald gingen und wenn sie ihre Dörfer und Häuser verließen. Der zweite Eid war angeblich:

Ich spreche die Wahrheit und schwöre vor Gott:
Wenn ich dazu aufgerufen werde, um den Feind zu bekämpfen
Oder um den Feind zu töten, dann werde ich diesem Ruf folgen,
Auch wenn der Feind mein Vater oder meine Mutter sein möge,
Mein Bruder oder meine Schwester
Und wenn ich mich weigere
Soll dieser Eid mich töten...

Nach einer gewissen Zeit wurde jeder dazu gezwungen, den Eid erneut zu schwören. Bald begannen die Eide aufgrund der konstanten Wiederholung ihre Macht zu verlieren. Noch schlimmer für einen Guerilla-Kämpfer war, dass ihm bei jedem Eidschwur für das Privileg, einer Gesellschaft beizutreten, deren Mitglied er schon war, dreißig oder vierzig Schillinge berechnet wurden. Vielen der desillusionierten Kämpfern wurde klar, dass der magische Eid für die Anführer nur ein Weg war, um an Geld zu kommen. Als die Mitglieder die Organisation verließen und keinen schmerz- und qualvollen Tod erlitten, wurde klar, dass der Eid keine magische Kraft besaß und nur ein Mythos war, was für die Anführer der Mau-Mau noch schlimmer war.

Es gab auch einen Eid für die Anführer. Er wird von Donald Barnett in Mau Mau from Within [Im Innern der Mau-Mau], Monthly Review Press, N.Y., 1966, erwähnt:

Ich schwöre vor Gott und allen hier anwesenden Personen, dass…

1. Ich die Geheimnisse des Führers niemals einem Krieger oder einer anderen Person, die nicht ein Führer ist, weitergeben werde.

2. Ich werde niemals weglaufen oder aufgeben und dabei meine Krieger zurücklassen.

3. Ich werde die Führung meines Volkes niemals aufgeben, aber ich werde gehen, wohin mich mein Volk zu senden wünscht und ich werde tun, was es mich im Namen meines Landes zu tun wünscht.

4. Ich werde einen Führer niemals in der Anwesenheit von Kriegern geringschätzen.

5. Ich werde niemals die Verwundung oder den Tod eines anderen Führers verursachen oder planen.


Mau Mau Gang
Eine Mau-Mau-Bande (zu beachten ist das selbst zusammengebaute Gewehr, gehalten von dem Mann ganz rechts).

Interessanterweise ist auch zu beobachten, dass die Briten, die Feierlichkeit des Eides begreifend, bei der Festnahme eines Mau-Mau den Gefangenen dazu zwangen, einen Gegeneid abzulegen, was oft durch von der Regierung sanktionierte "Medizinmänner Ihrer Majestät" geleitet wurde; dies ermöglichte es dem Einzelnen, mit einer gewissen Rechtfertigung und religiösen Legitimität von seinem früheren Bluteid "gereinigt" freizukommen Eine andere Art von reinigendem Eid wurde von christlichen Seelsorgern geleistet. Der Terrorist hielt dabei eine Bibel in seiner Hand und schwörte ewige Feindschaft auf die Mau-Mau und Treue zur Regierung von Kenia.

Kenia ist nur etwa 966 Kilometer lang und etwa 644 Kilometer breit, doch nur ein kleines Gebiet davon, etwa 161 auf 113 Kilometer, war von dem Aufstand betroffen. Dies war das Land, das die Kikuyu besetzten; die europäischen Ländereien lagen in der Nähe. Der Stamm der Kikuyu ist der größte in Kenia. Zusammen mit den Embu und Meru zählte er im Jahr 1953 etwa 1,75 Millionen Menschen.

Der eigentliche Aufstand fand von Oktober 1952 bis Dezember 1959 statt, manche datieren seinen Anfang auf die Ermordung des auf Seiten der Briten stehenden Kikuyu-Häuptlings Warihiu, der am hellichten Tage auf einer Hauptstraße in den Außenbezirken Nairobis von einem Speer tödlich verletzt wurde. Er hatte sich gegen die zunehmenden Anschläge auf die Kolonialregierung durch Mau-Mau-Terroristen ausgesprochen. Man könnte den Aufstand als einen Misserfolg beschreiben, denn die Kikuyu erreichten keinen militärischen Sieg über die Briten. Der Konflikt trieb jedoch einen Keil zwischen die britische Regierung und die streitbareren britischen Siedler in Kenia, wie auch geschehen in Rhodesien. Dies führte dazu, dass das Vereinigte Königreich Kenia 1963 die Unabhängigkeit bewilligte. Außer Feuerwaffen, die sie bei Überfällen auf Polizeistationen erbeuteten, hatten die Mau-Mau wenige Waffen. Im Allgemeinen waren es traditionelle Waffen: Stöcke, Messer, Speere und Pfeile. Wie die Vietcong in späteren Jahren versuchten sie, Waffen aus alten Rohren, Türriegeln, Holz, Nägeln und Gummibändern herzustellen. Da sie gegen die besser bewaffneten Briten nicht auf einem offenen Schlachtfeld kämpfen konnten, setzten sie Guerilla-Kampftaktiken und Terrorismus ein. Sie überfielen Farmen von Siedlern, Postämter, Polizeistationen und andere Kikuyu, die als regimetreu angesehen wurden. Die Briten rächten sich mit öffentlichen Hinrichtungen am Strang, die in Großbritannien seit über einem Jahrhundert gesetzlich verboten waren. Ein mobiler Galgen wurde im ganzen Land herumtransportiert, um bei verdächtigen Mau-Mau Recht zu sprechen. Tote Aufrührer, vor allem Befehlshaber, wurden an Kreuzungen, auf Marktplätzen und in Verwaltungszentren zur Schau gestellt.

David Anderson erwähnt die Hinrichtungen in Histories of the Hanged [Geschichten der Gehängten], W. W. Norton and Company, N.Y., 2005:

Die Hängerichter Kenias hatten viel zu tun. Zwischen April 1953 und Dezember 1956 wurden 2 609 Kikuyu in 1 211 Prozessen an den außerordentlichen Assisennotgerichten wegen Kapitaldelikten im Zusammenhang mit Verbrechen der Mau-Mau angeklagt. In diesem Zeitraum wurden etwa 40% der Beschuldigten freigesprochen, doch 1 574 wurden schuldig gesprochen und zum Tod am Strang verurteilt…Insgesamt wurden zwischen 1952 und 1958 etwa 3 000 Kikuyu wegen Kapitalverbrechen im Zusammenhang mit der Mau-Mau-Bewegung vor Gericht gestellt...Insgesamt kamen 1 090 Kikuyu an den Galgen...

Tatsächlich lag die Zahl der während des Aufstands getöteten weißen Zivilisten bei 32, während die Zahl der von den Mau-Mau getöteten afrikanischen Zivilisten offiziell bei 1 819 liegt. Es wird davon ausgegangen, dass von den Aufständischen 11 000 getötet und über 1 000 als Verbrecher gehängt wurden.

Das höchste Mau-Mau-Organ war das Zentralkomitee. An das Zentralkomitee angeschlossen war das Kriegsbüro und der Hauptsitz der Landbefreiungsarmee. Es hatte Befehlsgewalt über alle Terroristen in der Kolonie und sein Vorsitzender war offiziell als Oberbefehlshaber in Kriegszeiten, Kenia, bekannt. Es gab andere Komitees, die unter dem Zentralkomitee jeden Bezirk in den Reservaten der Einheimischen repräsentierten. Die Hauptaufgabe der Komitees war die Beschaffung von Waffen, Munition, Geld und Rekruten.


General Sir George Erskine
General Sir George Erskine

Während des Aufstands war Kenia unter einem Ausnahmezustand und der Gouverneur forderte britische und afrikanische Soldaten an, die er auch erhielt. Im November 1952 schlossen die Briten 34 Schulen der Kikuyu. Im Mai 1953 wurde General Sir George Erskine zum Oberbefehlshaber der Armee der Kolonie ernannt.

Anthony Clayton schrieb in Counter-Insurgency in Kenya 1952-60 [Der Gegenaufstand in Kenia 1952-60], Sunflower University Press, Kansas, 1976:

Erskine war seit vielen Jahren mit dem Premierminister persönlich befreundet und wurde vor seiner Abreise von Churchill persönlich über seine Aufgabe unterrichtet... Es ist erstaunlich, dass Erskine von Studenten der Militärgeschichte und Taktiken der Gegenrevolution so vernachlässigt wird. Als ein effizienter Befehlshaber mit äußerst hohen Prinzipien verdient er eine nähere Betrachtung.

Erskine schienen die europäischen Siedler in Kenia egal gewesen zu sein, einige von ihnen nutzten den Ausnahmezustand, um alte Rechnungen zu begleichen, afrikanisches Land zu stehlen und verdächtige Terroristen ohne Gerichtsverhandlung zu ermorden. Clayton fügt hinzu:

Erskine hatte eine schlechte Meinung von den Siedlern Kenias. "Kenia ist das Mekka der Mittelschicht...ein sonniger Ort für zwielichtige Leute...ich kann sie auf den Tod nicht ausstehen...ich kann sie, bis auf wenige Ausnahmen, nicht leiden."

Die Home Guards wurden als ein Teil der Sicherheitskräfte anerkannt und sie durften gegen potenzielle Mau-Mau-Mitglieder vorgehen. Dies führte wie üblich zu Missbrauch; etwa 4 686 mutmaßliche Mau-Mau wurden allein von den Home Guards getötet. Die Regierung ermutigte weiße Siedler dazu, gegen die Aufständischen zu den Waffen zu greifen. Die Siedler gründeten ihre eigenen Bürgerwehren, um ihre Farmen vor den Rebellen zu schützen. Sie heuerten oft andere Afrikaner an, damit diese die Tötungen für sie erledigen konnten und erschossen ungestraft verdächtige Terroristen. Die Home Guards nahmen sich von Familien, welche die Mau-Mau unterstützten, was sie haben wollten. Andere drohten damit, loyale Kikuyu zu denunzieren, außer sie wurden bestochen. Diebstähle, Einschüchterungen, Folter, Kastrationen und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung.


Waruhiu Itote aka General China
Waruhiu Itote, alias "General China", auf der Anklagebank in Nyeri.

Die erste beachtenswerte Gefangennahme eines Anführers ereignete sich im Januar 1954, als die Briten Waruhiu Itote, auch bekannt als "General China" fassten. Bis März 1954 hatten die Briten General Katanga und General Tanganyika gefangengenommen. Am 24. April 1954 begannen die Briten mit der Operation Amboss. Die kenianische Hauptstadt Nairobi wurde unter Militärkontrolle gestellt, die 100 000 afrikanischen Bewohner wurden mitgenommen, 70 000 Kikuyu wurden ausgesondert und 30 000, die verdächtigt wurden, Mitglieder oder Sympathisanten der Mau-Mau zu sein, steckte man in Internierungslager und "geschützte Dörfer". Unter den Festgenommenen waren 5 000 einheimische, von den Briten besoldete Soldaten und 1 000 Kikuyu-Polizisten. Es ist interessehalber anzumerken, dass dies von den Italienern in Libyen und den Amerikanern in Vietnam versucht worden ist. Dieser Versuch, die Rebellen von ihrer Versorgungs- und Wirtschaftsbasis abzuschneiden, funktioniert selten, doch in Malaya im Jahr 1950 hatten die Briten einen gewissen Erfolg damit.

Anscheinend warfen die Briten damals Flugblätter über Nairobi ab. Einem veröffentlichten Bericht zufolge füllte sich der Himmel über Nairobi am 24. April 1954 mit britischen Flugzeugen an, die Flugblätter abwarfen, in denen die Anwohner gewarnt wurden, in ihren Häusern zu bleiben. Waititu Mwangi, 19 Jahre alt, hob eines der Flugblätter auf. Darauf stand, dass alle Stammesmitglieder der Kikuyu, Embu und Meru sofort mit erhobenen Händen ihre Häuser verlassen und sich den Soldaten auf der Straße ergeben sollten.

Bis Ende 1954 soll ein Drittel aller Kikuyu-Männer im Gefängnis gewesen sein. Diese Inhaftierten waren keines Verbrechens schuldig gesprochen und wurden ohne gerichtlichen Prozess festgehalten. Bis Oktober 1955 wurden 70 000 Angehörige des Kikuyu-Stammes, die man der Mitgliedschaft der Mau-Mau verdächtigte, inhaftiert und über 13 000 Menschen insgesamt waren seit dem Beginn des Aufstandes sowohl von britischen Truppen als auch von Mau-Mau-Soldaten getötet worden. Im Oktober 1956 nahmen die Briten Feldmarschall Dedan Kimathi gefangen; dies markierte im Endeffekt den Untergang des Aufstandes.

Die Briten nutzten einige interessante Taktiken der von Geheimdienstinformationen geleiteten und psychologischen Kriegsführung an, um die Aufständischen zu bekämpfen. Der Gegenaufstands-Berater des Pentagon, John Arquilla, sprach über eine der erfolgreicheren britischen Methoden:

Als die Briten es nicht schafften, den Mau-Mau-Aufstand in Kenia in the 1950er Jahren durch konventionelle Militärfeldzüge und Bombardierungen niederzuschlagen, stellten sie Teams von freundlich gesinnten Kikuyu-Stammesangehörigen zusammen, die umhergingen und vorgaben, Terroristen zu sein. Diese sogenannten "Pseudobanden" trieben die Mau-Mau schnell in die Defensive, indem sie sich mit Kampfeinheiten anfreundeten und diese dann aus dem Hinterhalt angriffen oder indem sie Bombenflugzeuge zu den Terroristenlagern führten .

Was nicht erwähnt wird, entweder zufällig oder absichtlich, ist, dass sich diese Banden oft aus ehemaligen Terroristen zusammensetzten, die zu den Briten übergelaufen waren oder sich ihnen ergeben hatten und "rehabilitiert" wurden. Wie die Hoi Chanhs und Kit Carson Scouts in Vietnam kannten diese Ex-Terroristen mit ihren Dreadlocks alle Tricks und gingen leichtsam als Mau-Mau-Mitglieder durch, was es ihnen ermöglichte, viele nützliche Informationen zu sammeln und Angriffe aus dem Hinterhalt zu organisieren.

Major Frank Kitson dachte sich die Idee aus, übergelaufene Mau-Mau in die Banden im Wald einzuschleusen. Er nennt einen ehemaligen Terroristen, James genannt, der sich den Spähtruppen der Regierung anschloss.

Die meiste Zeit zeigte James den Field Intelligence Assistants (F.I.A.) Orte, an denen sie den Banden auflauern konnten oder Sympathisanten auflesen konnten. Bei einer oder zwei Gelegenheiten wurde er jedoch freigelassen und ging zu den Terroristengruppen zurück, die nicht wussten, dass er ein Gefangener war. Er konnte den F.I.A. daraufhin genaue Informationen im Hinblick auf ihren Aufenthaltsort liefern. Einmal übernahm er das Kommando über eine kleine Mau-Mau-Gruppe, die er fand, und führte sie in einen Hinterhalt.


The Two Pseudo gang members at the left are ex-Mau Mau, the man at the far right is a white British soldier disguised as an African.
Die beiden Mitglieder einer "Pseudobande" links sind Ex-Mau-Mau, der Mann ganz rechts ist ein weißer britischer Soldat, als Afrikaner verkleidet.

Michael Dewar erzählt uns in The Art of Deception in Warfare [Die Kunst der Täuschung in der Kriegsführung], David and Charles, UK, 1989, noch mehr über Kitson:

Kitson stieß zufällig auf die Idee, als er einen gefangengenommenen Terroristen verhörte, der eine bemerkenswerte Bereitwilligkeit zeigte, seine einstigen Kameraden zu denunzieren. Frank Kitson kam August 1953 in Kenia an. Im März des darauffolgenden Jahres hörte er, dass ein britischer Geheimdienstoffizier namens Hales etwas Außergewöhnliches erlebt hatte. Er war mit mehreren seiner afrikanischen Helfer im Busch, als die Gruppe plötzlich von mehreren Hundert Mau-Mau-Rebellen umzingelt wurde. Hales, der realisierte, dass er erkannt werden würde, schritt etwas abseits und hockte sich hinter einen Busch. Die Afrikaner, die bei Hales waren, gaben vor, Mau-Mau-Sympathisanten zu sein und zu ihrem Erstaunen kamen sie alle damit durch. Kitson erkannte sofort die Bedeutung dieses Ereignisses. Da sie nicht erwarteten, einen weißen Mann zu sehen, bemerkten sie Hales nicht. Kitson entschied sich, aus der Leichtgläubigkeit der Aufständischen Kapital zu schlagen, indem er Afrikaner, insbesondere Ex-Mau-Mau, darin schulte, sich als Gangster auszugeben, um damit regelmäßig Informationen einholen zu können.

Kitson und die Pseudobanden werden auch in dem 2005 erschienenen Monographen von Lawrence E. Cline Pseudo Operations and Counterinsurgency: Lessons from Other Countries erwähnt:

Die meisten der Offiziere und Unteroffiziere besaßen kaum oder keine formale Geheimdienstausbildung bzw. -erfahrung. Frank Kitson, der eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung des Konzepts der Pseudo-Guerillas spielte, bemerkte die Einstellung seiner Vorgesetzten, als er zum District Military Intelligence Officer ernannt wurde: "Wenn wir nicht nützlich wären, könnten wir bitte keinen Ärger machen?"

Kitsons Originalkonzept war es, einfach Lager zu entwickeln, in denen die Briten "eine Handvoll Afrikaner halten konnten, die bei seinen Verhören mithalfen und im Land umherzogen, um Informanten einzuschleusen...und ihnen Besuche abzustatten." Sehr schnell aber entdeckte er, dass die gefangengenommenen Mau-Mau gewillt waren, aktiv gegen ihre früheren Kameraden zu arbeiten. Ehemalige Mau-Mau wurden dazu benutzt, afrikanische Soldaten für die Briten auszubilden und sie im Feld gegen die Aufständischen einzusetzen.

Cline erwähnt darüber hinaus, dass die Mitglieder der Einheit für Geheiminformations- und Identifizierungszwecke benutzt werden konnten. Er sagt:

Als sie alle hinter schützenden Masken versteckt waren, versammelte man sie und wies sie an, sich auf einen der aufgereihten Stühle zu setzen, wobei jeweils einer unserer Männer hinter einem von ihnen stand. Keinem der vermummten Männer war es erlaubt, mit den anderen zu sprechen. Als alles vorbereitet war, schritten die Verdächtigen an den vermummten Männern vorüber. Wenn sie jemanden erkannten, gaben sie kurze Einzelheiten an die hinter ihrem Stuhl stehenden Field Intelligence Agents (FIA) weiter. Wenn ein Verdächtiger von drei oder vier der vermummten Männer erkannte wurde und die an die FIA weitergegebenen Einzelheiten übereinstimmten, dann war es eine sichere Annahme, dass sie den richtigen Mann gewählt hatten. Auf diese Weise sammelten wir eine Menge Informationen über Leute und wir fassten auch viele hochrangige Mau-Mau-Mitglieder. Sehr oft gingen uns auch aktive Gangster ins Netz.

Cline schließt:

Das Geld zählt. In den meisten Fällen spielt bei einem erfolgreichen Einsatz einer Pseudo-Operation Geld in irgendeiner Form in der Kampagne eine Schlüsselrolle. Eine finanzielle Belohnung für Zivilisten zur Auslieferung von Aufständischen und für Aufständische zur Aufgabe lieferten die Basis für die jeweiligen Regierungen, um die Guerillas festzunehmen. Dies ist natürlich nur der erste Schritt, um sie auszuliefern zu können. Belohnungen für die Auslieferung von Guerillas, normalerweise "tot oder lebendig", wurden in Malaya, den Philippinen, Kenia und Rhodesien eingesetzt. In einigen Fällen war die finanzielle Belohnung reichlich genug, dass Guerilla-Führer ihre eigenen Soldaten auslieferten. Gelegentlich wurde den sich ergebenden Guerillas sowohl eine finanzielle Belohnung als auch eine Umsiedlung angeboten.

Zwar gewannen die Briten allmählich den Krieg gegen die Aufständischen, doch nahm ihr weltweites Ansehen Schaden. Am 3. März 1959 wurden 85 Häftlinge auf eine Baustelle geführt. Als die Häftlinge sich weigerten zu arbeiten, beschrieb der Gefangene John Maina Kahihu was passierte:

Wir weigerten uns, diese Arbeit zu tun. Wir kämpften für unsere Freiheit. Wir waren keine Sklaven.

Es waren zweihundert Wächter dort. Einhundert siebzig standen um uns mit Maschinengewehren. Dreißig Wächter waren im Graben mit uns. Der weiße Mann, der die Leitung innehatte, bließ in die Pfeife und die Wächter fingen an, uns zu schlagen. Sie schlugen uns von 8 bis 11.30 Uhr. Sie schlugen uns wie Hunde. Ich wurde von anderen Körpern bedeckt. Nur meine Arme und Beine waren ungeschützt. Ich hatte Glück zu überleben. Aber die anderen wurden immer noch geschlagen. Es gab kein Entkommen für sie.

Die Briten schlugen 11 Männer zu Tode und weitere 60 wurden schwer verletzt. Die Gefängnisbeamten versuchten, die Sache zu vertuschen indem sie behaupteten, die Männer wären durch das Trinken verseuchten Wassers gestorben, doch die Geschichte fand ihren Weg nach London. Es gab einen politischen Aufruhr. Jetzt waren es die Briten und nicht die Terroristen, die als brutale Schlägertypen entblößt wurden. Innerhalb von Wochen schloss die Regierung in London die Lager in Kenia und ließ die Inhaftierten frei.

Wie so oft, zogen die zum harten Kern gehörenden Terroristen am Ende des Aufstands kaum Vorteile aus der Unabhängigkeit. Wie bei den Vietcong nach der Unabhängigkeit Vietnams hatte die neue Regierung kaum einen Verwendungszweck für Terroristen und Mörder, auch wenn jene sich für Freiheitskämpfer und Patrioten hielten. Im nun unabhängigen Kenia wurden sie von hochrangigen Stellungen und politischen Ämtern ausgeschlossen. Diese Stellungen wurden an wohlerzogene, reiche Afrikaner, die das englische Bildungssystem durchlaufen hatten, vergeben. In Kenia wurde die weiße Elite einfach durch eine schwarze ersetzt.

Am 10. November 1959 wurde der Ausnahmezustand in Kenia beendet. Jomo Kenyatta, nun 71 Jahre alt, wurde im Juli 1961 vom Hausarrest befreit. Er wurde im Mai 1963 zum Premierminister gewählt. Kenia wurde am 12. Dezember 1963 ein unabhängiger afrikanischer Staat. Vier Tage später wurde eine Generalamnestie für alle Mau-Mau-Aktivisten verkündet. Am 12. Dezember 1964 wurde die Republik Kenia ausgerufen, Jomo Kenyatta war ihr erster Präsident.

1999 forderten Veteranen des Mau-Mau-Aufstandes Milliarden kenianischer Schillinge von der britischen Regierung als Wiedergutmachung für die gegen sie begangenen Kriegsverbrechen. Sie verlangen, dass die britische Regierung Verantwortung bekenne für den Verlust von Leben und Eigentum und den Schmerz, der Hundertausenden Kenianern während des Krieges zugefügt worden war.

PSYOP FLUGBLÄTTER

Peter H. Robbs erwähnt als erster die britischen Propaganda-Flugblätter in dem von der PsyWar Society herausgegebenen Publikation Falling Leaf, in der Ausgabe vom September 1959. Er sagte:

Während der Mau-Mau-Unruhen wurden verschiedene Flugblätter verbreitet, die wichtigsten davon waren die gelben "Pässe für sicheres Geleit" im Januar 1955, die einen Straferlass für vergangene Verbrechen beinhaltete. Zwar wurden damit gewisse Erfolge erzielt, etwa 300 Kapitulationen bis April 1955, doch berichteten die Medien, dass die Mau-Mau-Anführer eine Säuberung von Zauderern durchführte indem sie alle Mitglieder, bei denen man diese Flugblätter fand, tötete, so dass diese in einigen Fällen Todesurteile wurden, anstatt eine Lebensversicherung zu sein. In den Wäldern Kenias fand man etliche erschossene oder erstochene Gangster. In der bewussten Absicht, dies zu vermeiden, gaben spätere Flugblätter an, dass ein grüner Zweig das Zeichen für Kapitulation sein sollte, nicht das Flugblatt an sich.

Im Jahr 2006 tauchten zwei an die Mau-Mau gerichteten britische Propagandaflugblätter auf. Die Flugblätter befanden sich ursprünglich in der Sammlung des britischen Propaganda-Experten Francis J. Field, Autor des Buches Aerial Propaganda leaflets.

THE BEARER OF THIS PASS WISHES TO SURRENDER Propaganda leaflet THE BEARER OF THIS PASS WISHES TO SURRENDER Propaganda leaflet

Das Flugblatt besteht nur aus Text und wurde von General Sir George Erskine, Oberbefehlshaber in Kriegszeiten, und Sir Evelyn Baring, Gouverneur, am 18. Januar 1955 unterzeichnet. Es wurde von der staatlichen Druckerei in Nairobi für das Informationsministerium in Kenia gedruckt. Das 193 x 239 mm große Flugblatt verspricht eine faire Behandlung von Terroristen, die sich ergeben. Ein Auszug des Textes auf Englisch, Gikuyu und Swahili lautet:

Die Unterschriften des Oberbefehlshabers in Kriegszeiten und des Gouverneurs bestätigen, dass alle, die sich ergeben, nicht bestraft werden.

Ein Gelöbnis, diejenigen, die sich ergeben, nicht zu bestrafen.

DER TRÄGER DIESES PASSES MÖCHTE SICH ERGEBEN. Man soll ihm eine faire Behandlung, Nahrung und, falls erforderlich, medizinische Betreuung zukommen lassen. Er wird inhaftiert werden, aber er soll NICHT wegen Vergehen im Zusammenhang mit dem Ausnahmezustand, die er vor dem 18. Januar 1955 begangen haben könnte, angeklagt werden.

Auf der Rückseite steht eine lange Mitteilung. Ein Auszug des Textes lautet:

An alle Mau-Mau-Anführer und ihre Anhänger

NEUE ANWEISUNGEN FÜR DIEJENIGEN; DIE SICH ERGEBEN WOLLEN

Jetzt können Sie Ihre Seelen retten!

Wie Sie wissen, hat die Regierung große Anstrengungen im Kampf gegen die Mau-Mau unternommen und wird weiterhin alle, die sich nicht ergeben wollen, verfolgen und töten.

Jetzt können Sie Ihre Seelen retten.

Die Regierung setzte die Ausgabe von Anweisungen wie diese an die Anführer und Mitglieder der Mau-Mau fort.

Wenn Sie sich heute noch ergeben und alle Waffen herausgeben, werden Sie gewiss Ihre Seele retten.

SIE WERDEN WEGEN KEINEM VERBRECHEN DER MAU-MAU, KEINEM EINZIGEN, ANGEKLAGT WERDEN; WENN SIE SICH BEREIT ERKLÄREN, DIESEN EID ZU HALTEN. DIES GILT MIT DATUM VOM 18. JANUAR 1955. DIES IST EIN VERSPRECHEN, DASS SIE AUFGRUND IHRER FRÜHEREN MITWIRKUNG BEI DEN MAU-MAU NICHT GETÖTET ODER GEHÄNGT WERDEN KÖNNEN, NACHDEM SIE SICH BEREIT ERKLÄRT HABEN; SICH ZU ERGEBEN, UNTER DER BEDINGUNG, DASS SIE SICH DEN MAU-MAU NACH DEM 18. JANUAR 1955 NICHT WIEDER ANSCHLIESSEN.

Es ist möglich, dass es sich hierbei um das von Donald Barnett erwähnte Flugblatt handelt, von dem ihm Karari Njama, ein Guerilla-Führer erzählt hatte:

Am 18. Januar besuchten wir Gicuki Wacira, der an demselben Abhang, etwa 1,6 km vom Waldrand entfernt, wohnte. Als wir auf dem Weg waren, hörten wir, wie von einem Flugzeug durch einen Lautsprecher ein Aufruf verkündet wurde, dass wir uns ergeben sollen. Als es über uns auf dem Weg zum Waldrand vorbeiflug, sahen wir, dass es Tausende Flugblätter abwarf. Ich schickte einen von meinen Begleitern weg, um eines davon zu holen. Es stand darauf –

Versprechen der Regierung

Die Regierung von Kenia bietet allen Kämpfern die Chance, den Wald zu verlassen und zu einem normalen, friedlichen Leben zurückzukehren. Seine Exzellenz, der Gouverneur von Kenia, Sir Evelyn Baring, hat bis einschließlich heute, den 18. Januar 1955, eine Generalamnestie erlassen. Retten Sie Ihr Leben jetzt! Ergeben Sie sich mit allen ihren Kampfwaffen, dann werden Sie nicht angeklagt werden. Sie werden in Haft genommen und gute medizinische Betreuung, Essen, Kleidung und allgemeine Fürsorge erhalten.

(Unterzeichnet von) Sir Evelyn Baring
Seine Exzellenz, der Gouverneur von Kenia
General Sir George Erskine
Oberbefehlshaber in Kriegszeiten, Ostafrika

Diese Kampagne wird auch in Mau Mau Memoirs erwähnt, Marshall S. Clough, Lynne Rienner Publishers, Boulder and London:

Im Januar 1955 verkündete die Regierung eine zweiwöchige Waffenruhe und schickte Flugzeuge über die Wälder, um Appelle zu verkünden und Flugblätter abzuwerfen, in denen eine Amnestie angeboten wurde, wenn sich die Mau-Mau ergaben.

12 FACTS THAT ARE TRUE Mau Mau Propaganda leaflet 12 FACTS THAT ARE TRUE Mau Mau Propaganda leaflet

Das zweite Flugblatt ist ein britischer Pass für sicheres Geleit, an die Teilnehmer der Mau-Mau-Revolte gerichtet. Das Flugblatt wurde von der staatlichen Druckerei in Nairobi für das Informationsministerium in Kenia gedruckt. Es wurde über die Wälder von Aberdare abgeworfen und es ist ein Amnestieangebot, das am 10. Juli 1955 auslief. Das Flugblatt misst 172 x 219 mm, der Text ist rot. Der Text enthält zwölf nummerierte Aussagen im Hinblick auf den Aufstand und die Behandlung derjenigen, die zur Regierung zurückkehren. Der Text lautet:

12 WAHRE TATSACHEN

(1) Es ist bekannt, dass die meisten von Ihnen sich ergeben wollen, aber die Amnestie-Vereinbarung vom 18. Januar wird am 10. Juli 1955 auslaufen.

(2) Ihnen bleiben nur noch 7 Tage, um die Vereinbarung, mit der Sie Ihre Seelen und Ihr Land retten können, zu befolgen.

(3) Man wird Sie verfolgen und töten, egal wo Sie sich befinden, wenn Sie sich nicht ergeben.

(4) Die Regierung handelt in gutem Glauben. Diejenigen, die sich vor dem 10. Juli 1955 ergeben, sichern ihr Land und ihr Eigentum und werden darüber hinaus belohnt.

(5) Wenn Sie sich nicht ergeben, dann werden Ihre Leute hungern und Ihre Kinder werden nicht endenwollenden Leiden gegenüber stehen.

(6) 877 kluge Leute haben sich seit dem 18. Januar 1955 ergeben.

(7) 1281 Mau-Mau-Rebellen sind bereits getötet und 625 festgenommen worden. Außerdem sind weitere Hundertausende in den Schutzgebieten und Gehöften zu dem Schluss gekommen, dass nach dem 16. Januar für diejenigen, die sich nicht ergeben, keine Hoffnung auf deren Überleben besteht.

(8) Ihre Anführer haben Sie angelogen und in die Irre geführt. Dies sind die Gründe dafür, dass die vorigen Kapitulationseide nicht funktioniert haben.

(9) Seien Sie gewarnt, dass Ihre Anführer, die untereinander uneins sind, Sie in dem Versuch, sich selbst zu retten, opfern könnten.

(10) Die Sympathisanten, die Ihnen in den Schutzgebieten und Gehöften geholfen haben, haben die Hoffnung verloren und aufgegeben - und sich dazu entschlossen, sich selbst zu retten.

(11) Sie haben keine Zukunft, wenn Sie im Wald bleiben, auf Sie warten nur Leiden und Tod und Ihre Nachkommen werden Sie vergessen.

(12) Wenn Sie von Ihren Helfern getäuscht wurden, von Ihren Anführern angelogen wurden, von Ihrer Stammesfamilie verdammt wurden und Gott angelogen haben, dann gibt es nur eine mögliche Wahl:

ERGEBEN SIE SICH UND SIE WERDEN GERETTET WERDEN

Auf der Rückseite des Flugblatts steht ein altes Sprichwort der Kikuyu. Die Bedeutung des Sprichworts ist, dass diejenigen, die warten, nie da ankommen werden, wohin sie gehen wollten, aber vergeblich dahin rennen werden, wohin sie gehen wollen und am Ende enttäuscht und von Tau bedeckt sind. Die letzte Zeile besagt "Ergeben Sie sich jetzt." 

Anmerkung: Schon vor dem Aufstand lebten mehrere Hundert Kikuyu in dem Wald, der die Hänge des Mount Kenya und die Aberdares bedeckt. Viele von ihnen waren gesuchte Flüchtlinge und Banditen. Nach dem Beginn des Ausnahmezustands schlossen sich ihnen mehr und mehr Einheimische an, die ihre Häuser verließen, weil sie fürchteten, von den Briten festgenommen zu werden oder weil ihnen dies von den Rebellenführern befohlen wurde. Aus dieser großen Gruppe von Kriminellen, Patrioten und Vertriebenen bildeten sich langsam mehrere Gruppen: der militante Flügel und der passive Flügel. Der militante Flügel lebte hauptsächlich im Wald und bestand aus Bandenmitgliedern. Der passive Flügel bestand aus den Leuten, die den Gangs Geld, Vorräte, Unterkünfte, Rekruten und Informationen besorgten. Die Aberdare Gangs, deren Mitglieder aus dem Bezirk Nyeri stammten, waren auch als Itum Demi-Armeen bekannt.

Am 18. Januar 1955 bot der Generalgouverneur von Kenia, Sir Evelyn Baring, den Mau-Mau-Terroristen eine Amnestie an. Die europäischen Siedler empörten sich über dieses milde Angebot. Das Angebot wurde am 10. Juni 1955 zurückgezogen.

General China Mau Mau Propaganda leaflet General China Mau Mau Propaganda leaflet

Der gefangengenommene General China

Ein drittes Flugblatt aus der Sammlung des britischen Experten für psychologische Kriegsführung Dr. Rod Oakland zeigt, wie ein verwundeteter General China verbunden wird.

General China (Waruhiu Itote) war der erste hochrangige Mau-Mau-Guerillaführer, der von der Regierung gefangengenommen wurde. Er hatte den zweithöchsten Rang des militärischen Flügels inne. Der Legende zufolge war er während des zweiten Weltkriegs als Soldat der britischen Armee in Indien stationiert und er lernte davon, wie die Haitianer sich in einem Sklavenaufstand erhoben hatten. Eine zweite Anekdote besagt, dass ihm von afrikanischer Freiheit erzählt wurde, während er dabei half, einen Aufstand in Uganda niederzuschlagen. Ende 1950 legte er den Mau-Mau-Eid ab. Zunächst wurden ihm 40 Männer unterstellt, die er in den Taktiken schulte, die er während seines Kampfeinsatzes in Birma gegen die Japaner gelernt hatte. Danach führte er eine Guerilla-Kampfeinheit von etwa 4 000 Soldaten auf Mount Kenya an.


Self-styled 'General' China, terrorist leader, being taken to hospital after being wounded and captured by Security Forces
Der selbst ernannte 'General' China, Terroristenführer, wird nach seiner Verwundung und Festnahme durch die Sicherheitskräfte in ein Krankenhaus gebracht.

Der General wurde in einer Schlacht mit Regierungstruppen am 15. Januar 1954, während eines Überfalls zur Erbeutung von Waffen, verwundet. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt wurde er als verhörfähig erklärt. China wurde für insgesamt 68 Stunden von Ian Henderson im Büro des Sicherheitsdienstes der Polizei Kenias verhört. Er erklärte sich schließlich bereit, dabei zu helfen, Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Aufständischen anzusetzen. Während der darauffolgenden dreimonatigen Kampfpause sammelte der Geheimdienst ausführliche Informationen über den passiven Flügel, der Nahrung, Geld, Freiwillige und Munition an die Kämpfer lieferte. Als das "Friedensangebot durch China" fehlschlug, fielen die Briten ein und nahmen in drei Tagen über Tausend verdächtige Mau-Mau fest. General China wurde der Prozess gemacht und zunächst zum Tode verurteilt, später bekam er Einzelhaft und Zwangsarbeit und wurde schließlich von dem neuen kenianischen Führer Jomo Kenyatta am 14. Juni 1962 freigelassen.

Das General China-Flugblatt wird in Mau Mau from Within [Im Inneren der Mau-Mau] erwähnt:

Die Flugzeuge der Regierung verstreuten Tausende Flugblätter, auf denen ein Foto von General China abgebildet ist, in der Luft, und sie appellierten über ihre Lautsprecher an unsere Kämpfer, sich zu ergeben und grüne Zweige mitzunehmen. Der Kapitulationsappel lautete..."Heute erhalten Sie Ihre Nahrung, es ist ein Geschenk aus Bomben. Ergeben Sie sich heute, einen grünen Zweig bei sich tragend. Nehmen Sie die Straße nach ----- mit Ihren Waffen und man wird Sie vom Devons [Devonshire Regiment] willkommen heißen."

Ein Krieger kehrte mit einem der Flugblätter, auf dem ein Foto von General China abgebildet ist, zurück. Es stand darauf, dass ein wichtiger Anführer gefasst worden sei und dass es sinnlos für unsere Bande sei, weiterzukämpfen. Wir diskutierten über das Flugblatt und kamen überein, dass es ein weiterer Propagandatrick der Regierung war.

Ein zusätzliches Flugblatt wird anscheinend in Mau Mau Memoirs [Erinnerungen der Mau-Mau] erwähnt:

Eine andere Flugblatt-Operation ereignete sich 1956, als Flugzeuge der Regierung die Wälder überkreuzten, die Guerillas über Lautsprecher zur Kapitulation aufforderten und Flugblätter, in denen damit gedroht wird, ihr Land und Eigentum zu konfiszieren, abwarfen.

VERÖFFENTLICHUNGEN ZUM THEMA PSYCHOLOGISCHE KRIEGSFÜHRUNG

The Mau Mau in Kenya cover

 

The Mau Mau in Kenya, page 28

The Mau Mau in Kenya

In ihren zahlreichen Kriegen gegen Aufstände produzierten die Briten Broschüren und Magazine, in denen die Schandtaten des Feindes beschrieben wurden, um damit sowohl ihre Bürger als auch neutrale Länder von dem bestialischen Wesen der Terroristen und der Notwendigkeit, durch entschlossenes Eingreifen den Frieden zu erhalten, zu überzeugen. Ein Beispiel ist die Propagandabroschüre The Mau Mau in Kenya [Die Mau-Mau in Kenia]. Diese Broschüre wird von Susan L. Carruthers in Winning Hearts and Minds: British Governments, the Media and Colonial Counterinsurgency, 1944-1960 [Herz und Verstand gewinnen: Britische Regierungen, die Medien und koloniale Gegenaufstände, 1944-1960] beschrieben.

…ohne Bilder von Gräueltaten der Mau-Mau tatsächlich zu zeigen, wollten mehrere zeitgenössische Autoren ihre Leser damit überzeugen, dass solche Fotografien etwaige falsche Auffassungen, dass der Mau-Mau-Aufstand eine nationalistische Bewegung sei, beseitigen. Stoneham, beispielsweise, schrieb, das ihre "hässlich zugerichteten Leichen nicht nach 'versöhnlichen Maßnahmen', sondern nach Vergeltung an ihren Schlächtern ausschrien." . ." ." Sein Vorschlag, dass solcher Bilder "niemals zur allgemeinen Veröffentlichung freigegeben werden konnten...es aber lehrreich wäre, Kopien dieser ekelerregenden Bilder an jene zu schicken, die einen Kompromiss mit dieser berüchtigten Bande von Wilden vorschlugen," war, ihm unbewusst, nahe an der offiziellen Position. Es gab jedoch Gelegenheiten, bei denen die Regierungen Großbritanniens und Kenias Fotografien von Gräueltaten in breiteren Umlauf brachten. 1954, beispielsweise, wurde ein anonymes Pamphlet mit dem Titel The Mau Mau in Kenya [Die Mau-Mau in Kenia] veröffentlicht; es konzentrierte sich fast ausschließlich auf entsetzliche Bilder vom Terrorismus der Mau-Mau und war, in Anbetracht des Vorworts von Granville Roberts, eindeutig eine Veröffentlichung der Regierung.

Dies beendet unsere kurze Betrachtung der psychologischen Kriegsführung während des Mau-Mau-Aufstandes. Ich habe versucht, in diesem Bericht fair und unparteiisch zu sein, aber es ist selbstverständlich, dass Leser, die an dem Kampf persönlich teilgenommen haben, fest auf einer bestimmten Seite stehen werden. Leser, die Kommentare haben, ermutige ich dazu, an mich unter Sgmbert@hotmail.com zu schreiben. Ich würde sehr gerne mehr von den über Kenia abgeworfenen Flugblättern sehen. Ich bin mir sicher, dass unter den Souvenirs von alten Soldaten noch viele existieren.   

A.d.Ü.:

1Hun: abfällige Bezeichnung für Deutsche, vor allem während des ersten und zweiten Weltkrieges

2Wog: abfällige, beleidigende Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen



Quelle:  PSYOP of the Mau-Mau Uprising


Originalartikel veröffentlicht am 4.1.2006

Über den Autor

Susanne Schuster ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

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IMPERIUM: 08/07/2009

 
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