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22/10/2019
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Religiöser Fundamentalismus in Israel


AUTOR:  Stephen LENDMAN

Übersetzt von  Ellen Rohlfs


Im Buch Jewish History, Jewish Religion („Jüdische Geschichte, jüdische Religion“) von Israel Shahak ( 1933 – 2001) wird behauptet, dass während im Westen der  islamische Fundamentalismus diffamiert wird,  vergleichbarer jüdischer Extremismus weithin ignoriert wird. Im Vorwort des Buches  von Shahak schrieb Edward Said: „ .. Shahaks Art die Wahrheit zu sagen, ist immer gründlich und kompromisslos,  er versucht nicht, etwas zu verharmlosen, er bemüht sich nicht darum, die Wahrheit schmackhafter zu machen … Für Shahak ist töten Mord, ist töten Mord. Es ist  auch seine Art,  etwas zu wiederholen, was er betonen möchte. Er zeigt, dass die obskuren, peinlich genauen chauvinistischen Beschreibungen  gegen verschiedene unerwünscht andere im Judaismus   begründet liegt (wie in anderen monotheistischen Religionen).  Aber er geht noch weiter, um die Kontinuität zwischen jenen und der Art und Weise, wie Israel die Palästinenser, die Christen und  andere Nicht-Juden behandelt aufzuzeigen. Ein schreckliches Bild von Vorurteilen, Heuchelei und  religiöser Untoleranz kommt da zum Vorschein.

Indem Shahak das Thema  ‚jüdischer Fundamentalismus in Israel’ aufnimmt, erklärt  er seinen um sich greifenden, zerstörerischen Einfluss auf die israelische Politik, das Militär und die Gesellschaft. Er stellt fest, dass wenn man deutsch /arisch mit jüdisch  und nicht-jüdisch für Juden  ersetzt, dann kann man leicht erkennen, wie eine Doktrin der Überlegenheit einen früheren Genozid möglich machte und jetzt einen neuen zulässt. Shahak  nannte alle Formen von  Bigotterie moralisch verwerflich und sagte: „Jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit  wird  mächtiger und  hat politisch  mehr Einfluss, wenn es von der Gesellschaft wie selbstverständlich hingenommen wird … Für israelische Juden, so meint er, „habe Unterstützung von Demokratie und Menschenrechten keine Bedeutung oder sei  sogar schädlich und betrügerisch, wenn sie nicht mit Selbstkritik beginnt  und mit Unterstützung der Menschenrechte, wenn sie von der eigenen Gruppe verletzt werden. Jede Unterstützung der Menschenrechte  gegenüber Nicht-Juden, deren Rechte vom ‚jüdischen Staat’ verletzt worden sind,  ist genauso betrügerisch wie die Unterstützung von Menschenrechten durch  einen Stalinisten…“

Die Geburt des messianischen Zionismus:  als führender israelischer Menschenrechtsaktivist und Holocaustüberlebender untersucht Shahak die jüdische fundamentalistische Geschichte, prüft ihre Tendenzen und erklärt die Gefahren, die  von messianischen Extremisten ausgehen. Sie sind gegen die Gleichheit von Juden und Nicht-Juden und zerstören die demokratischen Werte durch ein entlarvendes Dogma, das Juden allen anderen  als überlegen darstellt.

 

 
Rabbi Abraham Kook: „Der Unterschied zwischen einer jüdischen Seele und  einer nicht-jüdischen Seele – egal auf welcher Ebene – ist größer und tiefer als der Unterschied zwischen einer menschlichen Seele und der Seele eines  Rindvieh“.

Der frühere Einfluss des Fundamentalisten Rabbi Abraham Kook ( 1865 – 1935) war bedeutsam. Er predigte jüdische Überlegenheit und sagte: ‚Der Unterschied zwischen einer jüdischen Seele und Seelen von Nicht-Juden – egal auf welcher Ebene – ist größer als der Unterschied zwischen einer menschlichen Seele und   der Seele eines Rindes.“ Seine Lehren halfen, die Siedlerbewegung zu schaffen. Und sein Sohn Rabbi Zwi Yehuda Kook gründete die extremistische Gush Emunim (GE) unter dem Slogan: Das Land  Israel ist für das Volk von Israel – entsprechend der Tora von Israel. Groß-Israel gehöre  allein den Juden  und heilige Kriege sind akzeptabel, um es zu erlangen.

Wie der ältere Kook, sieht GE die Staatsmacht als einen  (hilfreichen) Schritt in die Richtung einer messianischen Ära. Er glaubt, dass Gott die Welt für Juden geschaffen hat.  Die anderen sind Lebewesen von geringerem Wert.

Kook war der erste Oberrabbiner. Um ihn zu ehren und um seine Lehren zu verbreiten, wurde 1924 die extremistische Merkaz Harav („das Zentrum des Rabbi“), als Yeshiva oder fundamentalistisch-religiöses Kolleg gegründet. Es lehrt, dass „Nicht-Juden, die unter jüdischem Gesetz in Erez Israel leben, entweder als Sklaven – als Wasserträger oder Holzhauer – leben  oder vertrieben oder ausgelöscht werden müssen.

Es gibt keine, die extremistischer ist als diese, und macht deutlich, wie groß die Gefahr für die Palästinenser in Israel und in den besetzten Gebieten ist. Ihr Leben und Wohlergehen sollte für ein Groß-Israel  - nur für Juden – geopfert werden.

 

Der religiöse Krieg: die Anhänger von GE und andere israelische Zeloten planen ihn. Sie sind aktiv in der Politik, haben Sitze in der Knesset, sind Partner der Netanyahu-Koalitions-Regierung (einschließlich Shas, United Torah und Yisrael Beitanu) und sind  in der israelischen Armee in allen Rängen und im Rabbinat  gut vertreten. Der oberste Militärrabbiner Brigadegeneral Avichai Rontzki  nannte die Operation Cast Lead einen religiösen Krieg, in dem es ‚unmoralisch’ war, gegenüber einem Feind von ‚Mördern’ barmherzig zu sein. Viele andere empfinden genau so, besonders diejenigen, die die HaHesder Yeshivot-Schulen abgeschlossen haben. Dies sind Schulen, die  extremistische religiöse Indoktrinierung mit Militärdienst verbinden, um den jüdischen Staat zu verteidigen.  

Im Artikel von Rabbiner Harav Lichtenstein, (1981): ‚Die Ideologie von Hesder: Die Ansicht von Yeshivat Har Etzion’ erklärt, dass Hesder versucht, religiöse Individuen anzuziehen und zu entwickeln, die sehr motiviert sind, ernsthaftes, religiös fundamentales Wissen zu erwerben und sich gleichzeitig  moralisch und religiös verpflichtet fühlen, ihr Volk und Land zu verteidigen;  die .. hinsichtlich dieses doppelten Engagement dies als Privileg und  Pflicht ansehen. Das befähigt sie, ein integriertes jüdisches Experiment aufrecht zu erhalten.’ Fast alle Hesder-Schüler erfüllen 6 Jahre lang  Militärdienst . Heute gibt es in ganz Israel 41 solcher Schulen. 1991 wurde Hesder mit dem Israel-Preis ausgezeichnet (dem höchsten Preis in Israel) für seinen außergewöhnlichen Dienst für die Nation.

Ein Kommandeur drückte aus, wie viele ihren  Militärauftrag empfinden: ‚Wir sind  das jüdische Volk. Wir kamen wie durch ein Wunder in dieses Land. Gott brachte uns zurück in sein Land, und  nun müssen wir kämpfen, um die Einheimischen zu vertreiben, die gegen unsere Eroberung dieses heiligen Landes sind.

Extremistische israelische Rabbiner lehren diese Ideologie und  Rabbiner Saadya Grama behauptete 2003 (in  ‚Die Majestät Israels und die Frage der Diaspora’), dass Nicht-Juden ‚vollkommen böse’ seien, während Juden genetisch überlegen seien. Reform- und konservative Rabbiner verurteilten dies. Extremistische Orthodoxe unterstützten dies. Moderatere Rabbiner sagten, Grama sei für eine Trennung von Juden und der äußerst feindseligen antisemitischen Welt. Rabbiner Yosef Blau nannte das Buch ‚ein Aufruf für ein überlegenes Volk, das sich aus der Welt zurückziehen, in Isolierung leben, seine Feinden  unterwerfen und Gott vertrauen solle’.

Die nahe Bedrohung des Extremismus: Andere in Israel lehren die extremistische Ansicht, dass die 10 Gebote gegenüber Nicht-Juden nicht gelten. Sie  zu töten, wenn man seine Heimat verteidigt, ist annehmbar und nach Rabbi Dov Lior, Vorsitzender des jüdisch rabbinischen Rates: ‚In Kriegszeiten gibt es keine feindlichen Zivilisten. Das Gesetz unserer Tora ist, mit unseren Soldaten Barmherzigkeit zu haben und sie zu bewahren…Eintausend nicht-jüdischer Leben seien keinen jüdischen Fingernagel wert.’

Rabbiner David Batsri nannte die Araber ‚einen Schandfleck, Teufel, eine Katastrophe … Esel,  und wir müssen uns fragen, warum Gott sie nicht so geschaffen hat, dass sie auf allen Vieren gehen. Nun , die Antwort ist, dass sie  zum Bauen und Saubermachen benötigt werden.’ Extremistische Zeloten wollen sie für nichts anderes in der jüdischen Gesellschaft.

Israels früherer Oberrabbiner Mordechai Elyahu rief 2007 die israelische Armee dazu auf, an den Palästinensern einen Massenmord zu begehen. Er sagte mit fanatischer Ausdruckweise: ‚Wenn sie ihre Gewalt  nicht stoppen, nachdem wir 100 getötet haben, dann müssen wir 1000 töten. Und wenn sie nach 1000  immer noch nicht aufhören, dann müssen wir 10 000 töten. Und wenn sie auch dann nicht damit aufhören , müssen wir 100 000 töten, oder sogar eine Million  oder noch mehr …’

Im März 2009 rief Safeds Oberrabbiner Shmuel Eliyahu  zu einer vom Staat gesponserten Rache, um Israels Abschreckung wieder herzustellen … es ist an der Zeit, das Kind beim  Namen zu nennen: Rache, Rache, Rache. Wir dürfen nicht vergessen. Wir müssen eine schreckliche Rache für den Terrorakt auf die Merkaz-Harav-Yeshiva nehmen und erinnerte an den früheren Terrorakt, bei dem acht Studenten starben. ….

Im Juni 2009 brachte  der US-Chassidische Rabbiner Manis Friedman eine ähnliche Ansicht zum Ausdruck, indem er Israel dazu aufrief, Palästinenser ‚Männer, Frauen und Kinder’ zu töten. ‚Ich glaube nicht an westliche Moral d.h. töte keine Zivilisten oder Kinder, zerstöre keine heiligen Stätten, kämpfe nicht während der Feiertage, bombardiere keine Friedhöfe und schieße nicht, bis sie zu schießen anfangen, weil es unmoralisch ist. Die einzige Art und Weise, einen moralischen Krieg zu kämpfen, geschieht auf jüdische Weise : zerstöre ihre Heiligen Stätten! Töte Männer, Frauen und Kinder ( und das Vieh).’

Ansichten wie diese sind keine Ausnahmen. Auch wenn sie nur eine Minderheit sind, so breiten sich diese Ansichten in der ganzen Gesellschaft aus und sind ziemlich allgemein, um die Gewalt gegen Palästinenser anzustacheln, auch wenn  sich  diese zu recht verteidigen, wie es internationale Gesetze erlauben.

Die größere Bedrohung  durch Extremismus: Israels Extremisten sind eine Minderheit, aber einflussreich, um Politik zu machen. Und hier liegt die Bedrohung für den Frieden und die Wahrscheinlichkeit, dass ein palästinensischer Staat entsteht. In seinem Buch: ‚Ein wenig zu nah an Gott’ erinnert David Horowitz, dass  vor der Ermordung des Ministerpräsidenten Rabin er  an einer  von Netanyahu gesponserten Anti-Rabin-Demo teilnahm, die er wie folgt beschreibt: ‚Ich fühlte mich wie unter wilden Tieren, brutale, zornige Raubtiere, die nach Fleisch und Blut lechzten. Es war eine Hochstimmung voller Zorn, die sich letzten Endes ihres  Erfolges sicher war’.

In seinem Buch ;“Terror im Angesichte Gottes: das globale  Anwachsen religiöser Gewalt“ vergleicht Prof. Mark Juergenmeyer die Ähnlichkeiten unter religiös motivierten Extremisten, ob jüdisch, christlich, muslimisch, hindi, buddhistisch, Sikh oder andere. Er erzählt  von einem Gespräch mit Yoel Lerner, der im Gefängnis war, weil er versuchte, den Felsendom, die muslimische Heilige Stätte,  zu sprengen, weil er glaubte, dass  dort einmal der jüdische Tempel stand, bevor er zerstört wurde. Er brachte messianischen Zionismus zum Ausdruck, als er sagte: „der Messias wird  auf die Erde erst dann zurückkommen, nachdem der Tempel wieder aufgebaut und für ihn bereit ist,“ also müssen die Juden dafür sorgen, dass dies getan wird. Diese Ansichten sind auch für hohe (Regierungs-)Stellen und innerhalb der ganzen israelischen Gesellschaft charakteristisch -  d.h. als religiöser Eifer für ein Großisrael  nur für Juden, ein jüdischer Staat, der alle Araber mit Gewalt ausschließt, eine annehmbare Methode, um sie loszuwerden ; der Konflikt wird weitergehen, bis sie alle verschwunden sind.

Berichte über jüdische Extremisten: am 24. Juni ( 2009) brachte die Jewish Telegraphic Agency einen Sonderbericht über jüdische Extremisten. In ihm wird das ‚Gesicht des radikalen jüdischen Nationalismus’ in Israel beschrieben  .. eine Bewegung von  jungen Siedlern, Rabbinern und Unterstützern, die mit allen Mitteln an der Westbank festhalten wollen’. Sie stellen eine Minderheit dar, sind aber ein lautstarker und zunehmend gewalttätig werdender Wählerkreis der jüdischen Siedlerbewegung, der gegen Palästinenser und Israelis randaliert  und  glaubt, Gott auf seiner Seite zu haben und dass eines Tages eine auf der Tora gegründete Theokratie über den Staat Israel triumphieren wird.

Rabbiner Yisrael Iriel ist einer ihrer Anhänger, der jüdische Überlegenheit predigt und die Weigerung, irgend einen Teil des biblischen Israel an Nicht-Juden zu geben. Er ist einer aus einer ‚kleinen Gruppe von extremistischen Rabbinern, die die theologische und ideologische Grundlage für die radikalen Siedler liefern’.  Die israelische Menschenrechtsgruppe Yesh Din glaubt, dass es sich um etwa 1000 Leute handelt, die aber einen beträchtlichen Einfluss haben. Sie stellen ein extremistisches Randelement dar, entschlossen, Gewalt anzuwenden, um ihre Ziele zu erreichen. Sie werden von den anderen Westbanksiedlern unterstützt. Ein junger Anhänger drückt ihre Agenda folgendermaßen aus: ‚Ich denke, Gott wählte ein gutes und schönes Land für uns aus, und wir werden darum kämpfen, es zu behalten. Das macht ein Friedensabkommen sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, besonders wenn politische Hardliner die Verantwortung tragen und die meisten Israelis sie unterstützen.

Hassliteratur für israelische Soldaten: bis 20. Juli (2009) wurde eine Broschüre, die von der Union orthodoxer jüdischer Kongregationen von Amerika unter Beteiligung von Rabbiner Shmuel Eliahu herausgegeben wurde, unter  israelischen Armeesoldaten verteilt. Sie enthält einen fiktiven Bericht voller Hass, der angeblich wahr sein soll. Darin wird behauptet, dass der Papst und Vatikankardinäle mit der Hisbollah sympathisieren und zusammen arbeiten würden, um Juden zu töten. Es wird auch behauptet, dass der Vatikan Auschwitz-Touren organisieren würde, um Hisbollahmitgliedern  zu lehren, wie man es tut und dass der Hisbollahführer Hassan Nasrallah eingeladen wurde, sich einer Delegation  anzuschließen, um durch Frankreich, Polen, Italien und den Vatikan zu reisen.

Die Broschüre klagt auch die EU-Politiker  und Journalisten an, sich gegen Israel zu verschwören. Rabbiner Eliahus Mitarbeiter David Menahemov behauptet, dass der Inhalt der Broschüre wahr sei, obwohl der ausgeführte Bericht absurd sei. Einer der israelischen Soldaten jedoch sagte, dass jeder – in allen Rängen – diese Broschüre lese und glaube, was darin steht. Viele Soldaten sagten ihm: ‚Lies dies und du wirst verstehen, warum die Araber so sind ( und warum die israelische Sache richtig ist)’.

Während der Operation Cast Lead waren 10 000 mp3s ( dvds ?)  an israelische  Soldaten  mit  extremistischen Predigten verteilt worden. Der ashkenazische Oberrabbiner Yona Metzger bat die Soldaten eindringlich, ‚Gott zu vertrauen und zu erkennen, dass dieser Krieg zur Heiligung seines Namens geführt würde … und sie sollten keine Angst  haben. Die Soldaten sollten nicht an ihre Frauen oder Kinder oder ihre Mutter und ihren Vater denken.’

Der sephardische Oberrabbiner Shlomo Amar nannte den Gaza-Konflikt eine ‚heilige Mission, die im Namen des ganzen jüdischen Volkes geführt werde.’ Rabbiner Shmuel Eliyahu sagte, es sei unsere Absicht, den Geist der Soldaten in der Schlacht gegen die Hamasterroristen zu stärken. Die Rabbinatsabteilung (JCF) der israelischen Armee, … verteilte auch ein Pamphlet mit dem Titel ‚Jewish Consciousness emphases for Cast Lead’  und nannte die Militärrabbiner ‚gesalbte Priester des Krieges’.

Ein JCF-Offizier Shmuel Yurman erklärte den Zweck des Pamphlets: ‚Dies ist der Zeitpunkt, um unsere Kämpfer  in diesem  vom Himmel  befohlenen Krieg zu stärken, den zu führen  wir das Verdienst haben. Jeder Rabbiner hat die nötigen Kenntnisse und  Fertigkeiten, um zum IDF –Kampfgeist beizutragen. Trotz alledem lernte und bereitete sich der JCF für diesen Krieg  vor, bevor die Operation begann …Bei Treffen mit den Soldaten und Offizieren an der südlichen Front, hörten wir den  spirituellen Nöten zu’.

Der Chef von JCF Rabbiner Tzadok Ben-Arzti rechtfertigte den Krieg und sagte: „Wir, als Volk, das der Welt das Buch der Bücher  schenkte, das eine Gesellschaft aufzubauen wünscht, die sich auf Kreativität und Frieden, Liebe  zur Menschheit und Glauben an Gott gründet, werden von blindem Hass gejagt, der von religiöser Terminologie motiviert ist und nach  Blutvergießen und Grausamkeit drängt.’ Er riet, den Armee-Rabbinern zu sagen, dass es das Ziel des Krieges sei, das jüdische Volk vor seinen Feinden zu retten und das Böse in der Welt auszurotten.  Andere extremistische Rabbiner drückten ähnliche Ansichten aus und unter Brigadegeneral Avichai Ronzkis Kommando theologisierte das israelische Armeerabbinat militärische Missionen und versorgte die jungen Leute mit einem messianischen Dogma. Da es nun in allen Rängen  genug Zeloten gibt, wird es leicht sein, dieses ‚Evangelium’ weiter zu verbreiten.

Verschiedene Seiten in Israels religiöser Gemeinschaft: Ronzki erklärt seine Aktionen und jene des Militärrabbinats: ‚wir sollen den Soldaten helfen, die inneren  jüdischen Werte, den (jüdischen) Geist und das Bewusstsein  zu verinnerlichen, wie es in den jüdischen Quellen dargestellt wird. Das ist unsere Hauptaufgabe als Rabbiner, …zu lehren … was Judentum ist.’ Er und andere Zeloten vertreten die eine Seite von Israels religiöser Gemeinschaft , die aus zwei größeren Gruppen besteht – den religiösen Zionisten und den Haredim. Von ihrer Ideologie beherrscht, glauben die ersteren an die besondere Beziehung  zwischen Gott und den Juden und sehen Israel aus dieser Perspektive. Zu ihr gehören etwa  zwei Drittel der religiösen Gemeinschaft und  8% aus der Bevölkerung.

Das andere Drittel und etwa 4,5 % der Bevölkerung, die Haredim, sehen Israel als einen säkularen Staat, so wie die meisten anderen im Land.

Die Ethnizität bestimmt auch religiöse Gruppen. Die sephardischen Juden kommen aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Spanien. Die aschkenazischen Juden aus Osteuropa und unterscheiden sich in religiösen und kulturellen Traditionen. Beide Gemeinschaften besuchen  verschiedene Synagogen in verschiedenen Stadtteilen, sind aber im religiös zionistischen und Haredim-Lager vertreten. Israel hat zwei Oberrabbiner, einen aschkenazischen und einen sephardischen.

Obwohl Israels religiöse Gemeinschaft eine Minderheit ist, übt sie einen beachtlichen Einfluss aus -  politisch, beim Militär und allgemein in der Gesellschaft. Außerdem sind die Synagogen und Yeshivas beliebte Orte, wo sich Leute treffen, um   Themen von allgemeinem Interesse zu diskutieren und um die Ansichten der rabbinischen Führer zu hören. Die Extremisten glauben an die jüdische Herrschaft über das ganze biblische Israel - auf etwas von ihm zu verzichten, ist also undenkbar. Der Rabbiner Moses Ben Nachman (13. Jahrhundert) war ihr geistiger Pate.  Er schrieb, dass ‚Juden in dem Land siedeln sollten, weil ER es ihnen gegeben habe, und sie sollten Gottes Erbe nicht zurückweisen.’ Jetzt sagen Rabbiner, es sei eine Mitzwa ( ein Gebot), im Lande zu siedeln, und es sei verboten, es aufzugeben.’

Das messianische Kommen: Was Rabbiner Abraham Kook über die Abhängigkeit der Ankunft des Messias predigt, entspricht den Ansprüchen von Juden , die an Israel festhalten; das gilt auch noch heute. Die extremsten Zeloten von heute glauben, dass jedes Aufgeben von biblischem Land  die messianische Erlösung verzögert oder untergräbt und darum könne dies nicht toleriert werden. Die Palästinenser werden Feinde genannt, weil sie Land als eigenen Besitz beanspruchen. Hier nachzugeben, verletzt das jüdische Gesetz, glauben die Zeloten.

Im Gegensatz dazu akzeptieren die säkularen Haredim Landkonzessionen um des Friedens willen und wollen, dass die Regierung Politik macht und nicht die religiösen Zionisten, die sich auf das biblische Gesetz gründen. Sie sind davon überzeugt, dass Israel den Interessen aller Juden dienen sollte und  dass nicht ein Teil über einen anderen herrscht und dass kein Teil von Israel zu heilig sei, um ihn abzutreten  - (mit Ausnahme von Jerusalem.) falls es dem ganzen Volk dient. Sie sind auch davon überzeugt, dass die Tora für eine friedliche Koexistenz ist und dass abgesehen von Verteidigung ein Konflikt kontraproduktiv sei. Wie die religiösen Zionisten glauben sie, dass das biblische Israel den Juden gehört, doch wären sie bereit, etwas abzugeben im Interesse des Friedens.

Die meisten religiösen Israelis liegen mit ihrer Ansicht irgendwo zwischen diesen Gruppen. Sie glauben, dass das biblische Israel den Juden versprochen wurde, doch akzeptieren sie bis zu einem gewissen Grad einen Kompromiss, um Leben zu erhalten und im besten Interesse aller Juden.  Je nach dem wie das zukünftige Gleichgewicht der Kräfte  sein wird, so wird dies das Aussehen der zukünftigen israelischen Regierungen stark beeinflussen und entscheiden, ob friedliche Koexistenz einen sechs Jahrzehnte anhaltenden Konflikt und Unterdrückung ersetzen können.  Bis jetzt ist hier nichts geschehen, und nichts deutet darauf hin, dass sich in nächster Zeit etwas ändern wird; nichts während extremistische Zionisten an der Regierung sind, und in der israelischen Armee dienen und  - laut Kritikern – noch mehr Macht gewinnen.


Quelle: Al-Ahram Weekly - Religious fundamentalism in Israel

Originalartikel veröffentlicht am 20.8.2009

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist eine Mitarbeiterin von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin  als auch die Quelle genannt werden.

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KANAAN: 01/09/2009

 
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