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21/11/2019
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Spezialkriegführung in Tegucigalpa

Das honduranische Putschistenregime mokiert sich über den UN-Sicherheitsrat durch seine Angriffe auf die brasilianische Botschaft


AUTOR:  Al GIORDANO

Übersetzt von  Einar Schlereth. Lektoriert von Fausto Giudice


Nach der heutigen Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates in New York trat die US-Botschafterin Susan Rice auf und verlas eine Warnung an das honduranische Putschistenregime :

”Wir verurteilen die Einschüchterung gegenüber der brasilianischen Botschaft und rufen die de facto Regierung von Honduras auf, mit den Belästigungen der brasilianischen Botschaft aufzuhören.”

Die Worte sind eindeutig. Nach Untersuchung der Behauptungen (und der Leugnungen des de facto Regimes) über ständige technologische und chemische Attacken gegen den diplomatischen Sitz in Tegucigalpa sowie der illegalen Behinderung des freien Zutritts zur Botschaft, wo der rechtmäßige Präsident Manuel Zelaya und mindestens 85 Berater und Unterstützer und einige Mitglieder der Medien Schutz gefunden haben, kam  der UN Sicherheitsrat zu dem Schluß, daß die Belästigung besteht und weitergeht.

Wenn das Putschistenregime  glaubte, daß die Verwendung von chemischen und Beschallungsgeräten seine Attacken weniger sichtbar mache, dann hat es dieses Spiel bereits verloren.

Artikel 31 des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen von 1963 heißt ” Unverletzlichkeit der konsularischen Räumlichkeiten” und führt aus:

Unverletzlichkeit der konsularischen Räumlichkeiten

1.  Die konsularischen Räumlichkeiten sind in dem in diesem Artikel vorgesehenen Umfang unverletzlich.

2.  Die Behörden des Empfangsstaats dürfen den Teil der konsularischen Räumlichkeiten, den der konsularische Posten ausschliesslich für seine dienstlichen Zwecke benützt, nur mit Zustimmung des Chefs des konsularischen Postens oder einer von ihm bestimmten Person oder des Chefs der diplomatischen Mission des Entsendestaats betreten. Jedoch kann bei Feuer oder einem anderen Unglück, wenn sofortige Schutzmassnahmen erforderlich sind, die Zustimmung des Chefs des konsularischen Postens vermutet werden.

3.  Vorbehaltlich der Ziffer 2 hat der Empfangsstaat die besondere Pflicht, alle geeigneten Massnahmen zu treffen, um die konsularischen Räumlichkeiten vor jedem Eindringen und jeder Beschädigung zu schützen und um zu verhindern, dass der Friede des konsularischen Postens gestört oder seine Würde beeinträchtigt wird.

4.  Die konsularischen Räumlichkeiten, ihre Einrichtung, das Vermögen des konsularischen Postens und dessen Beförderungsmittel geniessen Immunität von jeder Beschlagnahme für Zwecke der Landesverteidigung oder des öffentlichen Wohls. Ist für solche Zwecke eine Enteignung notwendig, so werden alle geeigneten Massnahmen getroffen, damit die Wahrnehmung der konsularischen Aufgaben nicht behindert wird; dem Entsendestaat wird unverzüglich eine angemessene und wirksame Entschädigung gezahlt.

Artikel 33 hält fest: ” Die konsularischen Archive und Schriftstücke sind jederzeit unverletzlich, wo immer sie sich befinden.”

Artikel 34 mit dem Titel ”Begwegungsfreiheit” sagt: ” Vorbehaltlich seiner Gesetze und sonstigen Rechtsvorschriften über Zonen, deren Betreten aus Gründen der nationalen Sicherheit verboten oder geregelt ist, gewährleistet der Empfangsstaat allen Mitgliedern des konsularischen Postens volle Bewegungs- und Reisefreiheit in seinem Hoheitsgebiet.”

Artikel 35 mit dem Titel ” Verkehrsfreiheit” lautet:

” Der Empfangsstaat gestattet und schützt den freien Verkehr des konsularischen Postens für alle amtlichen Zwecke. Der konsularische Posten kann sich im Verkehr mit der Regierung, den diplomatischen Missionen und den anderen konsularischen Posten des Entsendestaats, wo immer sie sich befinden, aller geeigneten Mittel einschliesslich diplomatischer oder konsularischer Kuriere, diplomatischen oder konsularischen Kuriergepäcks und verschlüsselter Nachrichten bedienen.… Als «amtliche Korrespondenz» gilt die gesamte Korrespondenz, welche den konsularischen Posten und seine Aufgaben betrifft. Das konsularische Kuriergepäck darf weder geöffnet noch zurückgehalten werden. ”

Im Licht dieser internationalen Gesetze bietet das Gerät, das man auf dem Foto oben sieht, und das von den Sicherheitskräften des Putschistenregimes am Tor der brasilianischen Botschaft installiert wurde, den eindeutigen Beweis, daß das Regime die Wiener Konvention verletzt.

Narco News und sein Team  technischer Ingenieure und Konterüberwachungs-Berater haben den Apparat als ein LRAD-X Remote Long Range Acoustic Device identifiziert, das von der American Technologies Corporation hergestellt wird.

Das Instrument ist eine Offensivwaffe, die von US Kriegsschiffen und von anderen Nationen benutzt wird, und das Geräusche aussenden kann und ”durch die Benutzung starker Stimmkommandos und abschreckender Töne große Sicherheitszonen schaffen kann, während man die Absichten eines Eindringlings beurteilt und sein Verhalten beeinflussen kann.”

Die LRAD-X Maschine kann Tonschüsse bis zu 151 Dezibel abfeuern. Laut dem US Nationalinstitut für Taubheit und andere Kommunikationskrankheiten können Laute von geringerer Stärke bereits einen durch Geräusche verursachten Verlust des Gehörs verursachen: ”Geräusche, die  Gehörverlust produzieren umfassen Motorräder, Feuerwerkskörper und kleine Feuerwaffen, die alle Geräusche von 120 bis 150 Dezibel von sich geben. Lange und wiederholtes Ausgesetzsein für Geräusche von mehr als 85 Dezibel können bereits Hörverlust herbeiführen. Je lauter das Geräusch, umso kürzer ist die Zeit bis zum Hörverlust.”

Die Vorderseite des Gerätes sieht so aus:

 

Und dies ist die Rückseite des Geräts:

Mit anderen Worten ist das LRAD-X die Quelle der überlauten und schmerzverursachenden Laute, die auf jene innerhalb der brasilianischen Botschaft und umgedreht auf anti-Coup Demonstranten, die näher herankamen, gefeuert wurden. Damit verletzt es die von Wien geschützte Unverletzlichkeit der Botschaft und deren freie Kommunikation.

Nach internationalem Gesetz reicht diese Verletzung bereits als Rechtfertigung für den Einsatz einer UN-Friedenstruppe multinationaler Art wie sie Brasilien in Haiti eingesetzt hat.

Aber das ist nicht alles: Narco News hat die folgenden Fotos von einem C-guard LP Cellular telephone jamming device erhalten, das für den Gebrauch mit geringer Energie in geschlossenen Räumen konzipiert ist. Die Blackout-Reichweite kann zwischen 5 und 80 Meter betragen. Das Gerät wurde gestern in den Räumen der brasilianischen Botschaft gefunden. Hier ist  die Vorderseite:

und die Rückseite:

(Am Montag war eine große Menge von Leuten, einschließlich Journalisten, auch solche von den Pro Coup Medien, in der Lage, die brasilianische Botschaft zu betreten, um Präsident Zelaya willkommen zu heißen oder zu interviewen. Es ist möglich, daß der Handy-Störsender gestern bei dieser Gelegenheit in den Räumen plaziert wurde.)

Er wird von Netline verkauft unter der Produktkategorie ” Elektronische Anti-Terror-Kriegführung”. Die Firma brüstet sich, daß ”C-Guard LP cellphone jammers” alle erforderlichen Handy-Netzwerk-Standards gleichzeitig blockiert: GSM, CDMA, TDMA, UMTS (3G), Nextel, 2.4 GHz und mehr.

Der Einsatz eines Handy-Blockiergerätes ist eine unmittelbare Verletzung der obigen Artikel des Wiener Übereinkommens zum Schutz der Unverletzlichkeit der Kommunikationen von Botschaften und Konsulaten. Darüberhinaus haben Quellen in der Botschaft, die in direktem Kontakt mit Narco News stehen, bezeugt, daß vor der Entdeckung und Entfernung des Gerätes die Handies des Präsidenten, seiner Berater und anderer Leute im Gebäude starken Störungen ausgesetzt wurden.

Außerdem hat Präsident Zelaya gestern um die Mittagszeit eine Pressekonferenz in der Botschaft einberufen, bei der ein Arzt aussagte, daß zwei Personen Symptome von Blutungen der Nase und des Magens aufwiesen, und eine größere Anzahl Symptome von Schwindel, Halsschmerzen und  Nebenhöhlenbeschwerden und damit verbundene Probleme, die von neuro-Giftgasen verursacht sein könnten, die zur chemischen Kriegführung benutzt werden, und die ebenfalls durch internationale Verträge verboten sind.

Zelaya sagte, ruhig und überlegt, daß er beim Aufwachen um 7.30 a.m. eine ungewöhnliche Irritation ”zuerst im Mund, in der Nähe der Kehle, und später leichte Magenschmerzen (verspürt hätte). Ich trank Wasser und Milch. Und als ich herauskam, fühlten sich andere auch krank. Seither haben wir versucht herauszufinden, woher das kommen mag.”

Da er die dramatische Natur dieser Art der Kriegführung kannte und ihre Fähigkeit, Panik, Angst und Wut hervorzurufen, ermahnte er die Mitglieder des zivilen Anti-Coup-Widerstandes: ”Greift bitte nicht die Polizei an. Haltet euch in beachtlicher Entfernung. Kommt nicht nahe genug heran, um geschlagen zu werden. Protestiert friedlich.”

Als er das Handy-Blockiergerät zeigte, sagte Zelaya: ”Dieser Apparat wurde angebracht, um praktisch alle Telefone innerhalb der Botschaft zu stören.  Wir haben  es hier mit einer akustischen Intervention zu tun, die auch die Gesundheit und die Nerven der Leute in der Botschaft angreifen kann.”

”Sie haben auch Schall mit hohen Frequenzen gegen die Botschaft gerichtet. Das kann auch den psychischen Zustand beeinträchtigen. Andere Maschinen wurden in den benachbarten Häusern installiert, die von dem Militär besetzt und deren Besitzer rausgeworfen wurden.”

Hortensia ”Pichu” Zelaya, die sich ebenfalls in der Botschaft befindet, schickte dieses Foto (unten), das von einem Gerät zuvor früher am Tage gemacht worden war, teilweise von einem grünen Plastikbeutel bedeckt, und das von Sicherheitskräften auf einem benachbarten Grundstück installiert wurde, von der Botschaft deutlich sichtbar. ”Sobald wir es entdeckten,” schrieb sie, ”haben sie es sofort heruntergeholt.”



Pater Andrés Tamayo, auch in der Botschaft, sagte den Reportern auf der Pressekonferenz, daß er das Gerät persönlich gesehen habe. Es ist noch nicht bekannt, um was genau es sich handelt oder weshalb es in einer Plastiktüte verpackt war, und ob es irgendeine Art Substanz oder chemisches Mittel  enthielt, die auf die Botschaft gerichtet wurde.

Diese Beweise und Augenzeugenberichte zeigen deutlich, daß das honduranische Putschistenregime , während es ausdrücklich bestreitet, derlei Attacken gegen die souveräne Botschaft Brasiliens zu richten, sie gleichwohl durchführt. Der UN Sicherheitsrat sollte keine Hightech-Geräte benötigen, um zu sehen und zu hören, was wirklich vor Ort vorgeht und entsprechende Maßnahmen gegen diese Verhöhnung ergreifen.

Neuester Stand um 5.08 p.m. (Tegucigalpa 7.08 p.m.ET): Das Putschistenregime  hat heute Nachmittag eine ”cadena nacional” (eine Pflichtsendung für alle Radio-, Fernseh- und Kabelstationen)  abgehalten, um zu bestreiten, daß es eine chemische Kriegführung betreibe, und zu sagen, daß es dem Internationalen Roten Kreuz und Dr. Andrés Pavón  (ein Menschenrechtler) erlauben würde, in die Botschaft zu gehen, um die Gesundheit der Leute drinnen zu untersuchen. Eine Gruppe von Ärzten, darunter Pavón, kamen gerade von der Untersuchung zurück und berichteten das Folgende:

Daß die Symptome definitiv von irgendeiner Art ”Schadstoff” verursacht wurden. Nachdem er sich die Fotos des nicht identifizierten obigen Objekts angeschaut hat, meinte Pavón, daß es ein Luftbefeuchter sei, und daß der Plastikbeutel irgendeine Flüssigkeit enthalte, die dort, wo normalerweise sich Wasser befinde, einlaufe, was die mögliche Ursache für die Verseuchung der Botschaft sei. Es konnte nicht festgestellt werden, ob die Seuchenwaffe chemischer oder biologischer Art sei.

Die Ärzte bestätigten Radio Globo auch, daß UN-Beamte in der Botschaft seien, um zusammen mit ihnen an der Untersuchung teilzuhaben.

Das Putschistenregime  hat gerade ein militärisches Ausgangsverbot für den größten Teil der Bevölkerung  erlassen von 8 p.m. bis 5 a.m.

5.32         p.m.: Wir haben gerade von einer unabhängigen Quelle  im Gebäude der Botschaft erfahren, daß UN-Beamte die brasilianische Botschaft betreten haben.



Quelle: Narconews-Honduran Coup Regime Mocks UN Security Council with Embassy Attacks

Originalartikel veröffentlicht am 25.9.2009

Über den Autor

Einar Schlereth und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8814&lg=de


SÜDLICH DER GRENZE: 28/09/2009

 
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