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11/12/2018
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Die Generäle des Gaskrieges bereiten sich auf die Mutter aller Schlachten vor


AUTOR:  Giulietto CHIESA Джульетто Кьеза

Übersetzt von  Einar Schlereth. Lektoriert von Fausto Giudice


Während ”Nord Stream” im Begriff steht, auch die letzten bürokratischen und technischen Hindernisse zu überwinden, da tauchen plötzlich in Europa und den USA Kontroversen auf oder vielmehr direkte Versuche, seine Durchführung zu verhindern.

Der ” Nord Stream” - für die Nicht-Spezialisten – ist die große von Moskau eingeleitete Operation zur Umgehung der Obstruktion der Ukraine beim Gasfluss zu den westlichen Verbrauchern, indem man die Rohre auf dem Grund der Ostsee von Wiborg nach Greifswald verlegen möchte. Es handelt sich wahrlich um ein Hindernis: Moskau hat die Erfahrung in den vergangenen Wintern machen müssen in den beiden „Gaskriegen“, zu denen es durch die Manöver des ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko gezwungen wurde. „Druck“, sagte Putin sehr zornig, denn „wir wollen nur unser Gas verkaufen, aber Kiew hindert uns daran.“

Man weiß nicht, wieviel dieser Rechtsstreit schon die Gazprom bisher gekostet hat. Ihr mächtiger Generaldirektor Alexej Miller hat es nicht enthüllt. Aber in Moskau hat man gerechnet: der ukrainische Stöpsel hat den russischen Kassen in den 18 Jahren seit dem Ende der UdSSR Verluste in der Größenordnung von 50 Mrd. Dollar gebracht – durch unterwegs verdampftes Gas, durch nicht bezahltes Gas und  zu erheblich unter dem Weltmarktpreis erworbenes Gas.

All dies muss mit Vorsicht genossen werden, denn die Ukraine bringt ganz andere Daten vor.

Aber Tatsache ist, dass Moskau keine Alternative hatte: Die in der sowjetischen Ära gebauten Pipelines verliefen über sowjetisches Territorium und das der Mitglieder des Warschauer Paktes. Nachdem dieses System sich aufgelöst hat, konnten jene, denen das Schicksal die Rendite der durch das Pipeline-System geschaffenen Situation in die Hand gab, folgende Karte spielen:  Entweder zahlst du mehr oder du kommst nicht durch. Anders gesagt: Entweder gibst du mir einen Teil des Produktes zu einem reduzierten Preis oder du kommst nicht durch. Auf jeden Fall bediene ich mich an den Rohren. Und wenn du protestierst, mache ich den Hahn dicht, und ich werde dich vor Europa anklagen, daß du mich aus politischen Gründen erpressen willst, daß du uns trocken legen willst, uns der Kälte und der industriellen Krise aussetzen willst. Und daß du uns deine Einflussphäre aufzwingen willst, die du durch die Niederlage im Kalten Krieg verloren hast.

 

So lange es sich um befreundete Länder handelte, kontrollierte oder kontrollierbare, hat Moskau die  gewiss wackeligen Verträge improvisiert, die aber hielten. Es kam zwar zu Krisen – hundert in 15 Jahren – von unterschiedlicher Länge und Schwere, mit den verschiedensten politischen Farben gestrichen, hatten sie einen gemeinsamen Nenner: weniger bezahlen.

 

Mit Lukaschenkas Belorussland ist es zum Beispiel bis auf wenige schwierige Momente gut gegangen. Auch weil Lukaschenka sehr schlechte Beziehungen mit dem Westen hatte und am Horizont die Hypothese einer Wiedervereinigung Russland-Belorussland lauerte...

 

Aber mit Ukraines Juschtschenko (Julija Timoschenko hat die Allianz gewechselt und es scheint, dass sie jetzt Moskau zuneigt) ist der Austausch unhaltbar geworden. Die „Orangene Revolution“ hat Kiew unter den Schutz von Washington und Brüssel gebracht und auf den Weg einer Zugehörigkeit zur EG und dem Beitritt zur NATO. Also auf Kollisionskurs mit Moskau.  Welchen Sinn würde es für Moskau machen, mit den Geschenken zum Erhalt einer Freundschaft fortzufahren, die unmöglich geworden ist?

Und in Europa waren auch nicht alle bereit, den ukrainischen Erpressungen nachzugeben. Zu offensichtlich und zu gefährlich. Weil Moskau nicht die Absicht hat, Verlierer zu sein. Doch wenn das Gas nicht durch die Ukraine verläuft, dann ist es Moskau, das den Hahn an seiner Quelle zudrehen kann. Das Resultat: Kiew wird nicht nur nichts bekommen, sondern es wird auch mit seinen Erpressungen allein dastehen, und Europa wird auch nichts erhalten. Russland wird zwar Einnahmeverluste haben, aber ganz Europa wird ein Viertel seiner dringend benötigten Energie verlieren. Und morgen wird es noch schlimmer  - laut allen Voraussagen.

 

Eine sehr realistische Perspektive ist, dass Moskau findet – es hat ihn tatsächlich schon gefunden – einen nach Energie durstigen Käufer, der den gesamten Gasfluss, der jetzt  nach Westen geht, absorbieren kann. Das ist China. Und siehe da, andere Rohrleitungen werden gen Osten verlaufen. Es wird ein paar Jahre dauern, aber es wird unausweichlich kommen. Der Durst Chinas ist ungeheuer.


Russische Gasarbeiter. Foto: Wintershall AG für nord-stream.com

Auf die Weise hat Putin offene Ohren und Taschen gefunden, angesichts der Tatsache, dass der „Nord Stream“ 10 Mrd. Euro kosten wird. In Deutschland vor allem. Der frühere Kanzler Gerhard Schröder an der Spitze, der Generaldirektor des Projektes geworden ist. Aber Merkel hat sich auch angehängt und hinter ihr die deutsche Industrie. Und jetzt beeilt sich Sarkozy, sich auch in die Schlange einzureihen.

 

Dazu kommt der „South Stream“ als Alternative zu „Nabucco“, um das Gas unter dem Schwarzen Meer nach Bulgarien, in den Balkan, nach Griechenland, nach Italien (und hier hat Putin einen enthusiastischen Unterstützer in Berlusconi gefunden, d.h. der ENI,  und auch in Sarkozy) zu transportieren, wodurch sich eine Situation ergibt, in der Moskau sein Gas (und das, was es den alten Schwesterrepubliken in Zentralasien abkaufen wird) den Europäern liefern kann, ohne irgendeinen Filter passieren zu müssen.

 

Offensichtlich wird dies eine wahrhafte Revolution in den Beziehungen zwischen Russland und Europa bedeuten.


Aber dies gefällt Washington gar nicht. Und deshalb hat Zbigniew Brzezinski, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater von Jimmy Carter seine Stimme ertönen lassen: Achtung, Moskau will „Ost-Europa von West-Europa isolieren.“ Und es folgt der Chor aller „Unglücklichen“, die sprachlos dastehen.

 

Urmas Paet, estnischer Außenminister hat sich beklagt, dass die baltischen Länder „ignoriert“ werden. Am 23. April verdammen die ehemaligen Staatschefs Václav Havel und Lech Walesa den Versuch Moskaus, „Einflusszonen wieder einführen“ zu wollen. Die These ist einmalig: Die Operation ist eine gegen Osteuropa gerichtete Drohung, das der „Erpressung“ ausgeliefert wird und ohne Elektrizität dastehen wird.

 

Aber ist es so, dass Brüssel nicht nach Marktkriterien das Gas, das auf jeden Fall im Überfluss aus Moskau kommen wird, neu verteilen könnte? Es ist nicht zu verstehen, wie Russland über die europäische Verteilung des Gases bestimmen könnte, wenn es erst einmal an den Endstationen von „Nord Stream“ und „South Stream“ angelangt ist.

 

Der polnische Außenminister Radoslav Sikorski vergleicht sogar den „Nord Stream“ mit dem Molotow-Ribbentrop-Pakt (= Hitler-Stalin-Pakt, AdÜ).

 

Diese Gasleitungen gibt es noch nicht. Stattdessen bevorzugen Washington und der Chor seiner europäischen Alliierten „Nabucco“, eine Pipeline, die den Vorzug hat, Moskau vollständig zu vermeiden und die Verkäufer in Turkmenistan und Kasachstan zu suchen und das Gas offenbar über Georgien und die Türkei zu leiten. Eine perfekte Operation, wenn Putin und Medwedew nicht schon ihren Gegenzug gemacht hätten, und sie haben sehr mächtige, wenn nicht entscheidende Alliierte in Europa.

 

Es wird mit Sicherheit in dem kommenden Monat einen großen Coup geben. Wenn Putin, Berlusconi und Gerhard Schröder übereingekommen sind, sich in St. Petersburg en privé* zu treffen, gerade jetzt, dann deshalb, weil sie sich auf eine mächtige Offensive vorbereiten.

 

im Text auf Französisch


Quelle: Megachip - I generali della guerra del gas si preparano alla battaglia più dura

Originalartikel veröffentlicht am 21;10;2009

Über den Autor

Einar Schlereth und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9088&lg=de

  


: 26/10/2009

 
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