HOME TLAXCALA
das Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt
TLAXCALAS MANIFEST  WER SIND WIR ?  FREUNDE VON TLAXCALA  SUCHEN 

SÜDLICH DER GRENZE (Lateinamerika und Karibik)
IMPERIUM (Globale Fragen)
KANAAN (Palästina, Israel)
UMMA (arabische Welt, Islam)
IM BAUCH DES WALFISCHES (Aktivismus in den imperialistischen Metropolen)
FRIEDEN UND KRIEG (USA, EU, NATO)
MUTTER AFRIKA (afrikanischer Kontinent, indischer Ozean)

TAIFUNZONE (Asien, Pacifik)
KALVELLIDO MIT K (Tagebuch eines Prolos)
RAUCHENDE GEHIRNE (Kultur, Kommunikation)
DIE NICHT EINZUORDNENDEN 
DIE TLAXCALTEKISCHEN CHRONIKEN 
DIE TLAXCALA KARTEI (Glossare, Lexika, Karten)
BIBLIOTHEK DER AUTOREN 
GALERIE 
TLAXCALAS ARCHIV 

11/08/2020
Español Français English Deutsch Português Italiano Català
عربي Svenska فارسی Ελληνικά русски TAMAZIGHT OTHER LANGUAGES
 
Nach Zelaya nun Ortega?

Ein neuer Putsch in Zentralamerika?


AUTOR:  Carlos TENA

Übersetzt von  Einar Schlereth. Lektoriert von Fausto Giudice


Es ist sehr überraschend zu sehen, wie nur wenige Kilometer von Managua entfernt sich in Honduras eine Diktatur wie die von Micheletti hält und gleichzeitig die große Mehrheit der nicaraguanischen Medien (im Besitz einer Handvoll von Millionärsfamilien) seit Jahren die verfassungsmäßige Regierung von Daniel Ortega angreift. Die wütenden und immer wiederkehrenden Manipulationen der Wirklichkeit, die in Presse, Funk und Fernsehen orchestriert werden, erinnern an die Kampagnen, die Hugo Chávez, Präsident von Venezuela ertragen musste, vor und nach dem Carmonazo [der versuchte Staatsstreich im April 2002, AdÜ], und in Nicaragua haben sie nicht aufgehört, seit Daniel Ortega die Präsidentschaft 2006 angetreten hat oder genauer am 10. Januar 2007.

Die Disqualifikationen gehen weiter, und die Beleidigungen seitens des Medienkomplexes (mit Ausnahme von Radio La Primerísima und Radio Ya) haben sich dem Wesen und der Form nach in den vergangenen Tagen beschleunigt, als der oberste Gerichtshof sich zu der Gültigkeit der Gründe geäußert hat, die der sandinistische Führer vorgebracht hat, um bei den nächsten Wahlen erneut anzutreten. Vergessen wir nicht, dass der honduranische Präsident Zelaya gewaltsam von der Armee und seinen politischen Gegnern gestürzt wurde, die den Putsch durch einen ähnlichen Anspruch seitens des konstitutionellen Präsidenten vor nur wenigen Wochen (am 28. Juni 2009) gerechtfertigt haben.

Dieses Element zwingt die Analytiker zu folgern, ohne Angst sich zu täuschen, dass Lateinamerika sich sanften antidemokratischen Staatsstreichen gegenübersieht, weniger blutig als jene, die den Kontinent zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Mitte der 80-er Jahre heimsuchten, gelenkt und orchestriert wie gewöhnlich von dem äußerst ultra-liberalen Unternehmertum (für das Massenmedien unverzichtbar sind). Dieses kann heute zudem auf das Verständnis der Geschäftemacher vom Fach rechnen, wie der mexikanische Multimillionär Carlos Slim (Intimfreund von Herr X. bzw. Felipe González), sein spanischer Kollege Juan Luis Cebrián, die extrem rechten Intellektuellen wie der spanisch-englisch-Peruaner Mario Vargas Llosa oder Premierminister, Experten für Luxusprostitution, wie der Italiener Silvio Berlusconi.

  
Carlos Slim und Felipe González

Diese Situation ist die direkte Folge der Sanftheit, mit der das Weiße Haus den honduranischen Diktator behandelt, der mühelos davonkommt durch die Doppelbödigkeit, der sich Präsident Barack Obama und seine schillernde Außenministerin Hillary Clinton bedienen oder durch die Lauheit der OAS angesichts dieser Art von Militärrebellionen, bei denen nur ein paar tote Bürger zu beklagen sind (laut El País gewalttätige Provokateure), die in den Straßen von Honduras laut die Rückkehr zur Demokratie forderten, die aber weit entfernt sind von den tausendfachen Verhaftungen und Massenmorden, die jahrzehntelang die Bevölkerungen des Kontinents erdulden mussten, die mit der bedingungslosen Billigung der verschiedenen US-Regierungen und ihrer Armeen durchgeführt wurden, deren Teilnahme und militärische Beratung (einschließlich Folter) heute noch in Ländern wie Salvador, Chile, Paraguay, Kolumbien, Peru, Panama, Guatemala und anderen fühlbar sind.

Es scheint, dass Micheletti von Washington, dem FBI, der CIA, im Sitz der PRISA* und auch im Vatikan (Epizentrum unterschiedlichen, doch notorischen sozialen Einflusses) gern gesehen wird – mit allen Nuancen, die man voraussetzen kann. Und am merkwürdigsten ist, wenn man die engen Bande zwischen den Putschisten und der gewöhnlichen Verbrecherwelt aufdeckt, fördert man das politische Asyl zu ihren Gunsten zutage, wie zum Beispiel im Fall des ex-Bürgermeisters von Maracaibo, Venezuela Manuel Rosales, der direkt an einem Mordversuch an Hugo Chávez beteiligt war oder des Luis Posada Carriles, verantwortlich für die Sprengung eines Flugzeuges der Cubana de Aviación mitten im Flug, die das Leben von 76 Personen kostete, und der heute unbehelligt in Florida spazieren geht; oder auch der Patricia Poleo, Journalistin einer Fernsehkette in Caracas, die des Mordes am Richter Danilo Anderson angeklagt ist.

Ich hoffe, dass im Fall von Danilo Aguirre und Jaime Chamorro, den Direktoren von in Nicaragua so bekannten Blättern wie Nuevo Diario oder La Prensa, die respektive angeklagt oder verurteilt sind wegen Beleidigung oder Betruges in Millionenhöhe, nicht etwas Ähnliches geschieht. Heute behaupten sie ihre Unschuld, gedeckt von ihren Kollegen der sogenannten unabhängigen Presse, während sie gleichzeitig ihre Strategie des Verhöhnens und der medialen Demontage von Präsident Daniel Ortega entwickeln, und mit ihren spanischen, mexikanischen, chilenischen, argentinischen oder französischen Kumpanen telefonieren, damit sie ihnen Hilfestellung bei der Strategie des Verhöhnens und der Demontage des sozialistischen Feindes geben, wenn möglich ohne Blutvergießen von Unschuldigen. Einige dieser Gazetten glänzen mit Überschriften, die das Mantra vom Diktator Ortega endlos wiederholen mit derselben Freude, wie ihre spanischen Kollegen José Maria Aznar Presidente nannten.

 
Danilo Aguirre und Jaime Chamorro

          Sie vergessen, scheint es, dass ein wirklicher Diktator mit einem Federstrich diese Blätter, Radio- und  Fernsehstationen verboten hätte, die ständig ihren Rosenkranz von Beleidigungen und Herausforderungen herunterbeten, und den Gipfel der medialen Paranoia erreichen, wenn, wie in dieser Woche, ihr Ziel nicht mehr Ortega selbst ist, sondern die Richter des Obersten Gerichtshofes des Landes.
Es ist nicht gewagt zu sagen, dass die beiden Chefs der Zeitungen (Nuevo Diario und La Prensa) dabei sind, die Bevölkerung anzuheizen oder wenigstens einen gefährlichen Nährboden zu schaffen, um einen Putsch à la Micheletti glaubhaft und unausweichlich  zu machen, wobei man natürlich auf den obligaten Segen der nicaraguanischen katholischen Kirche zählt (wie in Honduras), doch nicht auf die Armee im Unterschied zu deren honduranischen Kollegen, auch wenn sie weit entfernt vom Beispiel der venezolanischen, bolivianischen, ecuadorianischen oder kubanischen Militärs ist, deren Verteidigung des Volkswillens bewundernswert ist, wenn wir sie mit anderen Armeen, inklusive denen von Europa vergleichen. Die Worte eines Taxifahrers zu dem Schreiber dieser Zeilen sind in gewisser Weise beruhigend: ”Hier kann das, was sie mit Zelaya gemacht haben, mit Ortega nicht passieren. Wir sind tausende von Bürgern, Genossinnen, Arbeiter, die außerdem eine gute militärische Ausbildung haben, die auf die Straße gehen würden, um die Demokratie zu verteidigen, um wie in Caracas einen möglichen Staatsstreich zu verhindern.”

Wer hat ein Interesse daran, dass sich die jüngste Geschichte wiederholt? Würden die neoliberalen Medien, die OAS selbst, das Weiße Haus oder die Europäische Union bereit sein, einen Coup d'État in Zentralamerika zu verurteilen, und sei er noch so unblutig, der mit einem nicht existierenden Respekt vor internationalem Recht wedelt, der Erfüllung der eigenen Normen ihrer respektiven Organisationen, die irgendwie nach Verteidigung der Demokratie aussehen, wohl wissend, dass im Fall der OAS sie es niemals gewagt hat, aus ihren Reihen Genozid-Regime auszuschließen wie jene, die Uruguay, Brasilien, Argentinien, Chile, Paraguay, Guatemala, Salvador usw. vergewaltigten, und das mitten im 21. Jahrhundert, und die nur dazu gut ist, Gespräche zwischen den Konfliktparteien zu organisieren und den Taufpaten zu spielen? Ist es möglich, allen Ernstes zu glauben, dass man zwischen Anhängern einer Diktatur und überzeugten Demokraten zu einer Verständigung gelangen könnte, ohne das letztere eine spektakuläre Niederlage einstecken müssen?

Vielleicht ja. Spanien hat es 1977 bewiesen und wir haben gesehen, wohin es geführt hat.

 

Madrid am 25. Oktober 1977: Unterzeichnung des Paktes von Moncloa für den Übergang zur konstitutionellen Demokratie. Von links nach rechts: Enrique Tierno Galván, Santiago Carrillo, José Maria Triginer, Joan Reventós, Filipe González, Juan Ajuriaguerra, Adolfo Suárez, Manuel Fraga Iribarne, Leopoldo Cavo Sotelo und Miguel Roca


*PRISA: Promotora de Informaciones, S.A, "Informationsverbreitung AG", Spaniens größter Medienkonzern. Zu den Massenmedien der PRISA-Gruppe gehört unter anderem die Tageszeitung El País, die im In- und Ausland einen guten Ruf genießt, die täglich erscheinende Sportzeitung Diario As und das Wirtschaftsblatt Cinco Días (Fünf Tage). Außerdem gehören einige der wichtigsten Radiosender des Landes zur Prisa, vor allem die meistgehörte Senderkette des Landes, Cadena SER, sowie Musiksender wie Los 40 Principales, M80, Cadena Dial, Máxima FM oder Radio Olé. Zum Konzern zählt auch der Fernsehanbieter Sogecable mit dem vierten Fernsehkanal Cuatro und dem Bezahlfernseh-Angebot Canal+. Prisa gehören auch 15% des Kapitals der französischen Tageszeitung Le Monde. In Kolumbien betreibt die Prisa mit Radio Caracol (Radio Schnecke) ebenfalls den meistgehörten Radiosender des Landes. (AdÜ)


Quelle: Kaosenlared¿Nuevo golpe en Centroamérica?

Originalartikel veröffentlicht am 22.10.2009

Über den Autor

Einar Schlereth und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9123&lg=de



SÜDLICH DER GRENZE: 29/10/2009

 
 SEITE DRUCKEN SEITE DRUCKEN 

 SEITE SENDEN SEITE SENDEN

 
ZURÜCK ZURÜCK  

 tlaxcala@tlaxcala.es

  12:38