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13/08/2020
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Großayatollah Hossein Ali Montazeri gestorben


AUTOR:  derstandard.at


Opposition verlor wichtigste Symbolfigur

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"Diktatur im Namen des Islam": Hossein Ali Montazeri.

Regierungskritischer Geistlicher Montazeri gestorben

Teheran/Amara - Die Opposition im Iran hat ihre wichtigste Symbolfigur verloren. Der Reformpolitiker und Großayatollah Hossein Ali Montazeri ist im Alter von 87 Jahren in der heiligen Stadt Qom (Ghom) gestorben, wie die Nachrichtenagentur Isna am Sonntag meldete. Montazeri war der prominenteste regierungskritische Geistliche des Iran.

Der Großayatollah sei in der Nacht zum Sonntag sanft entschlafen, teilte sein Enkel Nasser Montazeri mit. Der Website des staatlichen Fernsehens zufolge litt der Ayatollah an Asthma und Arteriosklerose.

Nach der Todesnachricht versammelten sich nach Angaben einer oppositionellen Internetseite zahlreiche Studenten an der Universität von Teheran und zitierten Koranverse zu Ehren Montazeris. In Ghom, wo Montazeri am Montag beigesetzt werden soll, wurden am Sonntag an vielen Plätzen starke Polizeieinheiten aufgezogen.

Der aus einer Bauernfamilie stammende Montazeri wurde mit 17 Jahren in der Theologenschule von Ghom zum Schüler des späteren Gründers der Islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Khomeini. Ab 1963 beteiligte sich Montazeri an der Seite Khomeinis an der Protestbewegung gegen den vom Westen unterstützten Schah.

Nach der Islamischen Revolution 1979 hatte Khomeini ihn zunächst als seinen Nachfolger vorgesehen. Der als liberal geltende Montazeri distanzierte sich jedoch zunehmend von Khomeini und kritisierte vor allem die Unterdrückung von Oppositionellen. Den Mullahs warf er vor, im Namen des Islam eine Diktatur errichtet zu haben, und forderte tiefgreifende demokratische Reformen.

1989 kritisierte er die Massenhinrichtungen und fiel bei Khomeini kurz vor dessen Tod in Ungnade. Daraufhin folgte Ayatollah Ali Khamenei ins Amt des geistlichen Staatsoberhaupts. Montazeri wurde nach Ghom verbannt, wo er bis 2003 teilweise unter Hausarrest stand, nachdem er Khamenei die Fähigkeit zum Regieren abgesprochen hatte. Erst 2003 wurde der Hausarrest wieder aufgehoben.

Nach der umstrittenen Präsidentenwahl im vergangenen Juni stellte sich Montazeri offen gegen den wiedergewählten Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad und Khomeinis Nachfolger Khamenei. Er zweifelte die Rechtmäßigkeit des Urnengangs an und verurteilte die Unterdrückung der Proteste. In seiner letzten öffentlichen Äußerung am vergangenen Mittwoch beklagte er auf seiner Internetseite erneut den "Tod unschuldiger Menschen" und kritisierte die "illegalen Schauprozesse" .

Ausschreitungen bei Beerdigung Montazeris

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Trauerfeier in Ghom.

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Zur Beerdigung des iranischen Regimekritikers Hossein Ali Montazeri sind nach Angaben der Opposition Hunderttausende Anhänger nach Qom geströmt.

Tausende Trauernde nach Tod des iranischen Reformpolitikers auf dem Weg nach Qom - Am Samstag mit 87 Jahren verstorben

Teheran - Am Rande des Trauerzugs für den verstorbenen iranischen Reformpolitiker und Großayatollah Hossein Ali Montazeri hat es nach Angaben der Opposition heftige Auseinandersetzungen gegeben. Zehntausende Anhänger Montazeris und Oppositionelle hätten am Montag dem Geistlichen in Qom (Ghom) das letzte Geleit gegeben, berichtete die oppositionelle Website Rahesabs.

Unterdessen hätten Mitglieder der regierungsnahen Miliz Ansar Hisbollah versucht, Unruhe in den Trauerzug zu bringen. Mit Megaphonen versuchten sie demnach, die Sprechchöre der Menge zu stören. Dies habe einige "Konfrontationen" ausgelöst, hieß es auf der Website ohne nähere Angaben.

Die Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi hatten zur Teilnahme an dem Trauerzug aufgerufen. Ausländischen Medien wurde verboten, über das Ereignis zu berichten. Die Internetverbindungen im Land waren seit Sonntagabend schwer gestört.

Hunderttausende bei Beerdigung

Zur Beerdigung von Montazeri sind nach Angaben der Opposition Hunderttausende Anhänger nach Qom geströmt. "Die Menge, die an der Prozession teilnimmt, wird auf Hunderttausende geschätzt", hieß es am Montag auf der Reformer-Internetseite Yaras. "Sie skandieren Slogans zur Unterstützung Montazeris und zur Unterstützung von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi."

Damit entwickelte sich der Abschied von dem hochrangigen Geistlichen offenbar zu einer Demonstration der Stärke der Gegner von Präsident Mahmud Ahmadinejad. Der Großayatollah Montazeri war in der Nacht auf Sonntag im Alter von 87 Jahren gestorben.

Iranische Sicherheitskräfte nahmen nach Angaben der Opposition Anhänger Montazeris auf dem Weg zur Beerdigung fest. Ein Bus mit Trauergästen sei bereits in der Hauptstadt Teheran angehalten worden, berichtete die Reformer-Internetseite Kaleme am Montag. Vier Personen seien in Gewahrsam genommen worden. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge um Familienmitglieder von bereits inhaftierten Reformpolitikern sowie Menschenrechtler.

Die Sicherheitskräfte in Qom, das rund 125 km südlich von Teheran liegt, waren nach Angaben von Beobachtern in Alarmbereitschaft. Die Berichterstattung ausländischer Medien ist nach Angaben des Senders BBC weiter eingeschränkt worden.

Khamenei kondoliert zum Tod Montazeris

Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei hat am Sonntag zum Tod seines Gegenspielers Montazeri kondoliert. Wie der staatliche iranische Sender Press TV am Montag auf seiner Homepage weiter berichtete, nannte Khamenei den Verstorbenen einen "versierten Rechtsgelehrten und prominenten Lehrmeister". Viele seiner Schüler hätten in großem Maße von ihm profitiert.

Khamenei erinnerte daran, dass Montazeri lange Zeit im Dienste des Gründers der Islamischen Republik, Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini gestanden habe. Im Bemühen, seine Anliegen voranzubringen, habe er viel Leid ertragen müssen. Khamenei sprach der Familie des Verstorbenen sein Beileid aus und bat Gott um Gnade für ihn.

Montazeri beigesetzt

Nach einer Trauerfeier in Ghom soll der schiitische Geistliche nach Angaben aus seiner Umgebung im berühmten Mausoleum von Masumeh beigesetzt werden. Der frühere Weggefährte von Revolutionsführer Ayatollah Khomeini war für seine kritische Haltung gegenüber der geistlichen und politischen Führung des Landes bekannt und stand deswegen jahrelang unter Hausarrest. Nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Juni war er einer der ersten einflussreichen Geistlichen, die sich auf die Seite der Opposition gestellt hatten. (APA)

Die Beerdigung Montazeris in Qom



Quelle: Der Standard, Wien

Originalartikel veröffentlicht am 20 und 21.12.2009

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UMMA: 21/12/2009

 
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