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 Walter Trochez
Die Leichen erschlagener Aktivisten häufen sich in Honduras. Während in den meisten honduranischen und internationalen Medien darüber nicht gesprochen wird, wächst allmählich die Wut in dem engagierten Netzwerk von Freunden, die bei jeder tragischen Nachricht von jedem Kamerad/in die Neuigkeit blitzschnell verbreiten.
Jetzt, wo die Welt in den Nachrichten der Mainstreammedien wie der New York Times von den “sauberen und fairen” Wahlen am 29. November (inszeniert von der US-unterstützten gegenwärtig an der Macht sitzenden Junta) gehört hat, hat die Gewalt noch schneller als befürchtet zugenommen.
Die besonderen Ziele dieser Morde sind die Leute gewesen, die von dem Coup-Establishment als größte Bedrohung angesehen wurden. Die Tapfersten und daher die am meisten Gefährdeten: die Mitglieder des Widerstandes des Volkes gegen den Coup. Ihre Freunde und Familien. Leute, die den Widerstand mit Nahrung und Unterschlupf versehen. Lehrer, Studenten und gewöhnliche Bürger, die einfach die Täuschungen eines nicht gewählten Regimes erkennen, das ihr Land an sich gerissen hat. Alle, die mit dem Widerstand in Verbindung stehen, haben konstante und zunehmende Konsequenzen für ihren Mut, gegen den Coup zu protestieren, zu spüren bekommen. Nachdem die internationale Gemeinschaft von den USAgrünes Licht erhalten hat, daß die demokratische Ordnung durch die Wahlen wiederhergestellt wurde, ist die Jagd eröffnet worden für die Gewalttäter in Honduras, um die politische Einheit des Widerstandes gegen den Coup zu zerschlagen.
Die Morde geschehen beinahe schneller als man sie protokollieren kann.
Am Sonntag, den 7. Dezember, wurde eine Gruppe von 6 Leuten niedergeschossen, als sie in dem Viertel Villanueva in Tegucigalpa eine Straße entlangging. Laut Augenzeugen hielt ein weißer Wagen ohne Kennzeichen vor der Gruppe. Vier maskierte Männer sprangen heraus und zwang die Gruppe, sich auf den Boden zu legen, wo man sie erschossen hat. Die fünf Opfer, die getötet wurden, waren:
- Marcos Vinicio Matute Acosta, 39
- Kennet Josué Ramírez Rosa, 23
- Gabriel Antonio Parrales Zelaya
- Roger Andrés Reyes Aguilar, 22
- Isaac Enrique Soto Coello, 24
Eine Frau, Wendy Molina, 32, wurde mehrere Male beschossen und spielte die Tote, als ein Mann sie an den Haaren riß, um zu sehen,, ob sie tot war. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht und überlebte.
Die honduranische unabhängige Zeitung El Libertador berichtete, daß alle Mitglieder der Gruppe Organisatoren gegen den Coup gewesen sind. Ein Bewohner des Viertels erzählte, daß “die Jungens Kommittees gebildet hatten, damit die Anwohner sich in der Widerstandsfront organisieren konnten.”
Dieses Massaker war Teil einer Reihe von Morden in Zusammenhang mit dem Widerstand allein in den vergangenen Wochen. Am 3. Dezember wurde Walter Trochez, 25, ein bekannter Aktivist in der lesbisch-homosexuell-bisexuell-transsexuellen Gruppe (LGBT) im Zentrum von Tegucigalpa von der Straße weg aufgegriffen und in einen Transporter geworfen, wieder von vier Männern, In dem Bericht, den ers später für die lokalen und nationalen Beförden verfaßte, sagte Walter, daß er stundenlang über die Mitglieder des Widerstandes und ihre Aktivitäten verhört wurde und mit einer Pistole ins Gesicht geschlagen wurde, weil er sich weigerte zu sprechen. Ihm wurde gesagt, er würde sowieso umgebracht werden, bis er schließlich entkam, indem er die Wagentür aufstieß, auf die Straße fiel und davonrannte.
Es war nicht das erste Mal, daß Walter dieser Art von Bedrohungen ausgesetzt wurde. Er war ein sehr beliebter Organisator gegen den Coup und hatte Menschenrechtsverletzungen, besonders in der Homosexuellen-Gruppe dokumentiert. Walter hatte gerade zwei Artikel veröffentlicht. Der eine nach den Wahlen hieß “Der Triumph der Wahlenthaltung”, über den Erfolg bei den Bemühungen des Widerstandes, die Bürger zu ermutigen, nicht zu wählen. Der zweite hieß “Die Eskalation des Hasses und homophober Verbrechen gegen die LGBT-Gruppe mit ihren Wurzeln in dem zivil-religiösen militärischen Staatsstreich in Honduras”.
In beiden Artikeln endete er mit den Worten: “Als Revolutionär werde ich heute, morgen und für immer an der vordersten Front meines Volkes stehen, wohl wissend, daß ich mein Leben verlieren kann.”
Am 13. Dezember wurde Walter auf dem Heimweg in die Brust geschossen von einem vorüberfahrenden Killer. Er starb im Hospital.
Am 5. Dezember wurde Santos Garcia Corrales, ein aktives Mitglied der Nationalen Widerstandsfront, von den Sicherheitskräften in New Colony Capital, südlich von Tegucigalpa verhaftet. Durch Folter wollte man Informationen über einen örtlichen Kaufmann herausbekommen, der Nahrung und Material an den Widerstand lieferte. Nachdem er den Zwischenfall den Behörden gemeldet hatte, wurde Santos' Leiche 5 Tage später am 10. Dezember enthauptet aufgefunden.
Es gab noch weitere Fälle, vor allem eine steigende Zahl von Morden in der LGBT-Gruppe. Insbesondere sind mehrere Transvestiten kürzlich auf ähnlich grausame Weise getötet worden. Menschenrechtsanwälte berichten, daß “bis zu 18 homosexuelle und transsexuelle Männer im ganzen Lande getötet wurden in den beinahe sechs Monaten seit der politischen Krise, die die Nation erschütterte - so viel wie in den vergangenen 5 Jahren.”
Das letzte Opfer, Carlos Turcios, wurde außerhalb seiner Wohnung in Choloma Cortes um drei Uhr nachmittag am Mittwoch, den 16. Dezember gekidnappt. Am folgenden Tag wurde er tot aufgefunden, mit abgeschnittenem Kopf und Händen. Carlos war Vize-Präsident der Choloma- Abteilung der Widerstandsfront gewesen, eine Stadt, die ein paar Stunden außerhalb der Hauptstadt liegt. Andres Pavón, Präsident der CODEH (Kommittee zur Verteidigung der Menschenrechte in Honduras) kommentierte: “Wir glauben, daß diese schrecklichen Verbrechen denen zugeordnet werden müssen, wo die Körper ebenfalls Zeichen brutaler Tortur aufwiesen … diese Aggression ist zur Erzeugung einer kollektiven Angst gedacht.”
Es ist ein finsteres Bemühen, die Gemeinde zu erschüttern, die jetzt im Grunde stärker denn je ist. Wie Walter Trochez bemerkt hat (und CNN bestätigte), hat sich der größte Teil des Landes geweigert, an jenem Tag wählen zu gehen. Viele Regierungen der Welt, einschließlich der meisten in Lateinamerika, haben sich geweigert, die Wahlen anzuerkennen.
In diesem Klima wütender Repression können sich die Bürger nicht mehr auf die Behörden in Bezug auf ihre grundlegenden Rechte des Schutzes verlassen, und jene, die Angst um ihr Leben haben, können nicht zur Polizei gehen. Wenn sie Anklagen erheben, wie Santos und Walter, können diese rasch die Unterschrift für ihr eigenes Todesurteil sein. Viele glauben aus gutem Grund, daß die Morde vom Staat gefördert werden. Zumindest sind sie das Ergebnis der neuen Bedingungen, die die weitreichende Verschlechterung des staatlichen Schutzes zulassen.
Pavón und andere Menschenrechtsführer in Honduras sind extrem lautstark in ihrer Verurteilung dieser Greueltaten gewesen, aber deren Geschichte wurde nicht vom Radar der meisten honduranischen und internationalen Medien erfaßt. Zu einer Zeit, wo die Honduraner am meisten die Veröffentlichung dieser Schandtaten nötig haben, sind sie sich selbst überlassen worden.
Wie konnte das geschehen? Warum werden Menschen willkürlich in dunklen Ecken des Landes hingerichtet, nur weil sie in Opposition zum Militärcoup stehen?
Das meiste Blut haben der Coup-Präsident Roberto Micheletti und andere Führer des Regimes an den Händen. Jedocch haben Präsident Barack Obama und das US-Außenministerium eine wichtige Rolle dabei gespielt, das die Bedingungen so weit gedeihen konnten. Die US-Regierung hat keine konkrete Maßnahme ergriffen gegen die tausenden von dokumentierten Menschenrechtsverletzungen seit dem Staatsstreich am 28. Juni. Es ist nicht schockierend, daß die Gewalt sich dramatisch verschlimmert hat, seit die Augen der Welt sich abgewendet haben.
In einem kürzlichen Interview hat Francisco Rios von der Nationalen Front gegen den Coup die Kommunikees der Front wiederholt, wo es hieß, daß der Widerstand, auch wenn er im Moment sich ruhig verhält, eine massive organisatorische Anstrengung für das nächste Jahr und weiterhin vorbereitet. Rios berichtete, daß man aufgehört hat, sich öffentlich zu treffen als eine Sicherheitsmaßnahme für den Augenblick, und daß man sich landesweit in Gruppen aufteilt mit dem Plan, als eine neue, gestärkte politische Kraft aufzutauchen. Walter, Santos und alle die Widerstandskämpfer, die ihr Leben gegeben haben, haben andere in der Bewegung angeregt, den Kampf für Gerechtigkeit in Honduras weiterzuführen.
Quelle: Upside Down World- Killing Activists in Honduras
Originalartikel veröffentlicht am 23.12.2009
Über den Autor
Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.
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